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Krebstherapie nach Maß

10.12.1998 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jenaer Biochemiker entwickeln Screening-Test zur Tumorzell-Identifikation

Jena (10.12.98). Ärzte können in Zukunft schneller und gezielter entscheiden, welche Krebstherapie für welchen Patienten am besten geeignet ist. Dies gelingt ihnen durch eine neuartige Such-Methode, die das Team um den Biochemiker Professor Dr. Bernd Wiederanders von der Friedrich-Schiller-Universität entwickelt hat. Mit dem neuen Test können Tumorzellen anhand ihrer eiweißspaltenden Enzyme, der Proteasen, identifiziert werden. Da gegenwärtig Wissenschaftler der Pharmazeutischen Industrie nach Hemmstoffen dieser Proteasen suchen, hofft der Jenaer Biochemiker, den Test zeitgleich mit den neuen Wirkstoffen anbieten zu können. Dann haben Onkologen die Möglichkeit, erst den enzymatischen Steckbrief einer Tumorzelle zu bestimmen und dann die Geschwulst gezielt zu behandeln.

Damit ein Tumor in gesundes Gewebe einbrechen und dort wachsen kann, muß er dieses Gewebe zerstören. Das schafft er durch zahlreiche eiweißspaltende Enzyme, die das Nachbargewebe auflösen. Diese Proteasen, die auch in gesunden Zellen vorkommen, schaden normalerweise dem Gewebe nicht: In den Zellen herrscht ein Gleichgewicht von eiweißspaltenden Enzymen und ihren Hemmstoffen. Wenn eine Zelle jedoch zur Krebszelle entartet, verändert sich dieses Gleichgewicht und die Wirkung der Proteasen überwiegt. Dabei kommen in jedem Tumor unterschiedliche Proteasen vor, so daß man ihn anhand seines enzymatischen Steckbriefs identifizieren kann. "Diese Enzyme sind Waffen, ohne die eine Tumorzelle nicht auskommt", erläutert Prof. Wiederanders. Deshalb suchen gegenwärtig Wissenschaftler der pharmazeutischen Industrie nach Wirkstoffen, die die Aktivität dieser verschiedenen Proteasen gezielt hemmen. Eine Geschwulst kann dadurch nicht zerstört werden, aber sie würde langsamer wachsen und weniger Tochtergeschwülste bilden.

Zwar ist noch keines dieser modernen Therapiemittel offiziell zugelassen, aber mehrere Wirkstoffe werden bereits in Spezialkliniken getestet. "Wenn die Pharmaindustrie verschiedene Protease-Inhibitoren auf den Markt bringt, müssen die Onkologen wissen, mit welchem dieser Medikamente sie ihre Patienten behandeln können", betont Wiederanders. Deshalb entwickelte er gemeinsam mit dem Biochemiker Dietmar Rescheleit die neue Screening-Methode, die unter Laborbedingungen bereits funktioniert. Bei dem patientenfreundlichen Test isolieren die Wissenschaftler aus nur zehn Milliliter Blut innerhalb eines Tages eine einzelne Tumorzelle und bestimmen deren Proteasen.

Gegenwärtig arbeiten die Jenaer Forscher an einer Verfeinerung der Methode. Eigens dazu gründete Rescheleit mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums und der Jenaer Universität im April 1998 die Firma "labsoft", die den Screening-Test genau dann auf den Markt bringen will, wenn die ersten Protease-Inhibitoren offiziell zugelassen werden.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bernd Wiederanders,
Institut für Biochemie I der Friedrich-Schiller-Universität Jena, 07740 Jena,
Tel. 03641/938611, Fax. 03641/938612,
e-mail: bwie@mti-n.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
07743 Jena
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