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Was Gifte im Koerper bewirken

18.11.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der Weg von einer normalen Körperzelle hin zur Krebszelle ist mit zahlreichen Hürden gepflastert. Darum besteht nach heutigem Wissen kein Risiko, wenn der Mensch einem krebserregenden Stoff in geringer Konzentration nur kurzzeitig ausgesetzt war.

Das berichtete Prof. Dr. Werner Lutz, Inhaber des Lehrstuhls für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Würzburg, beim Kolloquium über rechtsmedizinische Fragen. Die rund 80 Teilnehmer aus Medizin und Justiz setzten sich am 30. Oktober 1998 im Hörsaal des Instituts für Rechtsmedizin mit der Wirkungsweise giftiger Substanzen im menschlichen Organismus auseinander.

Prof. Lutz erläuterte den langwierigen Weg der Krebsentstehung auf molekularbiologischer Ebene: In einem ersten Schritt müsse durch eine Mutation der DNA eine Veränderung der Erbinformation erreicht werden, beispielsweise durch den Einbau eines falschen Bausteins.

In der Zelle greifen jedoch Reparaturmechanismen, die einen solchen Fehler erkennen und beseitigen können. Auch die vielfältigen weiteren Schritte, bei denen eine fehlerhafte Information genetisch festgeschrieben werden kann, unterliegen einer Kontrolle. Die entsprechenden Reparaturmechanismen könnten bei einer einmaligen Exposition, zum Beispiel gegen Dioxin oder Formaldehyd, nicht überwunden werden, wie der Referent ausführte. Dies sei erst bei einer chronischen Exposition mit entsprechenden Dosen möglich.

In zwei weiteren Vorträgen erläuterten Mitarbeiter des Instituts für Rechtsmedizin die Wirkungsweisen giftiger Gase sowie von Alkohol und Betäubungsmitteln. Kohlenmonoxid und nitrose Gase blockieren den roten Blutfarbstoff Hämoglobin und schränken so die Sauerstoffaufnahme aus den Lungen in das Blut ein. Zyanide, wozu beispielsweise die Blausäure gehört, und vermutlich auch Schwefelwasserstoff hemmen dagegen die Verwertung des Sauerstoffs in der Zelle durch Eingriffe in die Atmungskette. Bei Vergiftungen mit Kohlenmonoxid und Zyaniden liefere die Obduktion meist richtungsgebende Hinweise, wie bei den Vorträgen zu hören war. Doch bedürfe es zur Bestätigung der Todesursache stets einer toxikologischen Analyse des Blutes.

Was Alkohol und Drogen angeht, so sind deren Wirkungen auf das Zentralnervensystem für den Rechtsmediziner wesentlich. Alkohol beeinflußt die Informationsübertragung von Zelle zu Zelle auf vielfältige Art und Weise. Dabei besitzt er keinen eigenen Rezeptor, an den er binden und Effekte auslösen kann, sondern wirkt unspezifisch. Vordergründig greift Alkohol an den Schaltstellen zwischen den Nervenzellen an, wo die Erregungsleitung von elektrischen auf chemische Vorgänge umgestellt wird. Weil insbesondere solche Nervenzellen, die hemmende Funktionen erfüllen, gegenüber Alkohol empfindlich sind, beobachtet man bereits bei niedrigen Blutalkohol-Konzentrationen die typischen Ausfallserscheinungen, die als "Enthemmung" bekannt sind.

Anders als für Alkohol existieren für Cannabis und die Gruppe der Opiate spezifische Rezeptoren im Körper, deren Struktur und Lokalisation im Gehirn inzwischen weitgehend bekannt sind. Kokain übt seine Wirkungen aus, indem es sich an ein Transportprotein für Überträgerstoffe des Nervensystems bindet.

Ein Grund, warum die Aufnahme von Cannabis praktisch nicht tödlich enden kann, ist den Referenten zufolge vermutlich darin zu sehen, daß der Hirnstamm, in dem sich das Atemzentrum befindet, kaum Cannabis-Rezeptoren aufweist. An dieser Stelle sitzen aber Opiatrezeptoren - das erklärt den Todeseintritt durch zentrale Atemlähmung bei Heroin-Vergiftungen bzw. die Unterdrückung der Atmung, die als Nebenwirkung bei Tumorpatienten festzustellen ist, die hochdosiert mit Opiaten behandelt werden.

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