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Przewalski-Pferde: Wildheit wiedererlernen

11.01.1999 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Erhaltungs-Projekt für Przewalski-Pferde in der Schorfheide / Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) wirkt mit

Es klingt absurd. Aber Wildpferde, vom Aussterben bedroht, müssen ihre Wildheit wiedererlernen - unter Obhut des Menschen.
Auf einem Freigehege von 44 Hektar nahe dem brandenburgischen Liebenthal steht eine Herde von zehn Przewalski-Pferden, die das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) unter naturnahen Bedingungen erforscht. Dabei wirkt es mit der Arbeitsgemeinschaft Großwildpark Schorfheide und dem Institut für Verhaltensbiologie und Zoologie der Humboldt-Universität Berlin zusammen.

Das Przewalski-Pferd -mit prächtiger Stehmähne, geradem Rücken und weißlich gefärbter Maulpartie ("Mehlmaul") - ist in freier Wildbahn bereits im vergangenen Jahrhundert ausgestorben. Es existiert nur noch in vom Menschen angelegten Reservaten; dort aber bereits wieder in einer größeren Zahl als Zoos aufnehmen könnten. So beginnen verschiedene Arbeitsgruppen mit der Auswilderung der eher klein wirkenden, hellbraun gefärbten Huftiere.
Die Frage ist nur: Wie gehen die Wildpferde mit ihrer neu gewonnen Freiheit um? Was wissen sie "noch" von "draußen", schließlich leben sie seit über 100 Jahren in vielen Generationen behütet und umsorgt vom Menschen. Was müssen sie lernen - etwa wenn ihnen ein neuer Naturraum zugewiesen wird und sie - wieder in Freiheit - von ihrem natürlichen Feind, dem Wolf, attackiert werden? In einem Experiment haben die Berliner Zoologen einen solchen Wolfsangriff nachgestellt, um das genetische Gedächtnis ihrer Zöglinge zu überprüfen.
Die Unterscheidung von erlerntem (tradiertem) und angeborenem Verhalten ist ein Schwerpunkt der Forschung im Institut für Zoo- und Wildtierforschung.
Daneben wird die Frage zunehmend interessanter, welche ökologische Rolle frei lebende Pferde in natürlichen Dichten auch heute in naturnahen Landschaften unserer Heimat spielen können.
"Es gibt eine Reihe von Überlegungen, die im Zusammenhang mit der Auswilderung geklärt sein sollten", erläutert Dr. Klaus Scheibe, der die wissenschaftliche Arbeit für das IZW leitet.
Der Grundgedanke des Projekts, den genetischen Reichtum der Art "Pferd" zu bewahren und zu mehren, ist dick zu unterstreichen. Hat doch der Mensch eine Schuldigkeit gerade gegenüber dem Pferd, das wie kein anderes Tier Teil seiner eigenen Geschichte geworden ist - sei es als Streitroß oder Postpferd, vor dem Ackerwagen oder der königlichen Karosse.

Ansprechpartner im IZW: Dr. Klaus Scheibe, Tel.: 030/ 5 16 86 01
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