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Neues Meßinstrument kann Therapie bei Schizophrenie und Parkinson verbessern

29.12.1998 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

An der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Essen ist ein Meßinstrument entwickelt worden, das wesentlich zur Verbesserung des Therapieverlaufs bei schizophreniekranken Kindern und Jugendlichen sowie bei Parkinson-Patienten beitragen kann. Der "Diadochograph" wurde auf der Erfindermesse Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vorgestellt; er ist patentiert, und seine "Konstrukteure" sind jetzt auf der Suche nach Firmen, die sich "der Erfindung bedienen wollen". So sagt es der Chef der Klinik, Professor Dr. Christian Eggers. Einnahmen aus der Vermarktung des Geräts sollen in die Stiftungen zum Wohle psychisch kranker Kinder fließen.

Bei Kindern und Jugendlichen, die an einer Schizophrenie leiden, läßt sich der Einsatz von Neuroleptika häufig nicht vermeiden. Sie aber führen leicht zu unerwünschten Nebenwirkungen, zu Symptomen nämlich, die denen der Parkinsonschen Krankheit vergleichbar sind. Ursache ist in beiden Fällen ein Mangel an Dopamin, dem für die Flüssigkeit der unwillkürlichen und unbewußt ablaufenden Motorik zuständigen Neurotransmitter. Motorische Prozesse wie Gehen, Essen oder Schlucken sind deshalb empfindlich gestört.

Diese Beeinträchtigungen kann der Diadochograph genau messen. Auf der Erfindermesse in Düsseldorf führt der Arzt und Ingenieur Dr. Christof Sturm vor, wie das funktioniert. Er befestigt sein Handgelenk an einer kleinen Vorrichtung und dreht seinen Unterarm leicht hin und her. "So können Schnelligkeit und Auslenkwinkel der Drehbewegung des Unterarms direkt gemessen werden", erläutert er. Was andere Forschungsgruppen bisher vergeblich versuchten, nämlich die Entwicklung eines Meßgerätes, das objektive Daten über den jeweiligen Krankheitsverlauf liefert, gelang in der Essener Klinik dem Team um Professor
Dr. Christian Eggers im Rahmen einer multizentrischen, internationalen Studie. Motiv dafür war der Wunsch, den Einsatz von Medikamenten bei Patienten mit Bewegungseinschränkungen besser steuern zu können.

Für die Patienten könnte der Diadochograph vor allem eine Steigerung von Mobilität und Lebensqualität bringen. Dr. Sturm beschreibt den entscheidenden Vorteil: "Gerade bei Kindern sollen möglichst wenig Medikamente eingesetzt werden. Wenn wir in den Entscheidungen über die Dosierung sicherer werden, können wir sehr viel besser helfen." Auch Parkinson-Patienten - das sind mittlerweile rund 200 000 Menschen in Deutschland - dürften von der Erfindung des Diadochographen profitieren. Denn durch das sogenannte Heimmonitoring, den Einsatz des Gerätes zu Hause, könnte die Messung sicher und bequem vom Patienten selbst durchgeführt werden.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85
Weitere Informationen: Professor Dr. Christian Eggers, Telefon (02 01) 72 27-4 65
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