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Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen Werkstoffe, Stammzellen und Sterne

18.04.2002 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Im Emmy Noether-Programm der DFG wurden 16 neue Forschungsvorhaben bewilligt

Der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt fünf Forschungsstipendien und elf Nachwuchsgruppen im Emmy Noether-Programm bewilligt. Seit Beginn des Programms im Jahr 1999 wurden damit insgesamt 313 Anträge junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewilligt. Das Programm möchte besonders qualifizierten Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit eröffnen. In der ersten Phase des Programms gehen die Stipendiaten zwei Jahre lang ins Ausland, um dort neue Forschungsmethoden zu erlernen. Zurück in Deutschland, gründen die Forscher dann in der zweiten Phase eine eigene wissenschaftliche Arbeitsgruppe, die neben der eigenen Stelle nach BAT Ia auch wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Personal umfassen kann. Auch die zur Durchführung des Projektes notwendigen Sachmittel werden durch die DFG zur Verfügung gestellt.

Der 33-jährige Materialforscher Igor Altenberger zählt zu den ersten Stipendiaten, die nach zwei Jahren Forschungsaufenthalt im Rahmen des Emmy Noether-Programms aus dem Ausland nach Deutschland zurückkehren. An der University of California untersuchte er das Ermüdungsverhalten von Metallen, z. B. von solchen, die in Flugzeugturbinen oder im Kraftwerksbau verwendet werden. Unter Ermüdung verstehen Materialforscher die Entstehung und Ausbreitung feinster Risse, die durch die Beanspruchung von Materialien entstehen. Diese Risse können schlimmstenfalls zum Durchbrechen ganzer Bauteile führen und stellen eine häufige Schadensursache im Maschinen- und Flugzeugbau dar. Um diesen Prozess aufzuhalten und die Sicherheit von Bauteilen zu erhöhen, werden metallische Werkstoffe mechanisch randschichtverfestigt. Das bedeutet, dass die Oberfläche insbesondere an stark beanspruchten Stellen durch spezielle Verfahren mechanisch bearbeitet wird, ohne dass es dabei zu einer Änderung der chemischen Zusammensetzung kommt. Igor Altenberger will herausfinden, warum diese Randschichten die Metalle vor dem Ermüden schützen. An der University of California untersuchte er mit Hilfe eines Transmissionselektronenmikroskops, wie sich die Mikrostruktur der Randschicht bei thermischer Beanspruchung verändert. Er sei froh, so Altenberger, dass er durch das Emmy Noether-Programm die Möglichkeit erhielt, seinen eigenen, in Deutschland einzigartigen Forschungsschwerpunkt aufzubauen. "Ohne diese Perspektive wäre ich vielleicht in die industrielle Forschung gegangen", meint er. Im Juli wird Igor Altenberger an der Universität Kassel beginnen, seine eigene Nachwuchsgruppe aufzubauen.

Das Emmy Noether-Programm ist benannt nach der Mathematikerin Emmy Noether. An der Universität Göttingen wurde Emmy Noether im Jahr 1918 als erste deutsche Frau habilitiert - zwei Jahre, bevor dieses Recht den Frauen in Deutschland offiziell zuerkannt wurde. Derzeit sind 24 Prozent aller Emmy Noether-Stipendiaten Frauen. Die DFG fordert Frauen auch weiterhin nachdrücklich zur Bewerbung auf. Eine der erfolgreichen Bewerberinnen ist die 30-jährige Medizinerin Tanja Kuhlmann, die derzeit an der Charité in Berlin tätig ist. Kuhlmann will an der McGill University in Montreal, Kanada, an embryonalen Mäuse-Stammzellen forschen und auf diese Weise zur Entwicklung einer Stammzelltherapie für die Multiple Sklerose beitragen. "Das Emmy Noether-Programm ermöglicht es mir, an ein Labor zu gehen, das bereits Erfahrung auf diesem Gebiet hat, und so meinen eigenen Forschungsschwerpunkt aufzubauen", so Kuhlmann.

Bei der Multiplen Sklerose zerstören Abwehrzellen schubweise die Isolierungen der Nerven, die Myelinscheiden, und die Zellen, in denen das Isoliermaterial Myelin gebildet wird, die Oligodendrozyten. In den Oligodendrozyten aktivieren die Abwehrzellen ein Selbstzerstörungsprogramm. Jeder auf diese Weise ausgelöste Krankheitsschub führt zu neurologischen Ausfällen wie Gefühlsstörungen und Muskelschwäche. Tanja Kuhlmann will erforschen, wie man die zerstörten Myelinscheiden mit Hilfe von Stammzellen wieder aufbauen kann. Um die auf diese Weise gebildeten Oligodendrozyten und die Myelinscheiden vor erneuter Zerstörung zu schützen, will Kuhlmann zudem in die Stammzellen ein Gen einsetzen, das die Selbstzerstörung der Zelle unterdrückt. Dieses Gen untersucht sie seit ihrer Doktorarbeit an der Universität Göttingen. An der McGill University wird Kuhlmann die neue Behandlungsstrategie an einem Mausmodell der Multiplen Sklerose erforschen. Noch bevor Tanja Kuhlmann mit den Tierversuchen beginnt, will sie an Zellkulturen untersuchen, ob die Strategie Aussicht auf Erfolg hat.

Die jetzt im Emmy Noether-Programm bewilligten Forschungsvorhaben stammen vor allem aus dem Bereich der Lebenswissenschaften. Neun Projekte fallen in diesen Bereich. Zwei Projekte befassen sich mit ingenieurwissenschaftlichen Themen und fünf gehören in den Bereich der Naturwissenschaften. Einer der Naturwissenschaftler ist der 29-jährige Astrophysiker Coryn Bailer-Jones. An der Carnegie Mellon University im amerikanischen Pittsburgh will er ein System entwickeln, mit dem man Bilder des Weltraums, wie sie Teleskope liefern, automatisch identifizieren und klassifizieren kann. "Das Emmy Noether-Programm gibt mir die dazu nötigen Freiheiten", freut sich Coryn Bailer-Jones. Der in den USA geborene Brite studierte in Oxford und promovierte dann an der University of Cambridge. Zur Zeit arbeitet er am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Von dort aus beteiligt er sich am GAIA-Projekt der European Space Agency (ESA). Im Rahmen dieses Projektes wird voraussichtlich im Jahr 2010 ein auf einem Satelliten angebrachtes Teleskop ins Weltall geschickt. Dieses Teleskop liefert Daten von Sternen und anderen Himmelskörpern. In diese Datenflut Ordnung zu bringen ist die Aufgabe von Bailer-Jones und seinen Kollegen in der GAIA-Arbeitsgruppe "Classification". An der Carnegie Mellon University wird Coryn Bailer-Jones ein System entwickeln, mit dem man automatisch Sterne von anderen Himmelskörpern, zum Beispiel Asteroiden in unserem Sonnensystem, unterscheiden kann. Mit demselben System sollen anschließend Temperatur, Zusammensetzung und Durchmesser der Sterne bestimmt werden. Noch hat Bailer-Jones nicht endgültig entschieden, wo er nach seinem Aufenthalt in den USA im Rahmen des Emmy Noether-Programms eine Nachwuchsgruppe aufbauen will.

Weitere Informationen zum Emmy Noether-Programm unter: www.dfg.de/aufgaben/emmy_noether_programm.html

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