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100 Jahre Zentralklinik Bad Berka: Festsymposium im modernen PET-Zentrum

03.02.1999 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin

Am 10. März 1999 wird im PET-Zentrum der Zentralklinik Bad Berka das 100jährige Bestehen des Klinikums gefeiert. Im Mittelpunkt der Vorträge steht die Positronen Emissions Tomographie (PET) - ein hochmodernes bildgebendes Verfahren, das seit vergangenem Jahr in Bad Berka zur Verfügung steht.

Doppelten Anlaß zum Feiern gibt es am 10. März 1999 im PET-Zentrum der Zentralklinik Bad Berka (bei Weimar): Zum einen feiert die Zentralklinik ihr 100jähriges Bestehen, zum anderen handelt es sich bei dem PET-Gerät (Positronen Emissions Tomograph) im Zentrum um den weltweit 100. Siemens ECAT PET-Scanner - ein Gerät der neuen, hochauflösenden Geräte-Generation.
Die Fertigstellung des Westtraktes der Zentralklinik Bad Berka mit dem PET-Zentrum (Rhön-Klinikum AG, Bad Neustadt/Saale) im vergangenen Jahr war der letzte Abschnitt der umfangreichen Modernisierungsarbeiten am denkmalgeschützten Gebäudekomplex.
Heute sind hier unter anderem Kliniken für Angiologie, Kardio- und Neurochirurgie, Kardiologie und Neurologie und Thorax- und Gefäßchirurgie zusammengeschlossen - Fachrichtungen also, die unmittelbar von der Positronen Emissions Tomographie profitieren.
In der Kardiologie ermöglicht die PET vor allen Dingen eine sehr exakte, frühzeitige Diagnostik von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Ein anderes Einsatzgebiet ist die Vorfeld-Diagnostik vor schweren Herzoperationen (etwa einer Bypassoperation). Mit Hilfe der PET läßt sich abklären, ob das betroffene Herzmuskelgewebe noch stoffwechselaktiv, und damit, ob es noch lebensfähig ist. Nur dann kann es sich nach einer Bypassoperation wieder erholen.
In der Neurologie lassen sich Stoffwechselprozesse im Gehirn ohne Gefährdung für den Patienten sichtbar machen. Dadurch wird unter anderem die schwierige Differenzierung zwischen verschiedenen Formen der Demenz (Alzheimer Krankheit, Gedächtnisstörungen anderer Ursache) und der Parkinson Krankheit möglich.
Und schließlich gewinnt die PET in der Krebsdiagnostik ständig an Bedeutung. Einsatzgebiet sind hier beispielsweise die Stadienbestimmung (Metastasenbildung ja/nein, Lymphknotenbefall usw.), die Rezidivsuche (wächst der Tumor nach einer Operation neu?) und die Therapiekontrolle (schlägt eine Chemo-/Strahlentherapie an oder muß sie modifiziert werden?).
Grundlage für diese Untersuchungen ist stets, daß die PET nicht wie andere bildgebende Verfahren - etwa Röntgen-CT und Magnetresonanzspektroskopie - in erster Linie die morphologische Aspekte darstellt (Struktur und Lage der Organe und Gewebe), sondern funktionelle Gesichtspunkte. Sichtbar wird also der Zellstoffwechsel. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte physiologische Tracer, deren Verteilung im Körper vom PET-Scanner sichtbar gemacht werden kann. Dabei handelt es sich um radioaktiv markierte Substanzen, die auch im natürlichen Körperstoffwechsel vorkommen. Für die Krebsdiagnostik kommt beispielsweise ein modifiziertes Traubenzuckermolekül (Glukose) zum Einsatz, die Fluordeoxyglukose (FDG), die ein radioaktives Fluorid-Ion enthält. Sie wird vom Körper zunächst normal verstoffwechselt und in die Glukose-verwertenden Zellen transportiert. Erst dort ist der weitere Abbau blockiert, das FDG reichert sich an. Da Krebs- gegenüber gesunden Zellen einen deutlich erhöhten Glukoseumsatz haben, "speichern" sie auch deutlich mehr FDG und heben sich so im späteren PET-Bild deutlich vom umliegenden Gewebe ab. Auch kleine Metastasen sind so gut zu erkennen.
Für die Patienten ist die 20 bis 40 Minuten dauernde Untersuchung unproblematisch und nebenwirkungsfrei, ein stationärer Aufenthalt ist nicht notwendig. Da alle PET-Tracer - die sogenannten Positronen-Strahler - extrem kurze Halbwertzeiten besitzen, ist auch die Strahlenbelastung durch eine PET-Untersuchung minimal. Mit 110 Minuten ist das Fluorid-Ion im FDG noch die langlebigste Substanz. Andere wie etwa Kohlenstoff-, Stickstoff- oder Sauerstoffisotope haben nur Halbwertszeiten von wenigen Minuten. Sie kommen insbesondere in der Kardiologie und der Neurologie zum Einsatz.
Auch in dieser Hinsicht ist das PET-Zentrum Bad Berka hervorragend ausgestattet: Während das FDG durchaus innerhalb bestimmter Entfernungen von anderen Produktionsstätten angeliefert werden kann, ist dies bei Radiotracern mit wenigen Minuten Halbwertszeit nicht mehr möglich. In Bad Berka steht daher ein eigener Kreisbeschleuniger (Zyklotron), der täglich "frische" Radiotracer produziert.
Zykltron und PET-Gerät können am 10. März ab 11:30 Uhr besichtigt werden. Ab 12:00 Uhr beginnt der wissenschaftliche Teil des Festprogrammes, der in fünf Vorträgen Geschichte und Status Quo der PET-Technik vermittelt. Zum gesamten Festprogramm im Kultur- und Kongreßhaus der Zentralklinik Bad Berka (siehe unten) sind Sie herzlich eingeladen.


Programm, 10. März 1999, 11-16:30 Uhr

Kultur- und Kongreßhaus der Zentralklinik Bad Berka GmbH
11.00 Uhr: Musikalische Eröffnung und Intermezzi, Grußworte
11:45 Uhr: Kaffeepause (Möglichkeit zur Besichtigung des PET-Zentrums)
12:00 Uhr: Einführung: PD Dr. Harald Lange, Ärztl. Direktor der Zentralklinik Bad Berka
12:15 Uhr: Terry Jones, PhD, Hammersmith Hospital, London "The Concept of Molecular Imaging"
13:00 Uhr: Prof. Dr. Karl Herholz, MPI/Neurologie, Köln "Faszinierende Einblicke in das menschliche Gehirn mit PET"
13:45 Uhr: Mittagspause (Möglichkeit zur Besichtigung des PET-Zentrums)

15:00 Uhr: Prof. Dr. Heinrich Schelbert, Los Angeles, USA "Untersuchung des Myokardstoffwechsels mittels PET"
15:45 Uhr: Prof. Dr. Richard P. Baum, Bad Berka "Bildgebende molekulare Tumordiagnostik. PET - eine neue diagnostische Dimension"

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin
Heike Jordan, Pressereferentin
Tel. 0551/376447
Fax 0551/376453
e-mail: info@nuklearmedizin.de
http://www.nuklearmedizin.de
oder
http://www.zentralklinik-bad-berka.de
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