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Arbeit für den Feind. Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg 1939-1945

23.11.1998 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Eine Ausstellung des Instituts für Europäische Ethnologie und der Landesstelle für Berlin-Bran-denburgische Volkskunde der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Hei-matmuseum Köpenick und dem Museumspark Baustoffindustrie Rüdersdorf

Im östlichen Berliner Stadtwald, zwischen der Stadtgrenze und dem Köpenicker Ortsteil Wilhelms-hagen decken Gras, Moos und Wurzeln eine betonierte Bahnrampe und Barackenfundamente zu. Es sind die Reste des größten Durchgangslagers für Zwangs- und Fremdarbeiter in Berlin und Branden-burg, das während des Nationalsozialismus existierte. Das Arbeiterdurchgangslager Berlin-Wil-helmshagen war das "organisatorische Rückgrat" für einen beispiellosen "Ausländereinsatz". Hun-derttausende Zwangs-arbeiter waren zwischen 1939-1945 in der Berlin-Brandenburgischen Rüstungs-industrie beschäftigt und für nicht wenige verknüpfte sich das Schicksal mit diesem Lager. Die stummen Zeugen der Vergangen-heit im Wald bei Wilhelmshagen erinnern sich seit mehr als 50 Jah-ren an die Geschichte des Ortes und die damaligen Geschehnisse.
In der Ausstellung, die das gegenwärtig auch in der Öffentlichkeit stark diskutierte Thema der Zwangs-arbeit behandelt, wird den Spuren der Geschichte mit Hilfe der Überlebenden nachgegangen. Erstmals wird auf Basis der Ergebnisse eines Studienprojektes der weitgehend unbekannte Alltag der Zwangs-verpflichteten, ihre Rekrutierung, ihr Leben in Wohnlagern und Fabriken mittels originaler Gegenstände aus der zeit dokumEnTiert. Alter Erinnerungsfotos, Pappkoffer mit Einberufungen und Arbeitsnachwei-sen, Kochgeschirr oder handwerkliche Arbeiten sind so erstmals seit dem Krieg wie-der nach Berlin ge-langt und bieten vor dem Hintergrund von Zeugnissen schwerer körperlicher Ar-beit (Fabrikausrüstungen) ein außergewöhnliches Bild vom Alltag im Ausnahmezustand. Inhalte von Ton- und Filmdokumenten mit Material aus Lebenserinnerungen, Tagebücher, geschrieben unter dem Ein-druck des Bombenkrieges, werden plastisch, lassen Emotionen und Erfahrungen in ihrer ganzen indivi-duellen Breite hervortreten und werfen damit auch ein Licht auf die deutsche Bevölke-rung und deren Wahrnehmung der Ereignisse. Ein erstaunliches Bild entsteht, das die Kraft und den Überlebenswillen junger Menschen genauso deutlich werden läßt wie die Katastrophe von Knech-tung und Entrechtung Wehrloser.

Zur Ausstellung erschien im be.bra Verlag Berlin das gleichnamige Buch "Arbeit für den Feind. Zwangsarbeiter-Alltag in Berlin und Brandenburg 1939-1945" mit 15 Aufsätzen, Bild- und Doku-men-tenmaterial zum Thema. Das Projekt wird finanziell unterstützt von der Fritz Thyssen Stiftung, dem Ministerium für Wissen-schaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und dem Verein Brandenburgische Museen für Arbeit, Technik und Verkehr e.V..

Ausstellungsdauer: 28. November 1998 - 6. April 1999; Ort: Museumspark Baustoffindustrie Rüdersdorf, Heinitzstraße 11 (S-Bahn: S 1 Richtung Erkner bis Friedrichshagen, ab hier Stra-ßenbahn Ri. Rüdersdorf bis Heinitzstraße; Auto: B 1 bis Tasdorf; Berliner Ring A 10 bis Rüders-dorf)
Pressekonferenz: 28. November, 11 Uhr, Museumspark Baustoffindustrie Rüdersdorf, Maga-zin-gebäude; Ausstellungseröffnung: 28. November, 14 Uhr

Weitere Informationen: Dr. Leonore Scholze-Irrlitz, Institut für Europäische Ethnologie
( 030/64 85 447; Museumspark Baustoffindustrie Rüdersdorf ( 033638/ 76 510
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