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Auf die Haltung kommt es an

21.10.1998 - (idw) Universität zu Köln

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Prävention von Wirbelsäulenerkrankungen

Bergleute, Krankenpflegepersonal und auch Büroangestellte leiden vielfach an ähnlich erscheinenden Erkrankungen der Wirbelsäule. Während dieses Krankheitsbild in der Schwerindustrie, z.B. bei Bergleuten, vom jahrelangen Heben und Bewegen von Lasten in teilweise falscher Körperhaltung herrührt - das gleiche gilt vielfach für das Krankenpflegepersonal - so werden bei Büroangestellten Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule auch durch falsches Sitzen auf ungeeigneten Stühlen oder durch Bewegungsmangel verursacht. Allerdings lassen sich die Beschwerden und auch die Veränderungen im Röntgenbild bei den unterschiedlichen Berufsgruppen häufig kaum unterscheiden. Dr. Bernd Boldino untersuchte am Institut und der Poliklinik für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Sozialhygiene der Universität zu Köln nicht nur mögliche Ursachen dieser Wirbelsäulenerkrankungen bei Bergleuten sondern entwickelte ein praxisnahes Konzept zu ihrer möglichen Prävention.

Zweifellos hat die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen stets eine herausragende Bedeutung in der gesundheitlichen Vorsorge. Die Idealvorstellung ist der optimierte Arbeitsplatz ohne Unfallrisiken oder krankmachende Einflüsse. An vielen industriellen Arbeitsplätzen, so auch im Steinkohlenbergbau, ist diese Idealvorstellung im Sinne ergonomischer Arbeitsplätze nicht immer erreichbar, so daß die Prävention nach zusätzlichen Wegen suchen mußte, den Gesundheitsschutz zu verbessern. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, die Werktätigen zu veranlassen, in richtiger Körperhaltung richtig ergonomisch vernünftige Lastgewichte zu heben. Wesentlicher Aspekt ist - so der Kölner Arbeitsmediziner - darauf aufmerksam zu machen, Erkrankungen soweit im Vorfeld zu bekämpfen, daß sie nicht auftreten können.

Maßgebend für die Belastbarkeit der Lendenwirbelsäule ist der Querschnitt der Bandscheiben. Dieser kann bei jedem Menschen leicht durch Ermittlung von Gewicht, Größe und Knochenlängen abgeschätzt werden. Bei identischer Kompressionskraft ist die Bandscheibe um so belastbarer, je größer die Querschnittsfläche ist. Wird eine Last gehoben, so hängt die Kompressionskraft maßgebend von der Neigung des Rumpfes und der Armhaltung ab. Idealerweise wird die Last bei aufrechter Körperhaltung so nah wie möglich am Körper getragen. Werden die Arme vom Körper gerade weggestreckt, so ist der Druck auf die Lendenwirbelsäule mehr als fünfmal so groß und wächst bei einer Neigung des Oberkörpers noch weiter an. So entspricht der Kompressionskraft bei einer Rumpfbeuge von 90o ohne Last dem Tragen einer 50 kg schweren Last am Körper bei aufrechter Haltung.

Setzt man eine ideale Körperhaltung voraus, so lassen sich Grenzwerte für das Heben und Tragen von Lasten angeben. Lasten über 50 kg sollten während einer Schicht im Bergbau so gut wie nie gehoben oder getragen werden. Männer dürfen Lasten um die 30 kg wiederholt, Lasten bis 25 kg häufig heben oder tragen. Frauen sollten sogar Lasten über 15 kg meiden. Eine geplante Unfallverhütungsvorschrift des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften erlaubt sogar das Heben und Tragen von Lasten über 25 kg nur in Ausnahmefällen. Bei Einhaltung dieser vorgeschriebenen Grenzwerte ist die Lasthandhabung sicher nicht krankmachend. Erst durch zu häufiges Heben oder Tragen von Lasten, falsche Körper- und Armhaltung oder die Überschreitung der Lasthöchstgewichte kann - so Dr. Boldino - die Wirbelsäule geschädigt werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr.C. Piekarski unter der Telefonnummer 0221/478-4450 und der Fax-Nummer 0221/478-5119 zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).

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