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Studium Generale an der Uni Dortmund: Was sind "asiatische Werte"?

07.01.1999 - (idw) Universität Dortmund

Welche Werte werden im kommenden Jahrhundert besonderen Einfluß haben? Wer und was bestimmt die Richtung der gesellschaftlichen und globalen Entwicklung zu Beginn des 3. Jahrtausends? Mit diesen Fragen setzt sich zur Zeit das Studium Generale der Universität Dortmund auseinander. Bei der nächsten Veranstaltung - am 12. Januar um 18:15 Uhr im Campus-Treff, Vogelpothsweg 120 - ist der Sinologe Prof. Dr. Heiner Roetz von der benachbarten Ruhr-Universität Bochum zu Gast. Er wird in das Verständnis der asiatischen Werte einführen - soweit man sie denn überhaupt als einheitliches System beschreiben kann.

Eingeladen zu der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.

Der Referent zu seinem Thema:

Seit der Krise der ost- und südostasiatischen Wirtschaften ist es um die "asiatischen Werte" stiller geworden. Da sie für den ökonomischen Boom der Region verantwortlich gemacht wurden, schwindet nun mit deren Niedergang ihre Attraktivität. Zugleich zerfällt, wie die Geschehnisse in Malaysia und Indonesien zeigen, auch die politische Basis der asiatischen Werteoffensive - die Stabilität autoritärer Regime, die auf einem Wertekonsens der jeweiligen Gesellschaften beruhen sollte. Auch die ethnischen Konflikte in und zwischen den einzelnen Ländern der Region sprechen einem solchen Konsens Hohn.

Allerdings stand die Postulierung "asiatischer Werte" theoretisch schon immer auf wackligen Füßen. Denn weder historisch noch aktuell gibt es ein Wertesystem, das sich auch nur einigermaßen konsistent als "asiatisch" beschreiben ließe. "Asiatische" Werte erweisen sich bei genauem Hinsehen als wenig "asiatisch" und entspringen denn auch kaum einer realistischen Selbsteinschätzung der "Asiaten" selber. Sie verdanken sich eher einer westlichen und in Asien aus verschiedenen Gründen aufgegriffenen Konstruktion.

Hinter dieser Konstruktion und ihrer offenkundigen Wirkmächtigkeit verbirgt sich aber mehr als nur das Bedürfnis nach einer abgrenzbaren kulturellen Identität. Sie ist Teil einer interkulturellen, im "Westen" wie im "Osten" mehr mit wiederkehrenden und stereotypen als mit kulturspezifischen Argumenten geführten Wertedebatte. In ihr mischen sich eine Kritik der kulturellen und politischen Moderne mit der prinzipiellen Bejahung der Monetarisierung der Weltwirtschaft.
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