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Suchtexperten bieten ambulante Raucher-Entwöhnung an

24.07.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Für alle Raucher, die dem Glimmstängel auf immer und ewig abschwören wollen, hat die Universität Würzburg ein neues Angebot parat: Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Gerhard Wiesbeck von der Klinischen Suchtmedizin hat zusammen mit der Suchtberatungsstelle der Universität ein ambulantes Entwöhnungsprogramm für Raucher ausgearbeitet.

Die wöchentlich stattfindenden Sitzungen beginnen am Montag, 23. September, um 18.00 Uhr und erstrecken sich über drei Monate. Die Teilnahme kostet 50 Euro. Interessenten können sich ab sofort bei Diplom-Psychologin Katja Beck-Doßler von der Suchtberatungsstelle anmelden, T (0931) 31-2020, E-Mail:
dossler@zv.uni-wuerzburg.de

Formal entspricht das Entwöhnungsprogramm dem üblichen Ablauf abstinenzorientierter suchttherapeutischer Maßnahmen: Vorbereitungsphase (Information über den Programmablauf, Stärkung der Veränderungsbereitschaft, Hinführung zum so genannten Stopp-Tag), Entzugsphase (Nikotinersatz, Erkennung individueller Risikoprofile, Bewältigungsverhalten in rückfallgefährlichen Situationen) und Nachbetreuungsphase (Selbsthilfegruppencharakter mit therapeutischer Anleitung, Rückfallprophylaxe und Rückfallmanagement).

Inhaltlich wurden Behandlungsbausteine kombiniert, die sich laut Dr. Wiesbeck als effektiv erwiesen haben: Gruppenbehandlung, Nikotinersatz in Form von Pflastern und Kaugummi sowie Abstinenzkontrolle per Kohlenmonoxid-Messung.

Das Programm wird unter Federführung der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zusammenarbeit mit der Suchtberatungsstelle und mit Unterstützung des Kompetenzzentrums für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz des Landratsamts Würzburg angeboten. Seine Entwicklung wurde angeregt durch das Curriculum "Tabakabhängigkeit und Raucherentwöhnung" des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und das von der Bundesärztekammer herausgegebene "Stufenprogramm zur Raucherentwöhnung und Rauchertherapie in der Arztpraxis". Außerdem seien die Initiatoren durch positive Erfahrungen im Rahmen der ärztlichen Fort- und Weiterbildung zum Thema "Suchtmedizinische Grundversorgung" ermutigt worden, so Dr. Wiesbeck.

Durch Rauchen sterben täglich mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Tötungsdelikte und Selbstmorde zusammen. Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch verstärken. So soll nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation die Anzahl derjenigen, die jährlich den Folgen ihres Rauchens erliegen, in den kommenden zwei Jahrzehnten von derzeit vier auf dann zehn Millionen Menschen steigen.

Besonders besorgniserregend seien die Zuwachsraten bei rauchenden Kindern und Jugendlichen, wo Nikotin heute als "Einstiegsdroge" gelte, wie Dr. Wiesbeck sagt. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stieg in der Altersklasse der 12- bis 17-Jährigen der Anteil der Raucher zwischen 1993 und 1997 von 21 auf 26 Prozent. Parallel dazu nahm die Bereitschaft zur Beendigung des Rauchens unter Jugendlichen kontinuierlich ab. Dr. Wiesbeck: "Eine großflächige, hoch effektive Werbung in Kombination mit der bundesweit flächendeckenden Versorgung durch rund 800.000 frei zugängliche Zigarettenautomaten tragen zu dieser Entwicklung auch weiterhin bei."
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