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Feministische Bibelauslegung

30.11.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Prof. Dr. Marie-Theres Wacker Der "Feministischen Theologie" wird immer wieder entgegen gehalten, ihr einziges Ziel sei es, aus Jesus Christus eine "Jesa Christa" zu machen. Wie sehr das landläufige Urteil aber doch nur ein Vorurteil ist, haben in den vergangenen Jahrzehnten die Forschungsleistungen der feministischen Bibelauslegung bewiesen. Einen Überblick über deren Ergebnisse bietet ein Symposion, das am 4. und 5. Dezember in Münster von Prof. Dr. Marie-Theres Wacker, seit September Inhaberin des neueingerichteten Lehrstuhls für Exegese des Alten Testaments und Theologische Frauenforschung in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität, veranstaltet wird. Anlaß der Tagung ist auch die Vorstellung des ersten "Kompendiums Feministische Bibelauslegung", herausgegeben von Prof. Wacker und ihrer Kasseler Kollegin Prof. Dr. Luise Schottroff.

Die bisher bedeutendste Tagung zur Bibelauslegung aus weiblicher Sicht in Deutschland will einerseits eine Zwischenbilanz der Forschung ziehen. Andererseits sieht Prof. Wacker in dem Symposion eine gute Gelegenheit, sowohl ihren noch jungen Lehrstuhl als auch die feministische Exegese in ihrer gesamten Breite stärker ins Bewußtsein der Öffentlichkeit zu rücken. Aus diesem Grunde legt sie Wert darauf, daß auf der Konferenz möglichst viele Theologinnen mit unterschiedlichen Positionen, Methoden und Fragestellungen vertreten sind. Auch die verschiedenen Konfessionen und Religionen sind angemessen repräsentiert. Allerdings stellte die münstersche Theologin bei der Vorbereitung der Tagung fest, daß es kaum kompetente deutschsprachige Exegetinnen jüdischen Glaubens gibt.

Gemeinsam ist den einzelnen Richtungen der feministischen Bibelauslegung das Interesse, die Rolle und das Leben von Frauen in der Bibel zu erforschen und stärker im allgemeinen Bewußtsein zu verankern. Zudem hinterfragt sie kritisch das Männer- und Frauenbild der Bibel, deren Texte wohl alle von Männern verfaßt worden sind. Schließlich will sie biblische Inhalte für Frauen in der heutigen Zeit nachvollziehbar machen. Differenzen bestehen hingegen bei der methodischen Herangehensweise: Zwar dominiert die historisch-kritische Methode, doch gewinnen literaturwissenschaftliche und psychologische Ansätze immer mehr an Gewicht. Unterschiedliche Auffassungen existieren außerdem hinsichtlich der Radikalität, mit der das Frauenbild der Bibel kritisiert wird, und der Bewertung des utopischen Potentials der beiden Testamente für Frauen.

Neben den ausschließlich von Frauen gehaltenen Referaten steht eine Podiumsdiskussion mit Vertretern beider Geschlechter im Mittelpunkt. Zwar dürften auf dem Podium divergierende Auffassungen deutlich werden, doch die Zeit, in der Männer die Bibelauslegung aus weiblicher Sicht problemlos übergehen konnten, ist nach Ansicht von Prof. Wacker vorbei. Denn inzwischen sei die Rezeption der feministischen Exegese bei männlichen Theologen so weit fortgeschritten, daß sie auf dem besten Wege sei, als ein integraler Bestandteil der Theologie anerkannt zu werden.
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