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Internationale Tagung zu Orientwissenschaften in Halle

19.08.1998 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Kongreß möchte das das traditionelle Bild des Orients korrigieren

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Orientalistik, ist vom 30. 08. bis 03.09.1998 Gastgeber des Kongresses der Union Européene des Arabisants et Islamisants. Es ist das erste Mal seit zwanzig Jahren, daß eine solche Tagung wieder in Deutschland stattfinden kann. Nach den Tagungsorten Louvain, St. Petersburg, Utrecht, Salamanca, Venedig, Oxford, wurde mit der Saalestadt Halle der Konferenzort in Sachsen-Anhalt, eines der neuen Bundesländer, ausgewählt.

Der Kongreß steht unter dem Thema "Change and Transition - Parameter des Wandels". Die thematische Orientierung soll dazu beitragen, das traditionelle Orientbild, das die Charakteristika der arabischen und islamischen Welt oft als unwandelbar darstellt, durch die Wahrnehmung von Entwicklungen und Prozessen zu korrigieren.
Auch die Orientwissenschaften unterliegen einem steten Wandel. Standen ehemals die orientalischen Sprachen im Vordergrund von Lehre und Forschung, bilden heute Kultur und Kulturgeschichte das Hauptanliegen des Faches. Aus der Forschung über den Orient ist - vielleicht nicht immer in dem wünschenswerten Ausmaß - eine Forschung zusammen mit Fachexperten aus dem Orient geworden, und in der Ausbildung spielen die lebendigen Gesellschaften des Islams eine weitaus größere Rolle als dies früher der Fall sein konnte.

Als eine Wissenschaft, die sich mit der für Europa wichtigsten außereuropäischen Kultur befaßt, haben die Orientalisten die Verpflichtung, die Werte und Aufgaben, denen ihr Bemühen gilt, auch nach außen zu tragen. Vertreter der Orientwissenschaften leisten einen erheblichen Beitrag dazu, das komplizierte, aus einer langen historischen Entwicklung wirkende Verhältnis zur islamischen Kultur zu vertiefen und nach Möglichkeit zu verbessern. Die arabisch-islamische Kultur ist gegenwärtig aus der europäischen Perspektive vorwiegend unter Berücksichtigung islamistischer Strömungen aktuell. Dieser Verengung des Blickes möchte die Tagung entgegengewirken. Auch für Vertreter der islamischen Kultur in Europa kann eine solche Veranstaltung mit der wissenschaftlichen Aufrichtigkeit und Kompetenz, die der Kongreß widerspiegelt, eine wichtige Orientierung bieten.

Die Tagung führt die europäische Forschungszusammenarbeit in beispielhafter Weise vor. Die Orientalistik repräsentiert sowohl in der Wissenschaftsstruktur, für die der gesamteuropäische Austausch von Forschungsergebnissen selbstverständlich ist, als auch durch den Gegenstand - Nordafrika und Nahost - die vielsprachige, vernetzte, "global" und zugleich pluralistisch ausgerichtete Kultur der Gegenwart und, hoffentlich, Zukunft.

Die Orientalistik kann in Halle auf eine große Tradition zurückblicken: zahlreiche namhafte deutsche Orientalisten lehrten und forschten hier. Mit Recht wird Halle als eine "Wiege der deutschen Orientphilologie" bezeichnet, wurde doch hier 1845 die Deutsche Morgenländische Gesellschaft gegründet, deren seitdem ununterbrochen fortgeführte Bibliothek mit ihrer hervorragenden Sammlung von Primär- und Sekundärliteratur den Grundstock für die Erneuerung der halleschen Orientphilologie nach 1990 bildete. Mit dem Wechsel des Sondersammelgebietes "Vorderer Orient/Nordafrika" der deutschen Universitätsbibliotheken von Tübingen nach Halle zu Beginn dieses Jahres und mit der für nächstes Jahr vorgesehenen Eröffnung des "Orienwissenschaftlichen Zentrums" der Martin-Luther-Universität, das die erweiterte Arbeit mehrerer Institute und des Sondersammelgebietes unter einem Dach vereinen wird, bildet der Wissenschaftsstandort Halle einen Schwerpunkt in diesem Bereich aus.

Zum Kongreß wird ein Beiprogramm gestaltet, zu dem am frühen Abend des 30.8.1998 (18.00 Uhr) eine Begrüßungsveranstaltung durch Universität und Vertreter der Stadt und Landesregierung in der Aula der Universität gehört. Teil dieser Veranstaltung ist der Festvortrag eines der namhaftesten arabischen Gelehrten der Gegenwart, Professor Abdelaziz el-Duri (Amman/Jordanien), dessen Werke zur Wirtschaftsgeschichte und arabischen Nationenbildung in europäische Sprachen übersetzt wurden.

Für den Kongreß in Halle haben sich rund 150 Teilnehmer angemeldet. Die Herkunftsländer Spanien, Italien, Bulgarien und Rußland bilden diesmal einen Schwerpunkt, aber alle anderen Länder der Europäischen Union sind ebenfalls vertreten. Der Veranstaltungsort profiliert sich dabei entsprechend seiner geopolitischen Bedeutung ganz entschieden durch die Begegnung süd-, west- und osteuropäischer Teilnehmer. Die Veranstaltung verdeutlicht unter diesem Gesichtspunkt, daß der Region durch ihre Lage im Herzen Europas eine besondere Aufgabe zugewachsen ist.

Ansprechpartner:

Thomas Herzog (Kontaktstelle Presse)
Tel.: 0345 / 5524078 oder 5524071
Fax: 0345/ 5527123
e-mail: herzog@orientphil.uni-halle.de

Internet: http://mlucom6.urz.uni-halle.de/orientphil/sonstiges/Circ1.html
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