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Archäometrie - Wissenschaft mit vielen Facetten

13.10.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Archäometrie ist eine Arbeitsrichtung, bei der Naturwissenschaftler und Archäologen interdisziplinär zusammenarbeiten. Eine entsprechende Tagung wurde gemeinsam vom Institut für Mineralogie und Kristallstrukturlehre sowie vom Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Universität Würzburg ausgerichtet.

Diese gemeinsame Jahrestagung der Arbeitskreise "Archäometrie und Denkmalpflege" der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutscher Chemiker fand vom 23. bis 26. September 1998 im Toscanasaal der Residenz in Würzburg statt.

Eröffnet wurde sie mit Grußworten des Vizepräsidenten der Universität, Prof. Dr. Wolfgang Freericks, des Dekans der Fakultät für Geowissenschaften, Prof. Dr. Herbert Voßmerbäumer, des Inhabers des Lehrstuhls für Klassische Archäologie, Prof. Dr. Ulrich Sinn, und des Leiters des Instituts für Mineralogie und Kristallstrukturlehre, Prof. Dr. Martin Okrusch. Prof. Sinn wies auf die Bedeutung der erst in jüngerer Zeit intensivierten Zusammenarbeit von Archäologen und Naturwissenschaftlern bei der Bearbeitung archäologischer Fragestellungen hin. Er merkte kritisch an, daß diese relativ neue Arbeitsrichtung mit allen Chancen, die sie bietet, bei vielen Kollegen aus der Klassischen Archäologie in Deutschland nur sehr zögernd angenommen werde.

Die Archäometrie ist ein Wissenschaftszweig, der archäologische Funde oder Fundsituationen mit naturwissenschaftlichen, zum Beispiel materialanalytischen Methoden untersucht. Ähnliches ist auch in der Denkmalpflege gefragt, wenn es etwa darum geht, die Pigmente alter Farben oder die Zusammensetzung alter Putze oder Mörtel herauszubekommen und diese Erkentnisse bei der Restaurierung einzusetzen.

Bei der Tagung wurden neue Ergebnisse aus unterschiedlichen Bereichen der Archäometrie und Denkmalpflege in Vorträgen und auf Postern präsentiert. Nach der Eröffnung wurde eine Zusammenschau mittelalterlicher Destillierverfahren und der dazugehörenden Gerätschaften geboten. Es folgten Vorträge zu dem für die Archäologie sehr wichtigen Thema der Altersdatierung. In weiteren Referaten wurden Fragen zu den in frühester Zeit verwendeten Längeneinheiten ebenso angesprochen wie geoarchäologische Untersuchungen in Milet - dies war das Thema eines öffentlichen Abendvortrages.

Wie ist der biochemische Erhaltungszustand des Knochenmaterials ägyptischer Mumien? Was lesen Genetiker aus alten Pergament- und Lederproben? Welche Fette und fetten Öle wurden in der Malerei wann verwendet? Diesen und anderen Fragen wurde im Bereich der Bioarchäometrie nachgegangen. Weitere Themen waren Restaurierung, Archäometallurgie und Pigmente. Die Zusammensetzung mittelalterlicher Münzen, die Art der Korrosion in alten Orgelpfeifen oder auch die von Dürer verwendeten Farbpigmente spielten dabei eine Rolle.

Ein Großteil archäologischer Funde sind Keramiken oder Glasgegenstände. Es wundert deshalb nicht, daß die Themenbereiche "Keramik" und "Glas und Glasuren" fast einen Tag in Anspruch nahmen. Ein archäologisch-materialkundlicher Doppelvortrag zum Thema "Glasmatrix merowingerzeitlicher Perlen" zeigte, wie Archäologie und Materialkunde Hand in Hand arbeiten können. Dasselbe wurde auch durch einen archäologisch-naturwissenschaftlichen Vortragsblock demonstriert, bei dem es um die verwendeten Malmittel bei der künstlerischen Ausstattung des Thomas-Evangeliars des Trierer Doms ging.

Eine Nachexkursion zur Tagung führte unter Leitung des Archäologen Dr. Thomas Völling und seiner Kollegin Dr. Ruth Lindner zunächst zum Limesmuseum in Osterburken, wo der Aufbau eines im Kontext des Limeskastells ausgegrabenen römischen Bades sehr anschaulich rekonstruiert wurde. Es ging weiter zum Pompejanum in Aschaffenburg, einem Gebäude, das von Ludwig I. von Bayern nach dem Vorbild einer römischen Villa erbaut wurde. Ein Diskussionspunkt unter den teilnehmenden Archäologen, Mineralogen und Chemikern war hier die Frage nach den Farbpigmenten in der Farbe original römischer und der hier in der Rekonstruktion verwendeten Wandfarben. Zum Abschluß folgte ein Besuch der Saalburg am Taunusrand, des wegen seiner schon im deutschen Kaiserreich durchgeführten Ausgrabung und Rekonstruktion berühmtesten Limeskastells.

Dr. Ulrich Schüßler vom Institut für Mineralogie und Kristallstrukturlehre zieht folgendes Resümee: "Den rund 100 Teilnehmern wurden 39 Vorträge und 28 Poster geboten. Das hohe inhaltliche Niveau der meisten Vorträge und aller Poster zeigt, daß die Archäometrie ihren etwas zweifelhaften Ruf einer Hobbybeschäftigung für Naturwissenschaftler inzwischen gänzlich verloren hat und heute als junger Wissenschaftszweig wirklich in der Lage ist, in Zusammenarbeit mit Archäologen gezielt archäologische Fragestellungen anzugehen und im Kontext des archäologischen Befundes auch zu beantworten."

Weitere Informationen: Dr. Ulrich Schüßler, T (0931) 888-5422, Fax (0931) 888-4620, E-Mail:

uli.schuessler@mail.uni-wuerzburg.de
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