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NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 17. April 2014 

Neue Affenarten in Madagaskar entdeckt.

16.10.1998 - (idw) Deutsches Primatenzentrum


Zeichnung der vier neuen Arten
Eine der neuen Arten im Vergleich Neue Arten von Mausmakis in Madagaskar entdeckt

Mitarbeitern des Deutschen Primatenzentrums ist es gelungen, in Madagaskars 4 neue Arten von Mausmakis (Microcebus) zu identifizieren, die entlang der Westküste vorkommen. Zur Identifizierung kombinierte der madagassische Doktorand und Vertreter des Deutschen Primatenzentrums in Madagaskar, Rodin Rasoloarison, im Rahmen seiner Doktorarbeit dazu klassische morphologische Beschreibungen mit DNA-Analysen.

Aufgrund der DNA-Sequenzierungen sind diese Typen als neue Arten zu betrachten, da die molekulargenetischen Distanzen zwischen den neuen Typen grösser sind als zwischen den bekannten 4 Typen (Microcebus murinus, M. rufus, M. myoxinus und M. ravelobensis), die bereits als gute Arten etabliert sind.

Die neuen Typen von Microcebus haben noch keine Namen, denn die Belegexemplare werden derzeit am Field Museum of Natural History in Chicago bearbeitet.

Schon zu Beginn der 90er Jahre häuften sich Hinweise, daß sich vor allem unter den nachtaktiven Lemuren sehr viel mehr Arten verbergen, als bis dahin angenommen worden war. Vor diesem Hintergrund begann die AG Verhaltensforschung/Ökologie des Deutschen Primatenzentrums 1993 ein Programm mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, in dessen Rahmen eine Gattung von Lemuren, die Mausmakis (mausgroße Lemuren der Gattung Microcebus), systematisch neu bearbeitet werden und die geographischen Verbreitung der einzelnen Typen belegt werden sollte.

Bis zum Beginn der Arbeit von Rodin Rasoloarison waren drei Arten von Mausmakis bekannt gewesen. Eine vierte Art wurde in der Zwischenzeit von der Arbeitsgruppe Biokommunikation unter Leitung von Prof. Dr. Elke Zimmermann (damals ebenfalls am Deutschen Primatenzentrum) gefunden.


Nach Brasilien und Indonesien beherbergt Madagaskar mit 32 Arten weltweit die dritthöchste Anzahl verschiedener Primatenarten. Im Gegensatz zu allen anderen Ländern, sind alle diese Arten, die Lemuren, ausschließlich auf Madagaskar und einige der umliegenden Inseln beschränkt. Aufgrund dieser enormen Vielfalt auf engem Raum genießt Madagaskar weltweit die höchste Priorität bei internationalen Schutzorganisationen.
Allein die bisherige Arbeit von Rodin Rasoloarison erhöht die Artenzahl an Lemuren um mindestens 10 %. Da die meisten dieser neuen Arten sehr kleine Verbreitungsgebiete in den Restwäldern West-Madagaskars haben, müssen nun die Schutzprioritäten für Madagaskars Lemuren neu definiert werden.

Freilandforschung am DPZ. Ein Ziel des Primatenzentrums ist es, die Rolle ausgewählter Primatenarten im Ökosystem zu verstehen und ihre Lebensansprüche und artspezifischen Verhaltensmuster im Freiland zu kennen. Hierzu unterhält das DPZ eine Feldstation im Trockenwald Madagaskars und eine Station im Tieflandregenwald Perus.

Die Mitar-beiter der Abteilung Verhaltensforschung/Ökologie untersuchen in Madagaskar und Peru Faktoren, die den Aufbau und die Struktur von Primatengemeinschaften beeinflus-sen. Schwerpunkte liegen dabei auf Fragen zur Bedeutung interspezifischer Konkurrenz bei der Nutzung und Aufteilung von Ressourcen und ihren Auswirkungen auf den Ener-giehaushalt. In wei-terreichenden Arbeiten wird analysiert, wie sich verschiedene ökologische Rahmenbedingungen auf das Sozialver-halten und die soziale Organi-sation von Primaten auswirken. Die Ergeb-nisse dieser Arbeiten tragen zum Verständnis allge-mein gülti-ger Grundprinzipien der Biologie bei. Das daraus hervor-gehende Verständnis von Zusam-menhängen in Ökosystemen wirdauch zur Bera-tung von Naturschutzaktivitäten verwendet.


Rodin Rasoloarison, Deutsches Primatenzentrum Göttingen und Laboratoire de Primatologie, Universität Antananarivo (Madagaskar); Steve Goodman, Field Museum of Natural History, Chicago und WWF Madagascar; Jörg Ganzhorn, Deutsches Primatenzentrum bis Nov. 1997; Anne Yoder, Northwestern University, Chicago.

Kontaktperson: Dr. Dr. Michael Schwibbe, (mschwib2@gwdg.de)

Prof. Dr. Jörg Ganzhorn, Universität Hamburg, Martin-Luther-King Platz 3, D-20146 Hamburg
Tel.: 040-4123-4224; Fax: 040-4123-5980;
E-mail ganzhorn@zoologie.uni-hamburg.de

Finanziert über: Conservation International, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutsches Primatenzentrum. Margot Marsh Biodiversity Foundation. World Wide Fund for Nature
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