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RUB trauert um Jürgen von Kempski

30.10.1998 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum trauert um den Philosophen Prof. Dr. Jürgen von Kempski, der am 11. Oktober in Berlin verstorben ist. Er lehrte von 1973 bis 1988 am Institut für Philosophie der RUB, nachdem er schon an der Universität Münster Honorarprofessor gewesen war.

Bochum, 30.10.1998
Nr. 236

RUB trauert um Jürgen von Kempski
Kenntnisreicher Gelehrter und glänzender Stilist
Philosoph mit der Vorliebe für vergessene Autoren


Die Ruhr-Universität Bochum trauert um den Philosophen Prof. Dr. Jürgen von Kempski, der am 11. Oktober in Berlin verstorben ist. Er lehrte von 1973 bis 1988 am Institut für Philosophie der RUB, nachdem er schon an der Universität Münster Honorarprofessor gewesen war. Besonders eng kooperierte er in Bochum mit dem Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte und führte mit dem Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Gert König gemeinsam Lehrveranstaltungen durch. Über die Grenzen seines Faches hinaus war von Kempski als genauer Beobachter und Interpret historischer Sachverhalte und wichtiger Tendenzen, als kenntnisreicher Gelehrter und glänzender Stilist bekannt. Seinen früheren Studenten wird er nicht zuletzt wegen des ungewöhnlichen, sehr nachdenklichen Stils seiner Vorlesungen in Erinnerung bleiben.

Biographisches

Jürgen von Kempski wurde 1910 in Osnabrück geboren; er war von 1939 bis 1945 Referent für Völkerrecht am Deutschen Institut für außenpolitische Forschung und promovierte 1951 in Frankfurt bei Theodor W. Adorno mit einer Arbeit über den amerikanischen Pragmatisten Charles Sanders Peirce, den in Deutschland damals noch kaum jemand zur Kenntnis nahm. Ein Hauptbe-mühen von Kempkis galt einer Strukturtheorie des Rechts, deren Konzeption er bereits 1961 publiziert hatte. Aber daneben verfolgte er ein ungewöhnlich breites Spektrum auch ganz anderer wissenschaftlicher Interessen. So gab er von 1947 bis 1964 das "Archiv für Philosophie" heraus und übersetzte die gekürzte, aber noch immer voluminöse Fassung von Arnold Joseph Toyn-bees Universalgeschichte (4 Bände, 1970).

Themenvielfalt in Essays

Aufgrund genauer Detailkenntnisse nahm er gezielt zu aktuellen Problemen Stellung, und manch berühmter Kopf mußte sich von ihm korrigieren lassen. Das bezeugen auch seine Essays, die 1992 in drei Bänden gesammelt beim Suhrkamp Verlag erschienen: Band 1: "Brechungen. Kritische Versuche zur Philosophie der Gegenwart"; Band 2: "Recht und Politik. Studien zur Einheit der Sozialwissenschaft"; Band 3: "Prinzipien der Wirklichkeit". Schon die Themenvielfalt dieser Bände ist beeindruckend. Sie reicht von Homers Odyssee über das Kommunistische Manifest bis zu Adorno und Wittgenstein, von der Problematik der Geisteswissenschaften bis zur mathematischen Logik und Wirtschaftswissenschaft. Dem 20. Juli 1944 konnte er ebenso nachdenkliche und sachkundige Aufmerksamkeit widmen, wie der Gefährdung der Wissenschaften im Dritten Reich. Freude bereitete es ihm, zu Unrecht vergessene Autoren wieder ins rechte Licht zur rücken und auf manch verschollenes Buch hinzuweisen, von dem sich noch ein Exemplar in seinem Bücherschrank fand. Zu seinen schönsten Essays zählt der "Versuch über die Zärtlichkeit".
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