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Bewußtlose neurochirurgisch versorgen - klinische Multicenterstudie wurde vorgestellt

06.10.1998 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Vom 30. September bis zum 03. Oktober 1998 fand in Magdeburg ein internationales Treffen des "Neurotraumatology Committee" der World Federation of Neurosurgical Societies und der "Euroacademia Multidisciplinaria Neurotraumatologia" zum Thema Verletzungen des Nervensystems statt.

Schwerpunkt des European Meeting NEUROTRAUMA, an dem 150 Wissenschaftler unterschiedlicher klinischer Fachrichtungen - Neurochirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Neurologie, Traumatologie - aus 20 Staaten teilnahmen, waren Beiträge zur Versorgung von Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen in Verbindung mit Mehrfachverletzungen.

Es bestand Einigkeit in der Auffassung, bestätigte Kongreßpräsident Professor Raimund Firsching, Direktor der gastgebenden Neurochirurgischen Uniklinik Magdeburg, daß akut lebensbedrohliche Blutungen innerhalb des Schädels, der Brusthöhle oder des Abdomens sofort behandelt werden müssen, bevor diagnostische Maßnahmen zum Nachweis nicht unmittelbar lebensbedrohlicher Verletzungen an Arm oder Bein oder Mittelgesicht ergriffen werden. Kontroverse Auffassungen der einzelnen Fachvertreter kamen zutage zu der Frage, welche nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Verletzungen wann versorgt werden müßten. Professor Marion, Pittsburgh, teilte Beobachtungen mit, nach denen mehrstündige Operationen an Armen und Beinen, die nicht unbedingt lebensnotwendig waren, bei bewußtlosen Mehrfachverletzten zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate bzw. zu einer weiteren Verschlechterung der bereits gestörten Hirnfunktionen führte. Vergleichbare Beobachtungen wurden aus Tierversuchen mitgeteilt.

Über eine klinische Multicenterstudie, die sich die Analyse der Mehrfachverletzungen mit Beteiligung des Gehirns zum Ziel gemacht hat, wurde vom Kongreßpräsidenten Professor Raimund Firsching berichtet. Nach einer ersten Auswertung dieser Studie, in der die neurochirurgischen Universitätskliniken Halle, Hannover, Homburg, Jena, Kiel, Köln, Magdeburg und Münster zusammenarbeiten, wurde offensichtlich, daß bei 10 Prozent der bewußtlosen Mehrfachverletzten ein neurochirurgischer Eingriff erforderlich wurde. Die hohe Sterblichkeitsrate dieser schwersten Verletzungen ist am häufigsten auf die inneren Verletzungen am Gehirn, im Brustkorb und Abdomen zurückzuführen. Hieraus wurde die schon in den fachspezifischen Leitlinien erhobene Forderung unterbaut, daß bewußtlose Verletzte in Zentren eingeliefert werden sollten, die auch eine fachspezifische neurochirurgische Versorgung gewährleisten können, da der Zeitfaktor für den weiteren Verlauf der Patienten entscheidend sei.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung war die Versorgung von Wirbelsäulenverletzungen. Es wurden weiterentwickelte Methoden vorgestellt, mit denen eine gebrochene Wirbelsäule durch innere Verschraubung stabilisiert wird. Professor Firsching dazu: "Die Genauigkeit der Plazierung der Schrauben kann durch computergestützte Navigationssysteme unterstützt werden." Sollte die Genauigkeit und Zuverlässigkeit dieser Navigationssysteme weiterhin verbessert werden können, so entfiele die Notwendigkeit zum Röntgen während der Operationen der Wirbelsäulenfrakturen.

Für weitere Rückfragen steht Ihnen als Ansprechpartner Prof. Raimund Firsching, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel. 0391/ 67 15534, e-mail: neurochirurgie@uni-magdeburg.de, gern zur Verfügung.
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