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Als Frau in die Chemie

24.07.2002 - (idw) Fachhochschule Aalen


Kerstin Wachter Für Kerstin Wachter war nach dem Abitur klar, dass sie etwas mit Chemie machen wollte. Mit einem Leistungskurs Chemie in der Oberstufe bahnte sich diese Entscheidung bereits zur Schulzeit an. Ihr war aber auch klar, dass sie sich weniger mit theoretischem Wissen befassen als vielmehr anwendungsbezogen lernen wollte. So entschied sich die Abiturientin für ein Studium zur Diplom-Chemieingenieurin an der Fachhochschule Aalen.

Ihre Bewerbung hatte Erfolg. Fünf Semester büffelte Kerstin Wachter trotz begleitender Laborveranstaltungen hauptsächlich Theorie. Ihre in der Mehrzahl männlichen Kommilitonen an der FH unterstützten sie dabei nach Kräften. "Ich war von Anfang an ein vollwertiges Mitglied im Verein der werdenden Ingenieure", erinnert Wachter sich an ihre Studienzeit. Schließlich hatten auch die Herren der Schöpfung so ihre Probleme mit dem Chemiestudium, das sicher nicht ganz einfach war. Gemeinsam aber bewältigten sie diese Herausforderung, was Kerstin Wachter heute noch mit Stolz erfüllt.

Zuvor musste sie jedoch ihr Praxissemester in der Industrie absolvieren. Dort knüpfte Wachter bereits die ersten Kontakte im Hinblick auf die bevorstehende Diplomarbeit. Die letzten beiden Semester vertiefte sie sich in Polymerchemie. "Ich wollte einfach mit einer sichtbaren Menge von Stoffen zu tun haben, bei denen ich die Vermischung mit unbewaffnetem Auge verfolgen konnte", so die ehemalige Studentin.

Im Jahr 1999 war es dann soweit: ihre bei Prof. Dr. Beck angefertigte Diplomarbeit zu Proteinhydrolysaten wurde angenommen und ihr das erstrebte Diplom verliehen. Dennoch dauerte es fast sechs Monate, bis Wachter eine adäquate Anstellung als Chemieingenieurin bei Henkel Dorus in Bopfingen antreten konnte. "In den Vorstellungsgesprächen wurde ich bis dato regelmäßig darauf hingewiesen, dass ich mich im gebärfähigen Alter befinde und gefragt, ob ich mir denn schon Gedanken zur Familienplanung gemacht habe", ärgert sie sich rückblickend ein wenig. Umso mehr erfreut es Kerstin Wachter, dass sie mit Henkel Dorus einen Arbeitgeber gefunden hat, bei dem sie in einem internationalen Umfeld mit hochqualifizierten Fachkollegen ihre Kenntnisse und Fertigkeiten einbringen kann.

Heute ist Kerstin Wachter stellvertretende Laborleiterin in der Abteilung Produktentwicklung und Anwendungstechnik im Bereich Schmelzklebstoffe für die Verpackungsindustrie. Ihr obliegt dort die Organisation des Customer Service: Aufgrund von Laborergebnissen gibt sie Klebstoffempfehlungen aus, wirkt bei der Entwicklung neuer Produktgruppen mit und pflegt die Produkte im Anschluss daran. "Die Aufgaben sind unheimlich abwechslungsreich und vielseitig", schwärmt die Chemieingenieurin, "es vergeht kein Tag, an dem ich nichts dazulerne." Das hohe Niveau des Chemiestudiums an der FH Aalen macht sich jetzt für Kerstin Wachter bezahlt. "Und auch mit meiner Vertiefungsrichtung lag ich goldrichtig", freut sich die 30-jährige, "Klebstoffe sind nämlich äußerst interessante Polymere."
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