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Legionärskrankheit: Erreger nutzt Amöben als Brutstätte

08.12.1998 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Dem Erreger der Legionärskrankheit sind Forscher der Universität Würzburg auf der Spur: Wie vermehrt er sich "in freier Wildbahn"? Welche molekularbiologischen Vorgänge laufen bei der Infektion des Menschen ab? Diese Fragen wollen Prof. Dr. Jörg Hacker und Dr. Michael Steinert vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie klären.

Die Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung. Sie wird von dem Bakterium Legionella pneumophila verursacht, das im Wasser lebt und das durch Duschen und Klimaanlagen auf den Menschen übertragen wird. Durch die zunehmende Technisierung steige, so die Würzburger Wissenschaftler, auch die Gefährdung durch diese Bakterien. Da es sich bei Legionellen um wärmeliebende Keime handelt, leben sie vor allem in Gewässern mit höherer Temperatur.

Ihre Vermehrung in Hausinstallationen bewerkstelligen die Legionellen mit Hilfe verschiedener Amöben-Arten: Sie dringen in diese Einzeller ein und vermehren sich in deren Innerem. Die nur 20 Mikrometer großen Amöben kommen überall in der Umwelt vor und sind in der Lage, ein sehr widerstandsfähiges Zystenstadium auszubilden. In diesen Zysten können Legionellen selbst drastische Desinfektionsmaßnahmen überstehen, wie Prof. Hacker sagt.

Bisherige Arbeiten, die unter anderem an der Universität Würzburg durchgeführt wurden, haben gezeigt, daß verschiedene Legionella-Arten auch unterschiedliche Arten von Amöben als Wirt bevorzugen. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt wollen die Wissenschaftler nun das Wirtsspektrum bestimmen, das den Legionellen in der Umwelt zur Verfügung steht. Für die Untersuchungen haben sie die häufigsten Krankheitserreger unter den Legionellen sowie vom Verwandtschaftsgrad her weit auseinanderliegende Amöben-Stämme ausgewählt.

Doch die Legionellen befallen nicht nur Amöben. Auch wenn sie den Menschen infizieren, werden sie in der Lunge in das Innere von Abwehrzellen aufgenommen. Dort wehren sie sich erfolgreich gegen ihre Vernichtung und schaffen es sogar, sich zu vermehren.

Interessanterweise gibt es bei beiden Infektionszyklen - sowohl in den Amöben als auch in den Abwehrzellen der menschlichen Lunge - auffallende Ähnlichkeiten. Mehrere Erscheinungen sind bereits mit elektronenmikroskopischen und histochemischen Methoden beschrieben. Doch die molekularbiologischen Mechanismen, die diesen Phänomenen zugrundeliegen, sind bislang völlig ungeklärt.

Die Würzburger Forscher streben zum einen danach, das Infektionsgeschehen besser zu verstehen, und zwar sowohl in Abwehrzellen als auch in Amöben. Zu diesem Zweck haben sie einige Gene der krankheitsauslösenden Faktoren und ihrer Regulatoren kloniert und gezielt verändert. Zudem greift das Projekt Probleme auf, die für eine Vorbeugung der Massenvermehrung von Legionellen in Wasserleitungen von Belang sind.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Jörg Hacker, T (0931) 31-2575, Fax (0931) 31-2578, E-Mail:
j.hacker@mail.uni-wuerzburg.de
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