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Europäisches Echinokokkose-Zentralregister

09.11.1998 - (idw) Universität Ulm

Der Fuchsbandwurm im europäischen Zentralregister
Meeting der Echinokokkose-Arbeitsgruppen auf Schloß Reisensburg


Die alveoläre Echinokokkose, hervorgerufen durch Larvalstadien des Fuchsbandwurms Echinococcus multilocularis, ist eine in Europa zwar seltene, ohne Behandlung aber meist tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Der natürliche Entwicklungszyklus des Parasiten vollzieht sich in einheimischen Wildtieren (Füchsen und Mäusen). Der "Fehlwirt" Mensch erwirbt die Infektion durch orale Aufnahme der Bandwurmeier, die aus dem Kot von Fuchs, Hund oder Katze stammen können. Beim Menschen erfolgt die Entwicklung der Larven grundsätzlich in der Leber. Die Epidemiologie der alveolären Echinokokkose ist in Zentraleuropa nur unzureichend erforscht. Mangels einschlägiger Meldepflicht stehen für die Inzidenz keine exakten Daten zur Verfügung.

Von der Generaldirektion V/F Öffentliche Gesundheit der Europäischen Kommission wird derzeit ein Projekt gefördert, das die vollständige Erhebung aller einschlägigen Krankheitsfälle zum Ziel hat. Wie erfolgt die Infektion und wen erfaßt sie? - Welche Manifestationen liegen bei Diagnosestellung vor? - Läßt sich die Frühdiagnose verbessern? - Gibt es Hinweise auf eine weitere Ausbreitung der Echinokokkose? - sind zentrale Fragen, deren Beantwortung man mit Hilfe des Registers ein Stück näherkommen möchte. Die EU-geförderte Initiative schafft die Voraussetzungen zum Aufbau von Netzwerkstrukturen, die eine systematische Erfassung möglich machen. Seit März 1998 ist die Erhebung von Echinokokkose-Krankheitsfällen innerhalb des europäischen Verbundes so strukturiert, daß eine einheitliche Erfassung in Frankreich, Deutschland und der Schweiz durchgeführt werden kann. Ein Register wurde in Besançon für die französischsprachigen, eines in Ulm für die deutschsprachigen Gebiete eingerichtet. Federführend sind hier Prof. Dr. Wilhelm Gaus, Leiter der Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation, und Prof. Dr. Peter Kern, Leiter der Sektion Infektiologie und Klinische Immunologie der Universität Ulm.

In Ulm wurden bislang mehr als 80 Patienten mit alveolärer Echinokokkose dokumentiert und mit Verlauf charakterisiert. In Frankreich liegen Informationen über 120 Patienten vor. Die Schweiz trägt derzeit 80, Österreich 25 Krankheitsfälle in das Register ein. Die Daten werden in den beiden Zentren aufbereitet. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Echinokokkose der Paul-Ehrlich-Gesellschaft erfolgt die Zuweisung weiterer Patienten aus den anderen Zentren in Süddeutschland. In Besançon und Stuttgart-Hohenheim sind zwei Subzentren für den Endwirt (Fuchs, Katze und Hund) geschaffen worden.

Vom 12. bis 14. November 1998 findet auf Schloß Reisensburg bei Günzburg eine Arbeitstagung der Projektbeteiligten statt. Die Experten kommen neben der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich aus Belgien, England, Holland, Italien, Österreich, Polen, der Schweiz und der Tschechischen Republik. Bei dieser Klausurtagung der internationalen Arbeitsgruppen werden die bisherigen Ergebnisse diskutiert. Speziell wird sich das Symposium auch mit den immunologischen Grundbedingungen bei verschiedenen klinischen Manifestationsformen der alveolären Echinokokkose befassen.
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