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DECHEMA-Preis für den Pflanzengenetiker Lothar Willmitzer

27.11.1998 - (idw) DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Entwicklung von molekularbiologischen Methoden für die Pflanzenbiotechnologie und deren Anwendung bei der gezielten Züchtung von transgenen Kulturpflanzen wird Professor Dr. rer.nat. Lothar Willmitzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm, am 27. November im DECHEMA-Haus in Frankfurt am Main mit dem DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung, der mit 30.000 DM dotiert ist, ausgezeichnet.

Die Biotechnologie hat in den letzten Jahren zu einer rasanten Entwicklung in vielen Bereichen der Forschung geführt. Besonders durch die Fortschritte in der Gentechnik stehen heute der Biologie, Biochemie und Medizin Methoden zur Verfügung, die neue Ansätze für bisher ungelöste Probleme bieten. Für Gesundheit, Ernährung und Umwelt eröffnen sich hier große Chancen.

Mit Hilfe der Gentechnologie können Pflanzen so modifiziert werden, daß sie gegen verschiedene Viren, Bakterien oder Pilze resistent sind. Diese Technologie bietet auch die Möglichkeit, völlig neue Produkte in Pflanzen und Mikroorganismen herzustellen bzw. bereits bekannte, billiger und umweltfreundlicher aufzubereiten.

In vielen Lebensbereichen sind wir von Produkten umgeben, die Stärke enthalten. Sie befindet sich nicht nur in Lebensmitteln, sondern ist u.a. für die Herstellung von Papier, Textilien und Klebstoffen unverzichtbar. Deshalb gilt den Stärke liefernden Pflanzen, wie z.B. Kartoffeln, Mais und Weizen, ein besonderes Interesse. Sie sollen jetzt mit Hilfe der Gentechnologie verbessert werden, um die Kosten bei der wirtschaftlichen Nutzung der Stärke zu senken.

Die Kartoffel ist im europäischen Raum der hauptsächliche Stärkelieferant. Die Pflanzenbiotechnologie ist deshalb bemüht, den Stärkeanteil dieser Pflanze zu erhöhen und so zu modifizieren, daß er ohne kosten-intensive Aufbereitungsverfahren verwertet werden kann. Ein Thema, das auch den Pflanzengenetiker Professor Dr. Lothar Willmitzer, Golm, seit langem fasziniert und antreibt.

Für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Entwicklung von molekularbiologischen Methoden für die Pflanzenbiotechnologie und deren Anwendung bei der gezielten Züchtung von transgenen Kulturpflanzen wird Professor Dr. rer.nat. Lothar Willmitzer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm, am 27. November im DECHEMA-Haus in Frankfurt am Main mit dem DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung, der mit 30.000 DM dotiert ist, ausgezeichnet.

Für seine umfangreichen Untersuchungen wählte er als Modellobjekt die Kartoffel. In den letzten Jahren konnte er mehr als 15 verschiedene Gene identifizieren, die an der Biosynthese von Stärke beteiligt sind. Es gelang ihm, durch den Einsatz transgener Pflanzen, den Stärkegehalt der Kartoffeln um etwa 20% zu steigern. Durch Blockierung der endoge-nen Stärkebiosynthese konnte er Kartoffelpflanzen entwickeln, die bis zu 40% ihres Trockengewichtes Saccharose enthalten.

Gegenwärtig beschäftigt sich Prof. Willmitzer damit, die zuckerspeichernden Kartoffelpflanzen so zu modifizieren, daß aus der Saccharose wirtschaftlich interessante Polymere wie lineare Glukane und Fructane entstehen. Die Verknüpfung von Grundlagenforschung und praktischer Anwendung führte im August 1996 zur Gründung der PlantTec Biotechnologie GmbH F&E. Lothar Willmitzer zählt zu den Gründungsmitgliedern dieses innovativen start-up-Unternehmens. Die Firmenaktivitäten umfassen sämtliche Arbeiten mit gentechnisch veränderten Pflanzen - von der Isolierung eines Gens bis hin zum Freilandversuch.

Interdisziplinarität: Von der Chemie zur Molekularbiologie

Die Karriere von Prof. Dr. rer.nat. Lothar Willmitzer ist geprägt durch seinen interdisziplinären Blick über Fachgebietsgrenzen hinaus. Nach dem Chemiestudium an der TU Braunschweig promovierte er bei der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Abt. Molekularbiologie. 1983 habilitierte er - erst 31jährig - an der Universität Köln im Fach Genetik. Seiner Tätigkeit als Leiter einer Arbeitsgruppe im Rahmen des Genzentrums Köln am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung folgte 1986 der Ruf auf den Lehrstuhl für Molekularbiologie der FU Berlin. Gleichzeitig wurde er Geschäftsführer des Instituts für Genbiologische Forschung GmbH. Die Max-Planck-Gesellschaft ernannte ihn 1993 zum Direktor des Max-Planck-Institutes für Molekulare Pflanzenphysiologie und zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft. Er ist Gründungsgesellschafter der 1996 gegründeten PlantTec Biotechnologie GmbH F&E.

Allein seit 1992 sind etwa 200 Publikationen von Lothar Willmitzer erschienen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1981 die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft, 1985 den Dozentenpreis des Fonds der Chemischen Industrie und 1994 den Max-Planck-Preis der Max-Planck-Gesellschaft. Als Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Academie Europaea setzt er sich für die Weiterentwicklung der Biotechnologie ein. Ferner gehört er dem Technologiebeirat des Landes Brandenburg und dem Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an. Seit 1996 engagiert Prof. Willmitzer sich als Vorsitzender des DECHEMA-Ausschusses "Landwirtschaftliche Biotechnologie".


DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung

Der mit 30.000 DM und einer Goldmedaille dotierte Preis wird jährlich von der Max-Buchner-Forschungsstiftung vergeben, die 1936 zu Ehren des Gründers der DECHEMA (Deutsche Gesellschaft für Chemisches Apparatewesen, Chemische Tecnik und Biotechnologie) e.V. ins Leben gerufen wurde. Ausgezeichnet werden dabei besonders herausragende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die die Technische Chemie, die Verfahrenstechnik, die Biotechnologie oder das Chemische Apparatewesen betreffen und eine weitere Entwicklung für die Praxis erwarten lassen. Neben der Vergabe des DECHEMA-Preises unterstützt diese gemeinnützige und von der DECHEMA ehrenamtlich verwaltete Stiftung jährlich auch etwa 100 junge Wissenschaftler mit Forschungsstipendien.

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