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Neurohormon mit großer Wirkung

09.09.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Mit einem wichtigen, unter anderem auch in der Haut gebildeten Neurohormon und seiner Rolle bei der Entstehung verschiedener Krankheiten, wie etwa Hautkrebs, entzündlichen Erkrankungen und Fettleibigkeit, beschäftigen sich auf diesem Gebiet führende Wissenschaftler aus Europa, Amerika und Japan vom 11. bis 13. September 1998 bei einem internationalen Kongreß an der Universität Münster. Ausgerichtet wird die im münsterschen Schloß stattfindende Tagung von der New York Academy of Sciences. Jährlich lädt diese renommierte amerikanische Wissenschaftseinrichtung zu etwa fünf bis sechs Expertentreffen zu einem aktuellen wissenschaftlichen Thema aus der Medizin oder den Naturwissenschaften ein. Aufgrund der international beachteten Forschungsarbeiten münsterscher Dermatologen auf dem Gebiet der Neuroimmunmodulation der Haut wurde die Westfälische Wilhelms-Universität jetzt erstmals als Tagungsort ausgewählt. Örtlicher Tagungsleiter ist Prof. Dr. Thomas, Luger, Hautklinik-Direktor der Universität Münster.

Bei dem Neurohormon, über dessen Funktion die rund 150 erwarteten Experten in Münster diskutieren, handelt es sich um das sogenannte Proopiomelanocortin (POMC), das wiederum Ausgangssubstanz für andere Hormone ist, die unter anderem im Rahmen der Immunabwehr, der Pigementierung der Haut und der Schmerzregulierung eine wichtige Rolle spielen. Während man früher davon ausgegangen war, daß diese Hormone ausschließlich in der Hirnanhangdrüse gebildet werden, so haben neuere Forschungsarbeiten ergeben, daß sie unter anderem auch in der Haut, in den Lymphknoten und in den peripheren Blutzellen produziert werden können. Auch spezielle Rezeptoren, das heißt die Empfängerzellen für diese Hormone, werden unter anderen in Haut und Immunsystem gebildet. Bei der Tagung in Münster wird deutlich werden, daß die Hormone und ihre Rezeptoren eine Vielfalt von bisher unbekannten Wirkungen entfalten können.

So stimuliert beispielsweise ein bestimmtes, als Folge eines äußeren Reizes, wie etwa Verletzung oder UV-Bestrahlung, in der Haut gebildetes POMC-Hormon die Pigmentsynthese und schützt dadurch wirkungsvoll vor UV-Licht. Indem es gleichzeitig das Wachstum von Oberhautzellen ankurbelt, ist es auch für die Wundheilung von Bedeutung sowie ebenfalls im Zusammenhang mit Schuppenflechte und anderen Erkrankungen, die mit einem vermehrten Wachstum von Oberhautzellen einhergehen. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, daß diese Hormone auch wirkungsvoll in Entzündungsreaktionen eingreifen können, zum Beispiel das Fieber senken. Nachgewiesen wurde ferner, daß verschiedene mikrobielle Erreger die Produktion der Hormone signifikant beeinflussen können. So gehen Wissenschaftler davon aus, daß die Bildung dieser spezifischen Hormone ein Parameter für die Prognose verschiedener Infektionen, wie etwa der HIV-Infektion, sein dürfte. Darüber hinaus spielt dasselbe POMC- Hormon nach bisherigem Kenntnisstand auch eine Rolle bei allergischen Erkrankungen. So hat sich beispielsweise herausgestellt, daß die Gabe dieses Hormons die Entstehung von Kontaktallergien verhindern kann. Derzeit laufen erste klinische Untersuchungen beim Menschen.

Die Effekte dieser Hormone werden über spezifische Rezeptoren, sogenannte Melanocortin- Rezeptoren (MC), vermittelt. Die Bedeutung dieser Rezeptoren ist ebenfalls durch verschiedene neue experimentelle Untersuchungen belegt, über die in Münster berichtet wird. So sprechen etwa einige Befunde dafür, daß Mutationen im Genom der MC-Rezeptoren zur Entstehung bösartiger Tumoren, wie dem schwarzen Hautkrebs, beitragen. Ein anderer MC-Rezeptor wiederum soll laut neuesten Erkenntnissen eine wichtige Rolle bei der Kontrolle des Körpergewichtes spielen. Jedenfalls wurde im Experiment nachgewiesen, daß eine Blockierung der Rezeptoren zu Fettleibigkeit führt, der entsprechende Rezeptor damit zur Entstehung von Übergewicht beiträgt.

Der Verlauf vieler entzündlicher Hauterkrankungen, wie zum Beispiel Neurodermitis, wird durch Streß beeinflußt. POMC gilt nach Worten Lugers auch als ein "Streßhormon", das unter psychischer Belastung vermehrt produziert wird. Aufgrund seiner vielfältigen Wirkungen an peripheren Zellen, so auch an Entzündungszellen, könnte dieses Hormon, wie Luger aufgrund eigener Forschungsarbeiten vermutet, die lange gesuchte Erklärung für die streßbedingte Beeeinflussung von Entzündungsreaktionen sein.

Das Verständnis der im Rahmen des Kongresses in Münster vorgestellten komplexen Wechselwirkungen der Hormone und ihrer unterschiedlichen Rezeptoren eröffnet zugleich neue therapeutische Strategien zur Behandlung der durch sie beeinflussten Erkrankungen. Erste derartige Studien zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen werden bereits durchgeführt.

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