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Klimamodellierung auf dem PC

06.08.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Einer Arbeitsgruppe von Geologen der Universität Münster ist es im Rahmen eines UNESCO- Projektes gelungen, Klimamodellierungen, die die gesamte Atmosphäre umfassen, anstatt auf Cray Supercomputern auf gängigen Pentium Pcs unter Windows NT durchzuführen. Während mit einem der anerkannten Modelle ein simulierter Atmosphärentag auf einer Cray neun Minuten dauert, werden dafür auf einem Pentium PC 35 Minuten Rechenzeit benötigt, wie der Koordinator des Projektes Dr. Peter Smolka vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität betont.

Diese Arbeiten wurden durchgeführt, weil zum Verständnis schon realisierter Treibhaus- Szenarien Daten wie Luftdruck und Wind aus geologischen Befunden nicht oder kaum abzuschätzen sind. Da dies zahlreiche Modelläufe erfordert, die bei den großen Klimarechenzentren auch Kapazitätsprobleme aufwerfen, wurde ein anerkanntes allgemeines Atmosphärenmodell eines dieser Klimarechenzentren für PCs umgeschrieben.

Dies hat nach Worten Smolkas darüberhinaus den nützlichen Nebeneffekt, daß auch in Ländern, in denen keine Cray zur Verfügung steht, entsprechende, auch meteorologische Untersuchungen durchgeführt werden können. Ferner kann das Modell auch für Ausbildungszwecke eingesetzt werden, da schnelle Pentium Computer heute weit verbreitet sind.

Zu den Ergebnissen des UNESCO-Projektes (IGCP-341, Southern Hemisphere Paleo- and Neoclimates) gehören zahlreiche Kurven, auf denen durchaus beträchtliche Klimaschwankungen, auch in früheren, wärmeren Zeiten abzulesen sind. Hieraus wurden auch Karten über Ozeanströmungen und Vegetationsbedeckungen abgeleitet. Diese umfassen sowohl einzelne Regionen, wie das Amazonasgebiet, als auch größere Gebiete der Ozeane. Ganz allgemein könne gesagt werden, so der münstersche Projektleiter, daß es vergleichsweise kurzfristige und beträchtliche Klimaschwankungen schon seit etlichen Millionen Jahren, also auch im sogenannten Pliozän und Miozän gab. "Hätte es damals Zivilisationen gegeben", so Smolka, "wären die ökonomischen Folgen möglicherweise katastrophal gewesen."

Langfristig, also in Zeitskalen von ein bis zwei Millionen Jahren, hat jedoch, soweit dies bislang ersichtlich ist, das Geosystem die Klimaschwankungen abpuffern können. Insgesamt zeigen die Untersuchungen nach Angaben des münsterschen Geologen, daß sich gerade angesichts der heftigen natürlichen Klimaschwankungen der Vergangenheit die Frage stellt, ob unser jetziger Umweltzustand nicht eine glückliche, stabile Ausnahme darstellt, dessen möglicherweise empfindliches Gleichgewicht schon im eigenen Interesse keinesfalls gestört werden sollte.

Hierfür sind jedoch noch weitere Untersuchungen nötig, die auch Arbeiten mit anderen Modellen einschließen.

Ansprechpartner für Redaktionen: Dr. Peter Smolka, T.: 0251/83-3 39 89, e-mail: smolka@uni-muenster.de
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