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Leukämie durch gestörte Transportvorgänge am Zellkern?

14.07.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bei manchen Leukämieformen sind in den bösartigen Zellen möglicherweise die Transportvorgänge zwischen dem Zellkern und seiner Umgebung gestört. Diesen Sachverhalt erforscht Dr. Doris Kraemer von der Medizinischen Poliklinik der Universität Würzburg.

Die Wissenschaftlerin untersucht eine Sonderform akuter myeloischer Leukämien. Diese sind die häufigste Form akuter Leukämien beim Erwachsenen und machen 80 Prozent der Fälle aus. Bei den Patienten beginnt eine einzige Vorläuferzelle von weißen Blutkörperchen, sich stetig zu vermehren. Häufig wird der Übergang dieser sich ständig teilenden Vorläuferzellen zu bösartigen Zellen dadurch gefördert, daß sich Veränderungen an den Chromosomen entwickeln.

Weil ihr gesundes Knochenmark durch die Tumorzellen verdrängt wird, leiden die betroffenen Patienten insbesondere an einem Mangel an gesunden weißen und roten Blutkörperchen und Blutplättchen. Deshalb kommt es bei ihnen zu lebensbedrohlichen Infektionen, Anämie und zu Störungen der Blutgerinnung.

Im Rahmen der Veränderungen an den Chromosomen können sogenannte Chromosomen-Translokationen auftreten. Dr. Kraemer: "In diesem Fall wird ein Stück eines Chromosoms auf ein anderes übertragen." Dabei kann es, weil die Chromosomen ja die Erbinformation tragen, zum Verschmelzen zweier Gene kommen.

Die miteinander verbundenen Gene enthalten dann die Information für ein Fusionsprotein, das aus Anteilen von zwei bisher voneinander unabhängigen Proteinen besteht. Ein solches Fusionsprotein, welches lediglich in den Tumorzellen gebildet wird, könne diesen unter Umständen einen erheblichen Wachstumsvorteil bringen, sagt Dr. Kraemer.

Die Würzburger Wissenschaftlerin interessiert sich für eine Translokation, bei der Bruchstücke der Chromosomen Nummer 6 und 9 miteinander verschmolzen sind. In diesem Fall entsteht aus Teilen der Proteine Dek und Can das für die Zelle bis dorthin unbekannte Fusionsprotein Dek-Can. Über die Funktion der Proteine Dek und Can war bisher wenig bekannt. Dr. Kraemer konnte jedoch zeigen, daß Can ein Kernporenprotein darstellt.

Die Kernporen dienen als Transportkanäle zwischen dem Zellkern und seiner Umgebung. Ihre einzelnen Bausteine sind die Kernporenproteine. Man nimmt an, daß das Protein Can, wie einige andere Kernporenproteine auch, eine wichtige Bindungsstelle für die sogenannten Importfaktoren darstellt. Diese sind für einen reibungslosen Proteintransport in den Zellkern verantwortlich.

In ihrem Forschungsprojekt, das von der in Köln ansässigen Fritz Thyssen-Stiftung gefördert wird, will Dr. Kraemer untersuchen, ob es im Rahmen der Unterformen von akuten myeloischen Leukämien zu einer Störung des Transportes in und aus dem Zellkern kommt und ob diese Störung möglicherweise für die Entartung der Zellen zu Tumorzellen verantwortlich ist.

Weitere Informationen: Dr. Doris Kraemer, Fax (0931) 201-7073, E-Mail:
d.kraemer@mail.uni-wuerzburg.de
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