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Bayernweiter Forschungsverbund: Rehabilitation

18.11.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bei der Rehabilitation erkrankter Menschen sollten nicht nur die körperlichen Auswirkungen der Krankheit ins Auge gefaßt werden, sondern auch psychische und soziale Aspekte. Diesen ganzheitlichen Ansatz verfolgt der "Rehabilitationswissenschaftliche Forschungsverbund Bayern" (RFB). Die Zentrale des Verbundes, der im September seine Arbeit aufgenommen hat, befindet sich an der Universität Würzburg.

Die Teilnehmer an der medizinischen Rehabilitation - im folgenden Reha genannt - sind zum überwiegenden Teil Patienten mit chronischen Krankheiten. Sie haben nicht nur mit den körperlichen Schäden zu kämpfen, sondern auch mit einer Vielzahl von Folgeerscheinungen: emotionale Belastungen, Minderung des Selbstwertgefühls, Einschränkung der Aktivitäten im Alltag, berufliche und soziale Beeinträchtigungen.

All das bringt es mit sich, daß die Betroffenen sich langfristig an einen dauerhaft veränderten Zustand anpassen müssen. Ein zentrales Ziel der Reha ist es daher, den Patienten bei der Bewältigung der Krankheit und ihrer Folgen zu helfen. Letzten Endes sollen sie in die Lage versetzt werden, möglichst weitgehend und selbständig am normalen Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft teilnehmen zu können. Doch dazu müssen sie geeignete Bewältigungsstrategien erlernen, Risikoverhaltensweisen abstellen und nötigenfalls sogar ihren ganzen Lebensstil ändern. Das heißt: Die Reha ist stark auf die Mitarbeit des Rehabilitanden angewiesen - diese zu stärken, ist eine ihrer weiteren Aufgaben.

Vor diesem Hintergrund zielt der RFB darauf ab, die Qualität von Lehre und Forschung über die Reha sowie die Infrastruktur reha-wissenschaftlicher Einrichtungen in Bayern zu verbessern. Eine zentrale Methodenberatungs- und Geschäftsstelle am Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg koordiniert den RFB und berät die einzelnen Projekte. Von diesem Institut kommt auch der Sprecher des Verbunds, PD Dr. Dr. Hermann Faller.

Der RFB wird vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie von der Deutschen Rentenversicherung für die Laufzeit von drei Jahren mit rund 4,8 Millionen Mark gefördert. Vor der Einrichtung des Förderschwerpunktes hatten verschiedene Fachgremien immer wieder festgestellt, daß die medizinische Reha in Deutschland wissenschaftlich nur unzureichend fundiert sei.

In Bayern existieren zwar schon seit langem verschiedene reha-wissenschaftliche Ansätze. Unter anderem wurde an der Universität Regensburg Mitte der 70er Jahre der erste Lehrstuhl für Reha-Psychologie eingerichtet. Auch gibt es im Freistaat sehr viele forschungsaktive Kliniken sowie private und universitäre Forschungsinstitute, die sich mit der Reha beschäftigen. Bislang waren diese Aktivitäten aber - in Bayern wie in anderen Regionen - nicht systematisch vernetzt und koordiniert. Ebenfalls mangelte es an einer strukturellen Einbindung der Reha-Wissenschaften in die universitären Arbeitsgebiete.

Hier bringt der RFB nun Abhilfe: Er ist in ein Netz verschiedener Institutionen eingebunden. Einerseits sind viele Kliniken beteiligt, was die Verankerung in der Praxis garantiere, andererseits mehrere Universitäts- und Forschungsinstitute, was ein hohes Niveau der wissenschaftlichen Arbeiten sichern könne, so Dr. Faller. Schließlich sind auch die bayerischen Landesversicherungsanstalten mit von der Partie - als vorrangige Leistungsträger in diesem Sektor spielen sie bei der Umsetzung möglicher Forschungsergebnisse und -empfehlungen eine entscheidende Rolle.

An der Universität Würzburg ist der RFB in die Medizinische Fakultät eingebunden. Daneben existiert eine enge Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Heiner Ellgring vom Institut für Psychologie sowie mit dem Statistiker Prof. Dr. Elart von Collani vom Volkswirtschaftlichen Institut - darin spiegelt sich der interdisziplinäre Charakter der Reha-Forschung wider. Schließlich bestehen enge Beziehungen zur Landesversicherungsanstalt Unterfranken, welche bei der "Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Landesversicherungsanstalten zur Förderung der Reha-Forschung" die Federführung innehat.

Die Forschungsfragestellungen des Verbundes orientieren sich stark an der Arzt-Patient-Beziehung und der Mitarbeit des Patienten in der Reha-Behandlung. Im Projektbereich A (Diagnostik- und Prädiktorstudien) werden die individuellen und sozialen Ressourcen und Defizite der Betroffenen untersucht und die Strategien analysiert, welche die Rehabilitanden zur Anpassung an die Erkrankung und ihre Folgen entwickeln.

Der Bereich B (Intervention und Evaluation) beschäftigt sich mit Therapieprogrammen sowie mit Aspekten zu ihrer Evaluation, also zu ihrer Bewertung. Solche Programme haben auch das Ziel, Wissen und Gesundheitsverhalten des Patienten zu stärken, der dann eine angemessene Einstellung zur Reha entwickeln soll. Zudem geht es ganz wesentlich darum, die zur Bewältigung der Erkrankung erforderlichen Kompetenzen zu vermitteln. Entsprechende Schulungskonzepte sollen im Bereich B evaluiert werden.

Mit sogenannten "Schnittstellenproblemen" setzen sich die Projekte des Bereichs C auseinander. Um sicherzustellen, daß die Reha-Maßnahmen der individuellen Bedürftigkeit gemäß ausgewählt werden, wird eine "rationale Zugangssteuerung" angestrebt. Unter anderem ist hier von der Erstellung innovativer Konzepte die Rede. In diesem Zusammenhang sind auch Maßnahmen anzusiedeln, welche die Stabilität der in der Reha erzielten Effekte im Alltag auf lange Sicht fördern.

Neben den einzelnen Forschungsprojekten, die in den drei genannten Bereichen angesiedelt sind, denkt man im Rahmen des RFB auch daran, Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung von Reha-Fachkräften und -Forschern/innen zu konzipieren. Diese sollen sich speziell an die Mitarbeiter/innen in Kliniken wenden. Ferner werde, so Dr. Faller, die Einrichtung einer C3-Stiftungsprofessur am Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie aus Mitteln des Förderprogrammes und der bayerischen Landesversicherungsanstalten angestrebt. Über diesen Weg solle die interdisziplinäre Reha-Forschung an der Universität Würzburg langfristig institutionalisiert werden.

Weitere Informationen:

PD Dr. Dr. Hermann Faller, Sprecher des Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbundes Bayern (RFB), Klinikstraße 3, D-97070 Würzburg, T (0931) 31-2713, Fax (0931) 57 20 96, E-Mail:
RFB@mail.uni-wuerzburg.de
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