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Universität Dortmund feiert Geburtstag: Gut in Form durch Reform

11.12.1998 - (idw) Universität Dortmund

Eine 30jährige auf der Höhe ihrer Zeit: Am 16.12.1968 wurde die Universität Dortmund eröffnet. Das Jahr 1968 steht in diesem Jahrhundert für Aufbruch und Umbruch, was gerade von den Hochschulen in Mitteleuropa ausging. Die Dortmunder Universität gehört gleichwohl nicht zu den 68ern. Sie konnte bereits damals wie heute für sich in Anspruch nehmen, eine Reform-Universität zu sein. "Den Muff von 1.000 Jahren unter den Talaren" gab es eben hier noch nicht.

Die neue Revier-Universität trat mit der Aufgabe an, den sich abzeichnenden Strukturwandel im Ruhrgebiet zu begleiten, ja, voranzutreiben. Die Basis war mit der Mathematik und den Naturwissenschaften gelegt. Sie waren die Grundlage für hochmoderne Anwendungswissenschaften. Erstmals wurde in Deutschland ein Fachbereich Statistik gegründet. Die Dortmunder Informatik hatte beste Wachstumschancen. Man konzentrierte sich nicht mehr auf Hüttentechnik, sondern auf den stahlverarbeitenden und veredelnden Maschinenbau. Im Bauwesen wurden erstmals die "trockenen" Ingenieure mit den "fantasievollen" Architekten zusammengeführt. Chemie- und Elektrotechnik eröffneten Studiengänge für den Weg in modernste Industriezweige. Der bundesweit erstmalige Studiengang "Raumplanung" soll zwar ebenfalls ein Ingenieur-Diplom vergeben. Er erwies sich aber (ebenso wie die Wirtschaftswissenschaften) in der Praxis eher als Planungswissenschaft: nicht die einzelne Disziplin war in den Vordergrund gestellt, sondern die Region, der Raum, in welchem Menschen und Natur Platz und Zukunft haben sollten.

Bei der feierlichen Eröffnungsfeier am 18.12.1968 gab es aber dennoch einen kleinen Tumult. Flugblätter flatterten im Großen Haus der Städtischen Bühnen auf die Festversammlung. Und Gründungsrektor Prof. Dr. Martin Schmeißer und Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) fanden harsche Worte wider die Störenden. Dabei konnten die Studierenden dem ersten Rektor der Dortmunder Universität und den Gründungsvätern keineswegs Reformunwilligkeit nachsagen, wie es sich beispielsweise an den interdisziplinären, anwendungsorientierten Studiengängen belegen ließ. Zudem leistete sich die Dortmunder Universität keine Dünkel. Ihr Selbstverständnis bestand viel mehr darin, offen zu sein für den Wissensdurst und den Bildungshunger aller Bevölkerungsschichten.

Seit der Jahrhundertwende war in Dortmund immer wieder nach einer Technischen Hochschule verlangt worden. Die Stadtspitze und die Industrie- und Handelskammer zogen an einem Strang. Doch das kaiserliche Preußen wollte im Ruhrgebiet keine Hochschulen ansiedeln. Dem demokratischen Preußen der Weimarer Zeit fehlte das Geld. Und die schon im November 1945 in Dortmund neu artikulierten Wünsche nach der Technischen Hochschule bekamen Anfang der 60er Jahre einen herben Dämpfer, als die Landesregierung den Nachbarn in Bochum die Ruhr-Universität zusprach.

Schon 1962 war der westfälische Friede wieder hergestellt. Dortmund sollte die zweite Revier-Hochschule bekommen, wunschgemäß technisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. Und schon in den ersten Konzepten, mitgeprägt von Paul Mikat, war auch von Allgemeinwissenschaften die Schreibe. Drei Jahre später beschloß die Landesregierung, daß Dortmund, in Abstimmung mit Bochum, auch eine Universität erhalten sollte.

Während Dortmund zur Jahrhundertwende von Kohle und Stahl bestimmt war und damals die Auffassung vertreten wurde, die Obersteiger und Hütteningenieure sollten zum Studium nicht mehr nach Aachen oder Clausthal-Zellerfeld reisen müssen, war 1965 die Situation völlig verändert. Der Stahlkonzern Hoesch hatte die erste große Krise hinter sich. Etliche Zechen waren bereits geschlossen, das Ende der weiteren absehbar.

Nach der Eröffnung schrieben sich 1969 die ersten 25 Studierenden ein. 1980 wurden bereits mehrere tausend Studenten gezählt, aber ihre Zahl verdoppelte sich, als die Universität mit der Pädagogischen Hochschule Ruhr, der damals größten Lehrerbildungsanstalt der Bundesrepublik zusammengeführt wurde. Die Universität wuchs um erziehungswissenschaftliche und didaktische Bereiche, die nicht nur den vorhandenen Abteilungen zuzuordnen waren, sondern etliche Geisteswissenschaften mitbrachten.

Die Pädagogische Hochschule verfügte damals über acht Fachbereiche. Im hochschulpolitischen Gerangel um die Integration konnte sie an der Universität aber nur fünf neue Fachbereiche - die mit den "hohen Hausnummern" 12 bis 16 durchsetzen, die Mehrzahl von ihnen nicht ganz homogen, sondern ein wenig nach Gemischtwarenlager ausschauend, wie der FB 14 mit der Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft, den Theologien und der Hauswirtschaftwissenschaft, der Weiterbildung für Senioren und Frauen.

Daß beide Hochschulen dennoch in rund zehn Jahren zu einer Einheit zusammenwuchsen, ist nicht zuletzt das Verdienst von Altrektor Paul Velsinger, der die Uni in dieser Zeit auch in der Stadt Dortmund heimisch machte. Die besonderen Chancen, die gerade technisches Potential für den Strukturwandel der Region anbot, wurden jetzt im Konsens mit der Stadt, den Kreisen von Industrie und Handel sowie den Kreditgebern massiv genutzt. Das Technologiezentrum wurde der Fokus, um Neuentwicklungen aus der Universität marktreif zu machen und im angrenzenden Technologiepark zu einiger Blüte zu bringen.

Im 30. Jahr ihres Bestehens steht die Universität Dortmund mit rund 24.000 Studierenden gut in der Landschaft. Auch wenn eine Reihe von Problemen nicht zu übersehen ist, kann die Universität Dortmund auf eine erfolgreiche Chronik zurückblicken. Und um die Zukunft der Universität Dortmund ist es ebenfalls nicht schlecht bestellt. Nach der leistungsorientierten Mittelverteilung, den Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Lehre und den Review- und Evaluierungsverfahren folgte die Auszeichnung der Universität Dortmund als "Reformuniversität" durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sowie die Unterzeichnung der Gründungscharta des "European Consortium of Innovative Universities" (ECIU), einem Netzwerk von zehn Universitäten, dessen Koordinaten von Finnland bis nach Portugal, von Schottland bis Deutschland reichen. Daneben hat sich die Universität Dortmund gemeinsam mit fünf weiteren europäischen Hochschulen aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Ständig wächst die Zahl der Graduiertenkollegs und Leuchtturmprojekte, und mit ihren vier Sonderforschungsbereichen rückt die Universität Dortmund in einer Tabelle des Wissenschaftsrates unter den wissenschaftlichen Hochschulen Nordrhein-Westfalens inzwischen auf Platz vier.

Die Jahre des Erwachsenwerdens hat die Dortmunder Universität damit längst hinter sich gebracht. Auch wenn sie an ihrer gewachsenen Struktur noch die eine oder andere Korrektur vornehmen wird: Sie ist in der Region wie in der internationalen Wissenschaftswelt handlungs- und geschäftsfähig geworden.

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