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Modularisierung von Studiengängen öffnet die Hochschulen

18.12.1998 - (idw) Technische Universität Clausthal

Im Hinblick auf die globalen Herausforderungen und die sich dadurch verändernde beruflichen Anforderungen müssen die Hochschulen ihre Ausbildungsangebote erweitern und umstrukturieren. Dem Ziel, die hierfür notwendigen Veränderungen modellhaft vorzubereiten, dient das länderübergreifende Projekt "Entwicklung und Erprobung modularer Studienangebote unter Einbeziehung informations- und kommunikationstechnischer Medien am Beispiel der Ingenieurwissenschaften".


Eine Modularisierung von Studienangeboten öffnet die Hochschulen für vielfältige Bildungsinteressen Die heutige akademische Ausbildung ist geprägt von der Überlegung, ein in sich geschlossenes Studium in einem Zeitraum von acht bis zehn Semestern zu vermitteln. Dabei wird als Regelfall davon ausgegangen, daß sich das Studium unmittelbar an die schulische Ausbildung als Präsenzstudium anschließt und mit einem berufsqualifizierenden Abschluß, zum Beispiel dem Diplom beendet wird. Der weitere Weg der Absolventen führt dann in der Regel in ein Berufsleben in der freien Wirtschaft.
Im Hinblick auf die globalen Herausforderungen und die sich dadurch verändernde beruflichen Anforderungen müssen die Hochschulen ihre Ausbildungsangebote erweitern und umstrukturieren. Dem Ziel, die hierfür notwendigen Veränderungen modellhaft vorzubereiten, dient das länderübergreifende Projekt "Entwicklung und Erprobung modularer Studienangebote unter Einbeziehung informations- und kommunikationstechnischer Medien am Beispiel der Ingenieurwissenschaften". Das Vorhaben der acht beteiligten Reformhochschulen, der Technischen Universität Ilmenau, der Technischen Universität Clausthal, der Fachhochschule Hamburg, der Fachhochschule Aachen, der Universität Hannover, der Bauhaus-Universität Weimar, sowie der Friedrich-Schiller Universität Jena und der Fachhochschule Ingolstadt wird von der Bund-Länderkommission für einen Zeitraum von drei Jahren, beginnend am 1. 10. 1998 mit 3,6 Millionen Mark gefördert.
Das angestrebte modulare Studienangebot ist im Sinne eines lebenslangen Lernens geeignet, die Wünsche der Studierenden sowie die Erwartungen der Gesellschaft und Wirtschaft zu erfüllen. Die Reformhochschulen werden ihr Lehr- und Ausbildungsangebot in den Ingenieurwissenschaften vollständig überarbeiten. Die klassische Trennung in die verschiedenen Studienformen, wie beispielsweise Präsenz- und Fernstudium, wird zugunsten einer neuen Form des Studiums aufgegeben. Dieses Studienmodell verbindet Präsenz- und Fernstudium mit Distance-Learning, Teleteaching und -learning im Sinne eines universellen Studienangebotes. Das Studienangebot wird bei größtmöglicher Freizügigkeit in der Wahl der Schwerpunkte und der Gestaltung des Studienablaufs ein straff organisiertes Studium gewährleisten und durch das Angebot von studienbegleitenden Einzelnachweisen ein Minimieren der Studienzeit ermöglichen.

Die Kombination der zu entwickelnden Module soll zu einer Vielfalt unterschiedlicher berufsqualifizierender Abschlüsse führen. So werden Bachelor- Master- und Diplomstudiengänge nebeneinander existieren, der Übergang von der Fachhochschule zur Universität und umgekehrt soll erleichtert werden. Dazu wird ein System von Einstufungsprüfungen entwickelt, das beispielsweise auch Meistern und Technikern ermöglichen wird, berufsbegleitend zu studieren. Die neu zu konzipierenden Module können sodann auch zum Aufbau von Weiterbildungsangeboten und berufsbegleitenden Studiengängen kombiniert werden. Die Gestaltung der Module ist der Kernpunkt des Projektes, da hiervon die Gestaltung der Studiengänge, ihre Bewertung in der Anwendung, ihre Flexibilität, der Übergang zwischen einzelnen Hochschulen und Hochschulsystemen und die Anerkennung der Module abhängt. Die Basis ist ein diversifiziertes Angebot der einzelnen Hochschulen, zugleich eine strikte Regelung im Aufbau und Bewertung der Module, wobei als international gültiges System das europäische Bewertungssystem der "Creditpoints" eingesetzt wird.
Die Hochschulen bilden auf diese Weise des Austausches und der wechselseitigen Anerkennung von Lehrleistungen einen Ausbildungsverbund. Es können sich Kompetenzzentren herausbilden, welche - in eventuell einer späteren Ausbaustufe als virtuelle Universität - gemeinsam ein vielfältiges Aus- und Weiterbildungsangebot bereitstellen. Die Entwicklung rechnergestützter Unterrichtsmethoden selbst ist nicht Gegenstand des Projektes, wohl aber soll das Konzept mit völlig neuen Lehrmethoden arbeitsfähig sein. Die Modulstruktur erlaubt sodann die Internationalisierung der Studienangebote voranzutreiben, Doppelabschlüsse und Studiengänge für ausländische Studierende anzubieten.
Die organisatorische Bildung von Modulen wird von der Technischen Universität Clausthal gemeinsam mit der Fachhochschule Aachen konzipiert, die Bestimmung der Qualifikationsspektren der Absolventen vollziehen die Universität Hannover und die Fachhochschule Hamburg in wechselseitiger Beratung, das Aufgabenfeld "Hochschulwechsel, Studium, Beruf und lebenslanges Lernen" analysieren die Fachhochschule Hamburg und die Universität Hannover, die Fragestellung der Internationalisierung werden die TU Clausthal und die FH Aachen beleuchtet, Wege zu einer besseren Studierendenbetreuung erforschen die Universität Weimar mit der FH Ingolstadt, Überlegungen zu einer effizienteren Studienorganisation stellen die FH Ingolstadt und die Universität Weimar an. Das Projekt wird sozialwissenschaftlich begleitet von der Universität Jena und der TU Ilmenau. Die Zukunftsperspektive der Virtuellen Hochschule und der Entwicklung gemeinsamer Studiengänge durchdenken die TU Ilmenau, die Universität Weimar und die Universität Jena.

Das Projekt wird dazu beitragen, die "Ein- und Ausgangstore" in und aus der Hochschule heraus zu erweitern und so die Möglichkeiten der Hochschule für die Bedürfnisse der Studierenden, der Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt angesichts einer zunehmenden Internationalisierung und Globalisierung auch auf dem Bildungssektor besser nutzen.
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