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Stereotype und Feindbilder in den Medien

24.11.1998 - (idw) IWF Wissen und Medien gGmbH

Fachtagung/Geschichtslehrerfortbildung

Politische Filmpropaganda im Nationalsozialismus war das zentrale Thema einer Fachtagung zur Lehrerfortbildung, die unter dem Titel "Stereotype und Feindbilder - ihre Rolle in der Mentalitäts- und Politikgeschichte" vom 16. - 20. November 1998 im Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF), Göttingen, stattfand. Veranstalter war die Bundeszentrale für politische Bildung (Franz Kiefer) in Kooperation mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (Rolf Ballof) und dem IWF (Dr. Stephan Dolezel).

Zu antisemitischen Stereotypen in nationalsozialistischen Propagandafilmen referierte der dänische Historiker Dr. Stig Hornshøj-Møller, der auf diesem Gebiet seit zwei Jahrzehnten mit dem IWF zusammenarbeitet. Am Beispiel der nationalsozialistischen Filme "Der ewige Jude" und "Jud Süß" erläuterte er die Bedeutung beider Filme in der damaligen Zeit.
So war der Spielfilm "Jud Süß" in der Bevölkerung ein "Bombenerfolg" und gewann 1940 in Venedig den Goldenen Bären. Der sogenannte Dokumentarfilm "Der ewige Jude" fand demgegenüber beim deutschen Publikum nur wenig Interesse. Reichspropagandaminister Goebbels habe Vertrauen in die Wirkung beider Filme gehabt, die zeigen sollten, "warum und wieso ein Jude kein Mensch sei."

Dr. Stephan Dolezel (IWF) sprach über Filmpropaganda, die eine deutsche Expansion zu Beginn des 2.Weltkriegs begründen sollte. Tschechen, Polen, und Russen wurden in Wochenschauen und in teils abendfüllenden Propagandafilmen zu Feindbildern stilisiert.

Der zweite Teil der Fachtagung befaßte sich mit Klassenkampf-Klischees in Filmen der ehemaligen DDR, zu denen der Autor des jüngst erschienenen Buches "Film im Geschichtsunterricht", Prof. Dr. Peter Meyers, einen Vortrag hielt.

Westdeutsche Pendants wurden in der Diskussion erörtert. Ein entsprechender Vortrag zu diesem Thema war ausgefallen und soll bei einer Fortsetzungstagung nachgeholt werden, die auch das Ost- und Westfernsehen mit einbeziehen wird.

Aus den Reihen der Lehrer kamen verschiedene Vorschläge zur Verwendung der Filme im Geschichtsunterricht. Einigkeit gab es darüber, daß die Filme nur durch erheblichen Zeitaufwand mit vorliegenden Interpretationsangeboten behandelt werden könnten. Besonders durch Selbstfilmen könnten Schüler den kritischen Umgang mit dem Medium Film erlernen. Selbstfilmende Schüler seien eher in der Lage, Manipulationen zu entlarven. Dies könne beispielsweise im Rahmen einer Projektwoche geschehen.
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