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Neue Netze für die Bauchwand

17.10.1998 - (idw) Föderation operativer medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften (FomwF)

Ein neues Kunststoffnetz, mit dem sich die Bauchwand nach Bruchoperationen verstärken läßt, hat die Chirurgische Universitätsklinik Aachen entwickelt.

Operationen bei Bauchwanddefekten (Hernien) zählen in der Chirurgie mit einem Anteil von 10-15% zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen. An bestimmten Schwachstellen bzw. Lücken der Bauchwand können sich Eingeweide aus dem Bauch heraus verlagern und zu lebensbedrohlichen Einklemmungen führen. Eine typische Bruchpforte ist der Leistenkanal, wo es meist bei Männern zum Leistenbruch kommt. In Deutschland werden jährlich 150.000 Leistenbrüche operiert. Andere Schwachstellen liegen am Nabel oder am Oberbauch. Auch Narbengewebe, das sich nach einer Bauchoperation auf der Bauchdecke gebildet hat, kann "brechen". Da trotz Operation die Bauchwand oft an der gleichen Stelle wieder auseinander weicht, werden zunehmend Biomaterialien zur Verstärkung der Bauchwand benutzt.
Die Verträglichkeit dieser Kunststoffverstärkung der Bauchwand wird durch die Operationstechnik, mehr noch durch das verwandte Material bestimmt. Erste Netz-Proben, die man wieder explantiert hat, zeigen, daß auch nach Jahren das Implantatlager entzündlich reagiert: Das zarte Netz wird im Körper zu einem harten Fremdkörper umgebaut. Dr. U. Klinge von der Chirurgischen Klinik Aachen betonte auf dem 7. Interdisziplinären Forum der Föderation operativer medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften (FomwF), daß man möglichst wenig Material einsetzen sollte und auch nur dann, wenn keine "netzfreien Alternativen" bestehen. Klinge: "Dies gilt insbesondere bei jungen Patienten".
An der Chirurgischen Universitätsklinik in Aachen hat man die zur Zeit gebräuchlichen Polypropylen-Netze verbessert. Die neuen leichtgewichtigen Netze sind dünner, aber trotzdem mechanisch belastbar und reißfest. Bei zu hohem Kunststoffanteil der Netze besteht nämlich die Gefahr, daß die Beweglichkeit der Bauchwand durch die entstehende "Narbenplatte" zu stark eingeschränkt ist. Die Beweglichkeit der Bauchwand bestimmt maßgeblich, wie belastbar der Patient ist.
In Aachen können darüber hinaus mit einer neuen optischen Methode die Bauchwand-Mobilitätsstörungen objektiviert und per Video dokumentiert werden.

7. Interdisziplinäres wissenschaftliches Forum der Föderation operativer medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften (FomwF): "Implantate - Neues und Bewährtes", Wiesbaden, 17.10.1998
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