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Jubiläumsbilanz: Mehr Interesse, aber wenig Wissen

21.12.1998 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Bilanz des Jubiläums "350 Jahre Westfälischer Friede" Mit über 500 Veranstaltungen zum Jubiläum "350 Jahre Westfälischer Friede" konnte in breiten Teilen der Bevölkerung Interesse am geschichtlichen Ereignis geweckt, jedoch kaum Geschichtswissen vermittelt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Münster, die in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv der Stadt Münster als eine Bürgerbefragung angelegt war.

Gemeinsam mit Studierenden des Schwerpunktfaches "Marketing" der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hat Prof. Dr. Klaus Backhaus die Frage untersucht, wie groß die Akzeptanz der mit großem Aufwand durchgeführten Jubiläumsveranstaltungen in der Münsteraner Bevölkerung war und ob es durch die Jubiläumsveranstaltungen gelungen ist, das geschichtliche Wissen über das historische Ereignis innerhalb der Bevölkerung zu vergrößern. Hierzu wurden im Mai und November 1998 zwei repräsentative Befragungen durchgeführt. Insgesamt wurden rund 6.000 Bürgerinnen und Bürger in Münster zu diesem Thema interviewt.

Im Hinblick auf die Akzeptanz des Jubiläums in der Bevölkerung kommen die Marktforscher der Universität zu dem Ergebnis, daß das Jubiläum auf breite Zustimmung in der Bevölkerung Münsters trifft. Mehr als 60 Prozent der Befragten halten den finanziellen Aufwand für die Jubiläumsveranstaltungen für gerechtfertigt. Insbesondere ordnen die Bürgerinnen und Bürger dem Jubiläum einen hohen Stellenwert für das Ansehen der Stadt und der Region zu. Während in der Mai-Befragung, also vor den wichtigsten Jubiläumsveranstaltungen, rund 70 Prozent der Befragten meinten, das Jubiläum habe eine große Bedeutung für das Ansehen der Stadt, vergrößerte sich dieser Wert im November 1998 auf etwa 85 Prozent der Befragten.

Allerdings zeigen die Befragungsergebnisse auch, daß nur knapp die Hälfte der Befragten an einzelnen Jubiläumsveranstaltungen teilgenommen hat oder dies noch plant. Den größten Zuspruch fanden dabei Ausstellungen und Museumsveranstaltungen, die von etwa 35 Prozent der Befragten besucht wurden oder deren Besuch von den Befragten geplant wurde. Dies begründet Prof. Backhaus vor allem damit, daß das Museum als Vermittlungsinstitution den Idealvorstellungen der Bevölkerung im Hinblick auf Jubiläumsveranstaltungen am ehesten entspricht. Die ideale Jubiläumsveranstaltung sollte in den Augen der Bevölkerung sowohl ein "Anziehungsmagnet" sein, als auch der "Wissensvermittlung" dienen. Diese Kriterien sahen die Befragten am stärksten durch themenbezogene Ausstellungen erfüllt.

Trotz des großen Zuspruchs, den das Jubiläum innerhalb der Bevölkerung erfährt, belegen die Befragungsergebnisse nachdrücklich, daß sich das geschichtliche Wissen der Bevölkerung über den 30jährigen Krieg und den Westfälischen Frieden durch die Jubiläumsveranstaltungen nicht signifikant vergrößert hat. Sowohl in der Befragung im Mai als auch in der im November 1998 konnte nur ein sehr geringer Teil der Befragten Wissensfragen zum historischen Ereignis zutreffend beantworten. Die Marktforscher führen dies in erster Linie darauf zurück, daß die Jubiläumsveranstaltungen vor allem von den Münsteranern besucht worden sind, die auch schon vorher geschichtlich interessiert gewesen sind, wohingegen geschichtlich eher weniger interessierte Bevölkerungskreise - wenn überhaupt - solche Veranstaltungen besucht haben, die keinen engen historischen Bezug aufweisen.

Allerdings zeigt der Vergleich von Mai- und November-Befragung, daß das Jubiläum auch bei diesen geschichtlich eher weniger interessierten Bevölkerungsgruppen zu Veränderungen geführt hat. So ist ein deutlicher Anstieg des Geschichtsinteresses in diesen Bevölkerungsgruppen erkennbar. Auch wenn dies noch nicht zur Teilnahme an einer Jubiläumsveranstaltung geführt, hat, sieht Prof. Backhaus in diesem Anstieg des Interesses vieler Bevölkerungsgruppen eine Möglichkeit, zukünftig breitere Teile der Bevölkerung durch entsprechende Veranstaltungen mit historischem Bezug ansprechen und erreichen zu können. Dies kann nach Auffassung des Marketing-Wissenschaftlers jedoch nur dann gelingen, wenn solche Veranstaltungen noch stärker zielgruppenspezifisch ausgerichtet und gestaltet werden.

Zusammenfassend kommen die Marktforscher vom Betriebswirtschaftlichen Institut für Anlagen und Systemtechnologien zu dem Ergebnis, daß die Veranstalter mit dem Jubiläum insgesamt zufrieden sein können. Abgesehen davon, daß das Jubiläum in der Bevölkerung auf hohe Akzeptanz stößt, zeigen sich auch erste Ansätze dafür, "daß das Jubiläum dazu beigetragen hat, die Bevölkerung für das geschichtliche Ereignis und damit letztlich für Geschichte im allgemeinen zu sensibilisieren - eine Herausforderung für die Verantwortlichen, dieses neu geweckte Interesse auch durch zukünftige, zielgruppenspezifische Veranstaltungen zu nutzen".

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