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Den IWF auflösen?

09.12.1998 - (idw) HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung Hamburg

Die fundamentale Kritik am Internationalen Währungsfonds (IWF), die seine völlige Abschaffung fordert, schießt über das Ziel hinaus, schreibt Dr. Otto G. Mayer vom HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung-Hamburg in der neuesten Ausgabe der englischsprachigen Institutszeitschrift INTER-ECONOMICS.

Sicher wäre das Argument nicht leicht von der Hand zu weisen, daß er durch die schnelle Bereitstellung von Mitteln an krisengeschüttelte Länder letztlich die Forderungen internationaler Gläubiger sichere und dadurch deren Verluste sozialisiere. Ein gänzlicher Rückzug, des IWF käme aber nur infrage, wenn diese Länder für eigenes wirtschaftspolitisches Versagen nur selbst die Folgen zu tragen hätten. Selbstverständlich könne argumentiert werden, daß z.B. eine laxe Finanz- und Geldpolitik (bei festen Wechselkursen) zu außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten führe, die nicht auf Dauer ohne Abwertungen oder außenwirtschaftlichen Beschränkungen zu halten seien, d.h. zu Wohlfahrtseinbußen führten. Es sollte nicht vergessen werden, so der HWWA-Experte, daß von den jüngsten Krisen Länder betroffen seien, die fixe oder semi-fixe Wechselkursarrangements aufwiesen. Mit anderen Worten: auch ohne ein Eingreifen des IWF würden die notwendigen Anpassungen erzwungen werden, nur schneller. Wie gravierend die sozialen Folgen wären, hinge dabei entscheidend von der Flexibilität der Güter- und Arbeitsmärkte ab. Eine Finanzierung des Anpassungsprozesses durch den IWF bedeute immer eine soziale Abfederung und Gewinn von Zeit für entsprechende Reformmaßnahmen. Das Ziel, das letztlich dahinter stehe, sei die Offenhaltung der Märkte, d.h. der Versuch zu vermeiden, daß die betroffenen Länder zu Handels- und Kapitalbeschränkungen griffen und damit nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Ländern dauerhaften Schaden zufügten. Aus dieser Sicht wären dann Hilfen doch in Erwägung zu ziehen, um offene Grenzen und Märkte weiterhin zu gewährleisten - laut Statut eine der vornehmsten Aufgaben des IWF.

Dann freilich stelle sich die Frage, ob und wie das Risiko, daß Länder und Gläubiger schon a priori eine Hilfe des IWF ins Kalkül zögen, vermieden bzw. zumindest eingeschränkt werden könne. Hier sei eine strikte Überwachung der Länder und eine Konditionalität, die nicht nur auf die klassische Makropolitik, sondern auch auf Qualität und Struktur von Finanzwesen und Bankenaufsicht abzielten, hilfreich, zumal wenn sich die Anteilseigner des IWF dazu überwinden könnten, die Stellungnahmen des Fonds auch bei eigener Betroffenheit unredigiert veröffentlichen zu lassen. Wenn das Argument gelte, daß gerade im Zuge zunehmender weltwirtschaftlicher Verflechtungen auch der Bedarf an allgemein akzeptierten ordnungspolitischen Rahmenbedingungen zunähme, bedürfe es einer Institution, die eine Art Katalysatorfunktion zur Lösung dieser Fragen wahrnähme. Wer aber sollte diese Funktion und die zu leistende technische Hilfe bei der Umsetzung von Regeln wahrnehmen , wenn nicht der IWF?
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