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Nachhilfe für mehr Qualität in den Schulen

06.10.1998 - (idw) Universität Dortmund

Mit einem Fachkongreß zum aktuellen Thema "Schulentwicklung und Schulqualität" feierte das Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) am 1. und 2. Oktober 1998 sein 25jähriges Bestehen. Die Wahl des Kongreßthemas, so Institutsleiter Prof. Dr. Hans Günter Rolff, machte deutlich, daß das IFS die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit aktuellen Problemen der Schulentwicklung für wichtiger halte als einen bloßen Festakt.

Dabei kann sich das IFS durchaus zugute halten, die Entwicklung des Bildungswesens nach der Aufbruch- und Reformphase der späten sechziger und frühen siebziger Jahre kritisch, engagiert und durchaus prominent begleitet, manchmal auch beeinflußt zu haben.

1973 wurde das Institut von den Professoren Rolff und Frommberger als "Arbeitsstelle für Schulentwicklungsforschung" (AFS) an der damaligen Pädagogischen Hochschule Ruhr in Dortmund gegründet. Zunächst standen Probleme der Umsetzung von Schulreformkonzepten in die Praxis im Vordergrund der Institutsarbeit. Auch wenn Institutsmitarbeiter damals in Einzelfällen an der Planung kommunaler und regionaler Schulangebote mitwirkten, stand doch die Analyse und Doku-mentation von Problemen des Bildungswesens immer im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit. So ging es damals beispielsweise um die Entwicklung standardisierter Verfahren zur Schulentwicklungsforschung, um die Aufbauplanung der Sekundarstufe II sowie die Ermittlung von Ausstattungsstandards für das Schulsystem.

Inzwischen hat das IFS, das mit der Fusion von Pädagogischer Hochschule und Universität in Dortmund seit 1980 Institut im Fachbereich "Erziehungswissenschaften und Biologie" ist, mehr als 60 Forschungsprojekte bearbeitet. Sie decken nicht nur ein außerordentlich breites Themenspektrum ab, sondern lassen auch die Veränderungen in den zentralen Fragestellungen der Schulentwicklungsforschung erkennen (ein Begriff im übrigen, den das IFS mit seiner Gründung prägte).

Diese Akzentverschiebungen beziehen sich im wesentlichen auf den Bedeutungsverlust eher quantitativ-technischer Probleme der Schule. Dem steht ein starker Bedeutungsgewinn qualitativer Probleme des Schulwesens gegenüber: Qualität von Schule und Unterricht, Entwicklung der Einzelschule, Lehrerprofessionalisierung, Einführung und Nutzung neuer Medien im Unterricht.

Entsprechend lesen sich die Bezeichnungen einer Auswahl aktueller Forschungsprojekte des IFS, in denen zur Zeit zwei Hochschullehrer sowie 19 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind:
- Evaluationsforschung der Bundesinitiative "Schulen ans Netz",
- Entwicklung und Erhöhung der Selbständigkeit der Schulen durch Selbstevaluation,
- wissenschaftliche Begleitung der Einrichtung regionaler Unterstützungszentren für Grundschulen in Hamburg,
- Analyse von Schulleitungshandeln
sowie - eine lange Tradition fortführend
- Repräsentativbefragungen zum Bild der Schule aus der Sicht von Schülern und Lehrern.

Besondere Sorgfalt widmet das IFS sowohl der Dokumentation seiner Forschungsarbeit als auch der Bildungsberichterstattung allgemein. Rechtzeitig zum 25jährigen Bestehen des IFS, zu dem mehr als 300 Bildungsexperten aus dem In- und Ausland kamen, ist das nunmehr zehnte "Jahrbuch der Schulentwicklung" erschienen, mit dem Mitarbeiter des IFS - gelegentlich gemeinsam mit externen Wissenschaftlern - seit 1980 im Abstand von zwei Jahren Analysen zu wichtigen Fragen des Bildungswesens veröffentlichen.

Das Jahrbuch ist die einzige Publikation seiner Art in Deutschland. Seine Beiträge werden von der Wissenschaft stark beachtet, doch auch einer breiten Öffentlichkeit ist das Jahrbuch durch die Publikation der Ergebnisse regelmäßiger Repräsentativbefragungen zu Meinungen und Einstellungen der bundesdeutschen Bevölkerung zu Fragen des Bildungswesens bekannt geworden. Das aktuelle Jahrbuch 10 enthält neben den neuesten Befragungsergebnissen u.a. mehrere Beiträge zum derzeit intensiv diskutierten Thema der schulischen Qualitätsentwicklung.

Genau hier sieht Institutsleiter Prof. Rolff für das IFS die Forschungsschwerpunkte der nächsten Jahre. Auch wenn die öffentliche Debatte anders geführt wird: Die Messung von Schülerleistungen, die den deutschen Schulen nur durchschnittliche Leistungen attestiert, ist für Rolff nur ein Ausgangspunkt, aber nicht die Lösung des Qualitätsproblems. Rolff: "Schulentwicklungsforschung muß umfassender angelegt sein, sie muß danach fragen, wie es jeder einzelnen Schule ermöglicht werden kann, ihre Qualität selbst zu beurteilen und bei Lücken eigene Wege zu finden, die Qualität zu verbessern. Und es muß ein pädagogisches Qualitätsbewußtsein entstehen."

Rolff sieht mit Besorgnis, daß die Bevölkerung möglicherweise die eher mittelmäßige Qualität der deutschen Schulen noch nicht wahrgenommen hat: Nach den IFS-Umfragen sagen nur 20% der Bevölkerung, daß die Leistungsanforderungen der deutschen Schulen etwas bzw. viel zu gering sind. Gleichzeitig geben mehr als die Hälfte den deutschen Schulen die Note "gut" oder "sehr gut"; nur 20% beurteilen sie schlechter als "befriedigend".

Von den Ergebnissen des Fachkongresses, der sich in zehn

Arbeitsgruppen mit den unterschiedlichen Facetten von Schulqualität beschäftigen wird, erwartet Rolff zahlreiche weiterführende Anregungen.

Nähere Information:
Institut für Schulentwicklungsforschung
Ruf 0231-755-5503
Fax 0231-755-5517
Mail office@ifs.uni-dortmund.de
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