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Amputation ist vermeidbar

18.09.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) stellt in der westlichen Welt eine große Volkskrankheit dar, deren Verbreitung nach wie vor zunimmt. Zwar können seit der in den 20er Jahren erfolgten Etablierung der Insulin-Behandlung heute viele Diabetiker bei frühzeitiger Feststellung und gezielter Therapie dieses Stoffwechselleidens ein hohes Lebensalter erreichen, doch gleichzeitig zeigen sich vermehrt auch die Spätfolgen einer Zuckerkrankheit. Mit einer dieser besonders gefürchteten Folgen, und zwar mit peripheren Gefäß- und Nervenschädigungen, dem sogenannten diabetischen Fuß, beschäftigt sich am Freitag und Samstag kommender Woche, 25./26. September 1998, eine Tagung am Universitätsklinikum Münster.

Ausgerichtet wird das fachübergreifende Symposium von der Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation der Westfälischen Wilhelms-Universität. Dort wird der Forschung auf diesem Gebiet und der Behandlung betroffener Patienten seit vielen Jahren im bundesweiten Vergleich ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt - zunächst durch den früheren Klinikdirektor Prof. Dr. René Baumgartner, der bundesweit als Vorreiter auf diesem Gebiet gilt, sowie seit zwei Jahren in gleichem Maße durch seinen Nachfolger Prof. Dr. Hans Henning Wetz, der auch die Tagung in Münster leiten wird.

Ziel dieser in Kooperation mit der Medizinischen Klinik B und dem Institut für Anatomie der Universität Münster durchgeführten Veranstaltung ist es nach Worten von Wetz, bei den teilnehmenden Medizinern das Bewußtsein zu wecken für die Notwendigkeit einer engen Zuammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachdisziplinen. Eine intensive Kooperation - vom Internisten bis zum Orthopäden, vom Neurologen und Neurochirurgen bis zum Gefäßspezialisten, Dermatologen, Nierenexperten und Augenheilkundler - ist laut Wetz eine unabdingbare Voraussetzung für eine bestmögliche Versorgung von Diabetikern. Je mehr und je besser die Ärzte aus den unterschiedlichen Bereichen Hand in Hand arbeiten, desto größer sind die Chancen für eine fundierte Diagnostik und für die Entwicklung individuell zugeschnittener, erfolgversprechender Therapiestrategien. Eine Amputation als letzter Behandlungsschritt bei einem weit fortgeschrittenen diabetischen Fuß ließe sich dann häufig vermeiden.

Um das Risiko eines unaufhaltsamen Fortschreitens von Gefäß- und Nervenschädigungen der Füße und das damit einhergehende Risiko einer Amputation abzuwenden, sollten Zuckerkranke ein ganz besonderes Augenmerk auf ihre Füße legen und mögliche Druckstellen und aufgrund unbemerkte Verletzungen genauestens registrieren. Da ein diabetischer Fuß mit einer Beeinträchtigung des sensiblen Empfindungsvermögens einhergeht, machen sich solche Veränderungen nämlich nicht durch Schmerzen bemerkbar. Wichtig ist es daher für Diabetiker auch, auf mögliche Fremdkörper in den Schuhen zu achten, denn selbst die Verletzung durch eine Glasscherbe kann völlig unbemerkt vonstatten gehen.

Während in den Frühstadien eine prophylaktische Fußpflege, gegebenenfalls auch Spezialschuhe zur Vermeidung von Druckstellen, Schlimmeres verhüten können, greifen mit fortschreitendem Verlauf nur gezielte medizinische Maßnahmen. Häufige Folge eines fortgeschrittenen diabetischen Fußes sind beispielsweise Weichteilinfektionen. Solchen nicht ungefährlichen Entzündungen wird dadurch Vorschub geleistet, daß die Haut bei diesen Patienten besonders dünn ist, und schon bei der kleinsten Verletzung Keime eindringen können.
Über die Diagnostik und Therapie solcher Infektionen wird bei der Tagung in Münster ebenso berichtet wie über die schwerste Komplikation beim diabetischen Fuß, nämlich die sogenannte diabetisch-neuropathische Osteoarthropathie. Bei diesem Krankheitsbild löst sich der Knochen vollkommen auf, so daß der Fuß allmählich regelrecht zerfällt. Auch bei dieser bedrohlichen Spätfolge eines diabetischen Fußes - laut Wetz selbst heute noch vielfach fälschlicherweiese schlichtweg als Fraktur gedeutet - kann aber noch eine Amputation abgewendet werden, wie der münstersche Orthopäde mit Verweis auf viele an seiner Klinik erfolgreich behandelte Patienten betont. Voraussetzung sei indes die gezielte Diagnostik und Therapie, spricht er mit Nachdruck den seiner Ansicht nach dringend zu verbessernden Austausch der verschiedenen Fachvertreter an.

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