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1. Chemnitzer LinuxTag: Siegeszug eines Betriebssystems

09.02.1999 - (idw) Technische Universität Chemnitz

Unaufhaltsamer Siegeszug eines Betriebsystems
Erster Chemnitzer LinuxTag ist Geheimtip für alle Computernutzer
Große Installationsparty soll auch Neueinsteiger gewinnen

Den 6. März 1999 sollten Sie sich in ihrem Kalender rot anstreichen - jedenfalls dann, wen Sie einen Computer besitzen. Ob Sie nun Laie oder schon Experte sind - an diesem Sonnabend kommen Sie auf Ihre Kosten. Dann nämlich findet an der Chemnitzer Uni der "1. Chemnitzer LinuxTag" statt. Von 9.00 bis 18.00 Uhr dreht sich im technisch hervorragend dafür ausgestatteten Neuen Hörsaalgebäude an der Reichenhainer Straße 70 alles um Linux. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein außerordentlich leistungsfähiges und dabei kostenloses Betriebssystems, das all jene Macken nicht hat, die selbst wohlwollende Computernutzer an Microsofts "Windows" bemängeln - etwa, daß es kaum zum Absturz zu bringen ist.

Vor ein paar Jahren wurde Linux noch als Geheimtip gehandelt. Inzwischen jedoch schmückt das Wort die Titelseiten von Computerfachzeitschriften, sogar normale Tageszeitungen haben sich des Themas mittlerweile angenommen. Entwickelt wurde Linux 1991 von dem damals erst 21jährigen finnischen Informatik-Studenten Linus Thorvalds. Der konnte sich das teure kommerzielle Betriebssystem Unix, das bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten auf Großrechnern eingesetzt wird, nicht leisten - also schrieb er sich einfach ein eigenes, Unix nachempfundenes, System und gab ihm in Anlehnung an seinen Vornamen und an das Unix-System den Namen Linux.

Das Besondere an Linux: Thorvalds erklärte es zu einem offenen System. Jedermann, so erklärte er, dürfe sein System kostenlos nutzen, kopieren und weitergeben. Gleichzeitig bat er über Internet andere Computer-Liebhaber darum, seine Schöpfung weiterzuentwickeln. Dazu veröffentlichte er den sogenannten Quellcode, das ist die Sprache, in der Linux geschrieben ist. Normalerweise hüten Software-Firmen den Quellcode sorgfältig vor ihren Konkurrenten, um sich vor unliebsamem Wettbewerb zu schützen. Der Aufruf wurde zu einem Riesenerfolg: Mittlerweile schreiben zehntausende von Computerbegeisterten rund um die Welt an immer neuen Erweiterungen - in ihrer Freizeit und kostenlos. Anfangs galt das System als schwer zu bedienen und nur für eingefleischte Computer-Freaks geeignet. Doch das hat sich geändert: inzwischen gibt es grafische Benutzeroberflächen wie bei Windows oder OS/2, und auch gängige Programme, etwa die Standard-Bürosoftware "Star Office", sind mittlerweile in einer Linux-Version zu haben. Daher ist das System mittlerweile auch für Computerlaien geeignet. Auch immer mehr große Firmen haben inzwischen erkannt, wie leistungsfähig die "Bastelei" von Thorvalds inzwischen geworden ist: Allein im vergangenen Jahr wurden mehrere Millionen Linux-Systeme verbreitet.
Dazu trägt auch bei, daß Linux praktisch auf allen gängigen Computer-Typen läuft, auf PCs mit Intel-, AMD- oder Cyrix-Prozessoren ebenso wie auf einer Arbeitsstation - der nächsthöheren Computerklasse - unter Sparc, DEC Alpha, PowerPC oder Motorola. Daß das tatsächlich funktioniert, führen die Chemnitzer auf ihrem LinuxTag vor. Und das Betriebssystem läuft auch keineswegs nur auf den neuesten Prozessor-Versionen, gerade schon leicht angejahrte Typen wie den 386er oder den 486er macht das Betriebssystem wieder topfit.

Schon seit langer Zeit läuft ein Teil der Server und Arbeitsstationen der Chemnitzer Uni, dazu des Studentennetzes und des privaten Individual Network Chemnitz, unter Linux. All diese unterschiedlichen Nutzer haben sich in der Chemnitzer Linux User Group (CLUG) zusammengeschlossen, die seit zwei Jahren regelmäßig Vorträge rund um das Thema Linux anbietet. Die CLUG ist es auch, die gemeinsam mit dem Unirechenzentrum und dem Individual Network den LinuxTag veranstaltet. Wer immer sich für Computernetze, moderne Software und ideenreiche Lösungen interessiert, ob Anfänger, Fortgeschrittener oder Experte, jeder kommt dort auf seine Kosten und ist herzlich willkommen. Auch an künftige Netzwerkadministratoren oder Computerbesitzer, die ihren eigenen PC ans Internet anschließen wollen, ist gedacht.

Für 5 Mark Eintritt (Schüler, Studenten, Rentner, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zahlen sogar nur 3 Mark) kann er (oder sie) Vorträge zu Anwendungsprogrammen, Nutzeroberflächen und zahlreichen anderen interessanten Punkten hören - die genauen Themen und Zeiten können Interessenten beim Nutzerservice des Unirechenzentrums unter Telefon 0371/531-1656 erfragen oder gleich im Internet ansehen (http://www.tu-chemnitz.de/linux/tag/). Außerdem geben die Netzverwalter vom Unirechenzentrum, vom Studentennetz und aus anderen Einrichtungen der Region ihre reichen Erfahrungen weiter, helfen mit Hinweisen, Tips und Tricks. Selbst absolute Neulinge können so leicht das nötige Wissen für die ersten Schritte in die Linux-Welt erwerben.

Aber es wird noch weit mehr geboten. Das Internet ist nämlich nicht nur ein weltweites Kabelnetz, über das mittlerweile Millionen von Computern miteinander verbunden sind. Längst können die Informationen auch über Funk übertragen werden - und das mit Mitteln des Amateurs. Auch das wollen die Organisatoren zeigen. Daneben werden Videokonferenzen über Internet durchgeführt - alles mit Linux und auf gewöhnlichen PCs.

Überhaupt wollen die Organisatoren eine Atmosphäre schaffen, in der Computerlaien und Fachleute zwanglos miteinander ins Gespräch kommen - schließlich können beide voneinander lernen. Dazu soll auch der Clou des Chemnitzer LinuxTages dienen, eine große Installationsparty. Wer sich nämlich nicht zutraut, Linux selbst zu installieren und einzurichten, kann seinen eigenen Rechner mitbringen - die CLUG- und Network-Fachleute helfen dabei.
Um eine frühzeitige Anmeldung unter 03 71/5 31-16 56 oder im Internet unter http://www.tu-chemnitz.de/linux/tag/anmeldung.php3 kommt man aber leider hierbei nicht herum - die Kapazität ist wegen der nötigen Helfer auf sechzig Installationen begrenzt. Für Teilnehmer, die nur die Vorträge hören oder sich die Demonstrationen ansehen wollen, ist dagegen genügend Raum vorhanden.

Weitere Informationen: Technische Universität Chemnitz, 09126 Chemnitz, Karsten Petersen, Vettersstr. 72 / 230, Tel.: 03 71/5 61-45 86, E-mail: kapet@informatik.tu-chemnitz.de, unter http://www.tu-chemnitz.de/linux/tag/ oder über den Nutzerservice des Universitätsrechenzentrums unter 03 71/5 31-16 56. Falls Sie in Ihrem Artikel das Logo des LinuxTages verwenden möchten: es ist in mehreren Formaten unter http://www.tu-chemnitz.de/linux/tag/logo/ zu finden.

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