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"Blutgerinner" tagten in Würzburg

11.09.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Fragen zur Vorbeugung und Behandlung von Thrombosen und Blutungen standen im Mittelpunkt eines wissenschaftlichen Symposiums, das am heutigen Freitag, 11. September, im Würzburger Kongreßzentrum zu Ende ging. 480 Fachleute waren der Einladung zu dieser Veranstaltung des Zentrallabors der Medizinischen Klinik der Universität Würzburg gefolgt.

Wie sich bei dem Symposium zeigte, sind mehr und mehr auch Frauenärzte angesprochen, möglichen Entgleisungen des Gerinnungssystems vorzubeugen. So kann zwar der Brustkrebs bei regelmäßiger Vorsorge frühzeitig entdeckt und behandelt werden, aber bei der Chemotherapie dieses Tumors entsteht eine gewisse Thrombosegefahr. Über die Ursachen sind sich die Experten nach wie vor uneinig. Helfen würde es den Ärzten bereits, die Frauen zu erkennen, die unter einer Chemotherapie am ehesten mit einer Thrombose zu rechnen haben. Eine wirksame Blutverdünnung würde heute schon zur Verfügung stehen. Ob ein in der Bevölkerung häufiger Gendefekt, die sogenannte "Faktor V Leiden-Mutation" - benannt nach der holländischen Stadt - hierbei eine Rolle spielt, wird derzeit noch untersucht.

Ebenso wurde diskutiert, ob dieser Gendefekt vor der Verschreibung der Anti-Baby-Pille untersucht werden sollte. Die Thrombosegefahr durch die Pille ist in den vergangenen Jahren wieder ins Gerede gekommen. Die veränderte Erbanlage würde nun die Gefahr weiter erhöhen, wie bei der Tagung deutlich wurde. Übereinstimmend wurde erklärt, es mache keinen Sinn, betroffenen Frauen in jedem Fall die Pille vorzuenthalten. Denn viele Betroffene würden trotz Mutation niemals eine Thrombose erleiden. Vielleicht könne aber eine intensivere Beratung und Aufklärung der Patientinnen zu einer besseren Vorbeugung führen. Die Mutation nur nachzuweisen, wenn die Frau über Thrombosen in der Verwandtschaft berichtet, greife zu kurz. Dabei würden zu viele Trägerinnen der Erbanlange übersehen.

Nicht nur die Einnahme der Pille führt zu einer Thrombosegefahr, auch das Vergessen der Pille kann ein erhöhtes Thromboserisiko zur Folge haben: Denn auch Schwangere leiden gehäuft an Thrombosen. Um das Kind nicht zu gefährden, können bei ihnen zudem Thrombosen nicht so einfach diagnostiziert und behandelt werden wie bei nichtschwangeren Frauen. Wie erste Studien zeigen, ist bei besonders gefährdeten Frauen die Thrombosevermeidung mit blutverdünnenden Medikamenten wirkungsvoll. Doch die Ärzte wünschen sich noch mehr Erfahrungen mit diesen Mitteln, um letztlich jeder gefährdeten Schwangeren "maßgeschneidert" helfen zu können.

Kinder wiederum haben höchst selten mit Thrombosen zu kämpfen. Hier stehen eher Blutungen im Vordergrund. Ein häufiges, angeborenes Blutungsübel ist das "von-Willebrand-Jürgens-Syndrom", welches in der Normalbevölkerung mit einer Häufigkeit von bis zu einem Prozent zu beobachten ist. Auch hier erlaubt erst die Untersuchung der Erbanlagen, die vielfältigen Ursachen dieser Erkrankung aufzudecken. Damit die Forscher zielgerichtet die betroffenen Genabschnitte ins Visier nehmen können, muß das Blut zuvor ein umfangreiches Untersuchungsprogramm, wie es vielerorts angeboten wird, durchlaufen.

Große Resonanz fand einer Mitteilung der Veranstalter zufolge das neue EDV-Konzept von Zentrallabor und Gerinnungsambulanz der Universitätsklinik Würzburg. Dieses Konzept vereinfache das Zusammenspiel von Klinik und Labor und wage auch den Sprung auf die Datenautobahn des Internet. Die dadurch gewonnene Zeit komme letztlich der Patientenversorgung zugute.

Weitere Informationen unter E-Mail:

c.schambeck@medizin.uni-wuerzburg.de
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