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EBM 2000 Plus: Gefahr für Rheumatherapie

18.07.2002 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin

Neuer "Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM 2000 Plus)"
sorgt für Zwei-Klassen-Medizin bei Rheuma-Patienten

Wird der neue sogenannte Einheitliche Bewertungsmaßstab "EBM 2000 Plus" wie in der jetzt vorliegenden Fassung von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verabschiedet, wird Rheumapatienten vermutlich ein wichtiges Behandlungsverfahren verloren gehen - zumindest, wenn sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind.
Die Rede ist von der Radiosynoviorthese (RSO), mit der einzelne, besonders schwer betroffene Gelenke behandelt werden können. Bei diesem nuklearmedizinischen Verfahren, das bereits seit mehr als dreißig Jahren erfolgreich angewendet wird, werden die entzündlichen und sehr schmerzhaften Wucherungen der Gelenkschleimhaut (Synovia) mit Hilfe sogenannter Radionuklide bekämpft und so der Entzündungsprozess oft über Jahre gestoppt.
Radionuklide sind radioaktiv markierte Substanzen, deren Strahlung im Gelenk bis zu 11 Millimeter weit reicht. Nach der Injektion direkt ins Gelenk werden durch diese Strahlen die krankhaft wuchernden Zellen abgetötet, ohne dass das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Behandlung kann ambulant durchgeführt werden. Lediglich ein Ruhigstellen des betroffenen Gelenkes ist anschließend notwendig.
Die Radiosynoviorthese ist ein wichtiger Baustein im Behandlungskonzept vieler Rheumapatienten, bei denen die Basismedikation allein nicht mehr ausreicht, um besonders heftig in Mitleidenschaft gezogene Gelenke zu behandeln. Hier sorgt die RSO nicht nur für Linderung von Schmerz und Schwellung und eine Verbesserung der Beweglichkeit. Sie kann auch häufig eine operative Gelenkversteifung oder Prothese noch erheblich hinauszögern.
Durch die Neuregelungen im EBM 2000 Plus wird dieses Verfahren jedoch für Nuklearmediziner zu einem drastischen Zuschussgeschäft, das einige Praxen ganz aus ihrem Leistungsangebot werden streichen müssen, andere nur noch ihren Privatpatienten anbieten können. Denn für einige Gelenke übersteigen allein die Radionuklidkosten die von den Kassen erstattete Summe um mehr als das Doppelte. Im Extremfall werden z. B. 200 DM (102,26 Euro) für die RSO eines Hüftgelenks mit 5 mCi Rhenium-186 erstattet. Der Nuklearmediziner hat jedoch 584,05 DM (298,62 Euro) an die Lieferfirma zu überweisen. Außerdem ist vorgesehen, dass täglich pro Patient nur ein Gelenk behandelt werden darf.
Was als kostensenkende Maßnahme gedacht ist, führt aber lediglich dazu, dass Patienten mehrfach einbestellt werden müssen, wenn - was häufig der Fall ist - mehrere Gelenke behandelt werden sollen. Gerade bei Rheumapatienten ist dies nicht nur eine Zumutung für die Schmerzen leidenden Betroffenen, sondern es generiert auch neue Kosten. Zudem verlängert sich die Zeit der Krankschreibung.
Schließlich ignoriert der EBM 2000 Plus bei der Honorierung der sogenannten "ärztlichen" (AL) und der "technischen Leistung" (TL), dass neben der Injektion der Radionuklide ins Gelenk häufig eine Durchleuchtung oder Kontrastmitteluntersuchung notwendig ist, um sicherzustellen, dass die Gelenkpunktion keinen Schaden anrichtet.
Die zuständigen Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e. V. und des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner beschränken sich daher nicht mehr darauf, selbst bei den Verantwortlichen der KBV zu intervenieren. Sie wenden sich nunmehr in einem offenen Brief (einzusehen unter http://www.nuklearmedizin.de) direkt an die betroffenen Patienten, die auf die Verfügbarkeit der Radiosynoviorthese angewiesen sind.

Nähere Informationen zum Verfahren Radiosynoviorthese finden Sie unter http://www.radiosynoviorthesis.com oder in der Patienteninformation auf http://www.nuklearmedizin.de, Rubrik DGN-Infoservice.

weitere Informationen:

DGN e. V., Pressestelle
Heike Jordan
Tel. 0551/370753-85
info@nuklearmedizin.de

oder

Prof. Gynter Mödder
Tel. 02234/23024
Gynter.moedder@t-online.de
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