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Wertvolle Bibelhandschrift aus dem 14. Jahrhundert

08.07.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Codex Henrici - eine wervolle westfälische Bibelhandschrift aus dem 14. Jahrhundert Ende letzten Jahres konnte die Universitäts- und Landesbibliothek Münster eine wertvolle westfälische Bibelhandschrift aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts erwerben. Sie ist Mittelpunkt der Ausstellung "Bibelhandschriften und Bibeldrucke aus dem Besitz der Universitäts- und Landesbibliothek Münster", die am Mittwoch, 8. Juli 1998, in Münster eröffnet wurde.

"Diese Bibelhandschrift ist eine wichtige Quelle für die Mittelalterforschung", betonte die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ilse Brusis bei der Eröffnung der Ausstellung im Ausstellungspavillon der münsterschen Universitäts- und Landesbibliothek. "Es ist ein schöner Erfolg, daß dieses herausragende Zeugnis der Kulturgeschichte für Nordrhein-Westfalen gesichert werden konnte und nun nach einer langen Zeit im Verborgenen wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird." Zum Kaufpreis von insgesamt 1,875 Millionen Mark hatte das Land Nordrhein-Westfalen 200.000 Mark bereit gestellt. Am Erwerb waren außerdem die Kulturstiftung der Länder, das Bundesministerium des Innern, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie die Kulturstiftung der Sparkasse Münster beteiligt.

Als "einmaliges Zeugnis westfälischer Buchmalerei aus der Zeit der Gotik" wertete Bibliotheks- Direktorin Dr. Roswitha Poll den "aufsehenerregenden Zugewinn" ihrer Bibliothek. Die nach dem Namen des ersten bekannten Besitzers "Codex Henrici" benannte lateinische Handschrift wird im Rahmen der Ausstellung, die noch bis zum 25. Juli 1998 täglich (auch sonntags) von 14 bis 17 Uhr geöffnet ist, erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In der Ausstellung wird der "Codex Henrici" mit seiner üppigen Ausstattung, mit kostbaren und aufwendigen Miniaturen in mehreren Bildern im Original und als Foto gezeigt. Die künstlerische Qualität der 44 figürlichen und 17 ornamentalen Initialen in Deckfarben und Gold wird von Fachleuten sehr hoch eingeschätzt. Die Bibel ist eines der ganz wenigen Zeugnisse westfälischer Buchmalerei, die aus der Zeit der Gotik überliefert sind, und damit ein großartiges Beispiel westfälischer Kultur, das von großer Wichtigkeit für die Erforschung nicht nur der Buch- und Kunstgeschichte dieser Region, sondern auch der Kultur- und Geistesgeschichte allgemein und der Theologie und Frömmigkeitsgeschichte im besondern ist.

Der Kauf der Handschrift fügt sich ein in die vielfältigen Bemühungen der Universitäts- und Landesbibliothek Münster zur Sicherung und Bewahrung des kulturellen Erbes. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg hat die ULB wieder eine stattliche Sammlung älterer, wertvoller und schützenswerter Handschriften und Drucke zusammengetragen. Heute besitzt die Bibliothek 90 mittelalterliche Handschriften meist aus dem niederländisch-westfälischen Raum, darunter bedeutende Einzelstücke wie das sogenannte "Hoya-Missale", das zu den Meisterwerken der niederländischen Buchmalerei des 15. Jahrhunderts gehört, oder die berühmte "Dyksche Handschrift" mit der Textüberlieferung des Epos vom Reineke Fuchs.

In der Ausstellung aus Anlaß der Übergabe und Präsentation der neu erworbenen Handschrift "Codex Henrici" werden werden weitere wertvolle Bibeln aus der Zeit vom 9. Jahrhundert bis in die heutige Zeit gezeigt, die sich im Besitz der Universitäts- und Landesbibliothek Münster befinden. Die älteste Handschrift, ein Evangeliar aus Nordfrankreich, stammt aus der Mitte des 9. Jahrhunderts. Eine Genesis-Handschrift aus dem späten 12. Jahrhundert, ebenfalls in Nordfrankreich entstanden, gelangte im Zuge der Säkularisation aus dem Benediktinerkloster Liesborn nach Münster. Ein Fragment aus dem 13. Jahrhundert enthält Teile einer lateinischen Versbibel.

Neben Handschriften sind auch frühe Bibeldrucke zu sehen. Das erste und bedeutendste gedruckte Buch, Gutenbergs berühmte Bibel, ist als Faksimilie ausgestellt, weitere frühe deutsche und niederländische Bibelausgaben im Original. Im September 1522 legte Luther die Übersetzung des Neuen Testaments vor: Das sogenannte Septembertestament. In der Ausstellung ist der nur wenig später erschienene, mit zahlreichen Verbesserungen versehene Nachdruck vom Dezember 1522 zu sehen. Katholische Bibelübersetzungen schließen sich an. Prachtvolle Kupfer-und Stahlstiche, mit denen die Bibelillustratoren des 18. und 19. Jahrhunderts ihre Werke schmückten, sind ebenfalls ausgestellt. Die populäre Bilder-Bibel des Julius Schnorr von Carolsfeld aus dem Jahr 1860 rundet die lohnende Ausstellung, in der insgesamt 40 Bibelausgaben zu sehen sind, ab.

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