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Königlicher Kartograph: Christian Sgrothen

22.10.1998 - (idw) Gerhard-Mercator-Universität Duisburg (bis 31.12.2002)

Zu den bedeutendsten neuzeitlichen Gelehrten, die von 1540 bis 1630 das "Goldene Zeitalter" der Kartographie prägten,
zählt neben dem Universalgelehrten und Namensgeber der Universität Duisburg, Gerhard Mercator, auch Christian Sgrothen (1525-1604). Seinen Spuren geht jetzt ein Forschungsprojekt der Mercator-Universität nach, das von der WestLB-Stiftung Zukunft NRW über einen Zeitraum von vier Jahren mit 460.000 DM getragen wird.

In der Region des heutigen deutschen Niederrheins wurde Wissenschaftsgeschichte geschrieben: Einige der bedeutendsten neuzeitlichen Gelehrten, die von 1540 bis 1630 das "Goldene Zeitalter" der Kartographie prägten, lebten in der Region zwischen Kalkar, Duisburg und Köln.

Neben dem Universalgelehrten und Namensgeber der Universität Duisburg, Gerhard Mercator, zählt auch der gebürtige Sonsbecker Christian Sgrothen (1525-1604) dazu. Seinen Spuren geht jetzt ein Forschungsprojekt der Mercator-Universität nach, das von der WestLB-Stiftung Zukunft NRW über einen Zeitraum von vier Jahren mit 460.000 DM getragen wird.

Der Duisburger Kartographiehistoriker Dr. Peter Meurer zur Bedeutung des Forschungsprojekts: "Es gilt einen Schatz zu heben, denn trotz seiner bedeutenden Rolle für die Kartographiegeschichte ist Sgrothen außerhalb enger Fachkreise fast unbekannt."


Wer war Sgrothen?

Sgrothen wurde um 1525 als Sohn des Stadtschreibers von Sonsbeck geboren und lebte nach seiner Ausbildung als Maler in Kalkar. Seit 1557 diente er dem spanischen König Philipp II als Hofkartograph. Sgrothen reiste viel, behielt aber seinen Hauptwohnsitz in Kalkar, wo er um 1604 starb. Für den König kartographierte er unter anderem den nordwestdeutschen Raum und schuf Regionalkarten von Geldern-Zutphen, Westfalen, Jülich-Kleve-Mark oder auch Luxemburg.

Seine Vermessungsarbeiten stellten die wichtigste Kartierung des Niederrheins im 16. Jahrhundert dar. Sie sind auch die Grundlage für die Mercatorschen Atlaskarten der Region.


Hauptwerk: Erstmals das Heilige Römische Reich kartiert

Das Hauptwerk Sgrothens nahm ihn 25 Jahre in Anspruch und war eine königliche Auftragsarbeit: die Kartierung des Reichsgebiets. Aus dieser Arbeit entstand ein in zwei Fassungen vorliegender Manuskriptatlas: der sog. "Brüsseler Atlas" von 1573 und der "Madrider Atlas" von 1592 mit jeweils 39 bzw. 38 Karten, die bis zu 0,8 x 1,8 Meter groß sind.

Diese beiden Manuskriptatlanten sind das erste systematische Kartenwerk über das Territorium des Heiligen Römischen Reichs. Sie decken den Raum zwischen Dänemark und der Adria sowie zwischen Flandern und Polen ab. Der Schwerpunkt liegt auf den niederdeutschen Ländern. Durch ihre hochwertige graphische Gestaltung gehören sie zum Schönsten, was die Kartographie der Renaissance zu bieten hat.

Das Duisburger Forschungsprojekt hat ein Volumen von 460.000 DM und wird gemeinsam von Prof. Dr. Hans-Heinrich Blotevogel, Geographie, und Prof. Dr. Günter Schilder (Universität Utrecht) wissenschaftlich geleitet. Prof. Schilder hat europaweit den einzigen Lehrstuhl für Kartographiegeschichte inne.


2004: Präsentation der Ergebnisse zum 400. Todesjahr Sgrothens

Geplant ist, die Forschungsergebnisse im 400. Todesjahr Sgrothens 2004 in einem größeren Zusammenhang zu präsentieren.

Der Arbeitsplan von Dr. Peter Meurer umfaßt u.a. folgende Schritte:

Die erhaltenen Karten werden systematisch werkgeschichtlich untersucht, detailliert beschrieben und inhaltlich wie metrisch analysiert. Anschließend wird die Nachwirkung des Sgrothenschen Werks betrachtet.

In einem zweiten Arbeitskomplex wird nach weiteren Manuskriptkarten und Lebensspuren Sgrothens im gesamten rheinischen Raum gesucht.

Während des Projekts soll ebenfalls bereits Material für weitere Projekte gesammelt werden, u.a. über den wichtigsten Verleger Sgrothens und für einen Sammelband zu allen niederländischen Kartenmachern des 16. und 17. Jahrhunderts, die im deutschen Raum tätig waren.


WestLB-Stiftung Zukunft NRW fördert den Erhalt des kulturellen Erbes

Prof. Blotevogel dankte der WestLB-Stiftung Zukunft NRW ausdrücklich für die Projektförderung und betonte im Pressegespräch: "Die Kartographiegeschichte weiß das finanzielle Engagement der Stiftung zu schätzen, denn sie ist auf diese Unterstützung dringend angewiesen. Es gibt nämlich in Deutschland keine Universitätsprofessur für Kartographiegeschichte, die ein derartiges Projekt personell und finanziell so auf den Weg bringen könnte."

Die WestLB-Stiftung Zukunft NRW hat das Ziel, die natürlichen, geistigen, kulturellen und sozialen Grundlagen des Lebens in Nordrhein-Westfalen zu fördern.

Günter Berns, Vorstandsmitglied der WestLB-Stiftung Zukunft NRW, dazu: "Das Sgrothen-Projekt ist aus unserer Sicht nicht nur wissenschaftsgeschichtlich interessant, sondern es verfolgt auch wichtige kulturpolitische Zielsetzungen, die einen zentralen Stellenwert in der Arbeit der WestLB-Stiftung Zukunft NRW haben. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Wirkens Christian Sgrothens leistet nämlich einen weiteren wichtigen Beitrag dazu, die gemeinsame Identität der Region über die Landesgrenzen hinweg historisch zu fundieren."

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