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Getrennte Wege zum Erfolg in Beruf und Wissenschaft

11.02.1999 - (idw) Universität Dortmund

Daß Frauen zum Reformpotential gehören und zur Veränderung der Studienbedingungen und Lehrkulturen beitragen können, ist das gemeinsame Band einer Reihe von Hochschulprojekten, die heute, morgen und übermorgen (11. bis 13. Februar 1999) auf dem Workshop 'Frauenuniversitäten - Neue Impulse für die Wissenschaftskultur' an der Universität Dortmund vorgestellt und diskutiert werden sollen.

Die Gründe für diese Innovationsprojekte sind sehr unterschiedlich: Da gibt es mancherorts Problemdruck durch rückläufige Zahlen bei den Studienanfängerlnnen in technischen Studiengängen, da signalisiert die Wirtschaft veränderte Anforderungen der Wirtschaft oder da geht es auch heute um mehr Geschlechtergerechtigkeit.

Gemeinsam ist diesen Projekten, daß sie mit der Monoedukation experimentieren und eine Frauenumgebung für Studentinnen schaffen, die von der Hochschule unterstützt wird. Damit verbunden ist die Erwartung, daß sich durch eine Trennung der Geschlechter eher eine geschlechterparitätische Studienbeteiligung ergeben kann als unter den herkömmlichen Bedingungen.

Daß es sich bei den monoedukativen Studiengangsprojekten nicht um Eintagsfliegen handelt, sondern hiervon wesentliche Impulse für die Reform der Hochschulen ausgehen können, zeigen folgende Beispiele:

· Neben dem bestehenden Studiengang Wirtschaftsingnieurwesen wurde an der Fachhochschule Wilhelmshaven ein Parallelstudiengang ausschließlich für Frauen eingerichtet. An die Studentinnen im monoeduktativen Studiengang wird von denselben Professoren der gleiche Stoff vermittelt, den sie auch den Studierenden des gemischtgeschlechtlichen Studiengangs lehren. Erste Ergebnisse der Klausuren zeigen, daß die Teilnehmerinnen aus dem Frauenstudiengang im Durchschnitt bessere Noten erreicht haben als ihre überwiegend männlichen Kommilitonlnnen im gemischtgeschlechtlichen Studiengang. Dieses Ergebnis ist bedeutsam, zumal es sich um ein vor allem männlich konnotiertes Fachgebiet handelt. Möglicherweise lassen sich hier erste Belege für eine bessere Förderung der 'weiblichen' Leistungspotentiale in den technischen Fächern finden.

· Auch der Studiengang Energieberatung und Marketing an der Fachhochschule Bielefeld wurde als Parallelstudiengang konzipiert. Hier gelang es durch eine fundierte Werbestrategie eine hohe Zahl von Frauen für diesen neuen Studiengang zu interessieren, Frauen, die sich ohne diese Maßnahme wahrscheinlich nicht für ein solches technisches Studium interessiert hätten. Damit zeichnen sich neue Wege ab, wie die teilweise Unterauslastung überwunden werden kann und gleichzeitig durch das Abgehen von einer engen Technikorientierung neue Studiengangs- und Berufsprofile entwickelt werden können, die auch für Frauen interessant und zukunftsweisend sind.

Reformimpulse von der EXPO-Frauenuniversität?

Auf dem Workshop werden Exponentlnnen (Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen) verschiedener Projekte über die jeweiligen Konzepte und ihre Erfahrungen im Implementationsprozeß sowie über bisher meßbare Erfolge (und
Mißerfolge) berichten. Erstmals soll damit ein Dialog zwischen diesem Personenkreis und einem sachkundigen Publikum initiiert werden.

Ziel dieses Austausches ist es, die bisherigen Erfahrungen systematisch zusammenzutragen, theoretische Begründungen durch ein wissenschaftliches Streitgespräch über Vor- und Nachteile einer solchen Trennung zu erarbeiten und Anregungen zu ihrer Weiterentwicklung zu formulieren, jedoch auch zur Initiierung neuer Studiengänge beizutragen.

Vorgestellt werden auch das Konzept und der bisherige Planungsstand der ersten Internationalen Frauenuniversität in Deutschland (IFU), die im Rahmen der EXPO 2000 vorbereitet wird. Zentral an diesem Konzept ist, daß der Zusammenhang zwischen Technik- und globaler gesellschaftlicher Entwicklung aus einer Geschlechterperspektive wissenschaftlich reflektiert werden soll, ein Reflexionsprozeß der - trotz höchster gesellschaftspolitischer Relevanz - im Hochschulbereich bisher noch zu wenig stattfindet. Nicht zuletzt werden von diesem Projekt auch konkrete Reformimpulse für andere Hochschulen erwartet. Insgesamt entsteht damit ein Experimentierraum mit neuen interdisziplinär und global ausgerichteten Curricula sowie neuen Lehr- und Lernformen.

Diese wenigen Beispiele vermitteln bereits einen Eindruck von den vielfältigen Erfahrungshorizonten, die in diesen Projekten entstehen. Der Workshop bietet Gelegenheit, sich über die verschiedenen Erfahrungen auszutauschen und neue Strategien zu entwickeln.

Dortmunder Graduiertenkolleg:
19 Doktorinnen, fünf Professorinnen

Der projektbezogene und theoretische Dialog der beiden ersten Tagen des Workshops soll am dritten Tag (Samstag, 13. Februar) durch eine Diskussion zur konzeptionellen Weiterentwicklung abgeschlossen werden und sich vor allem auf konkrete Reformansätze der IFU beziehen.

Die Arbeitsgruppen werden sich mit den drei Themenkomplexen:
- Elite differenzieren
- Globalität leben
- politisch Einfluß nehmen
beschäftigen.

Konzipiert und organisiert wurde der Workshop im Rahmen des Lehrprogramms im Graduiertenkolleg "Geschlechterverhältnis und sozialer Wandel. Handlungsspielräume und Definitionsmacht von Frauen" an der Universität Dortmund.

Die ca. 330 Graduiertenkollegs dienen der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung und werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den Bundesländern jeweils längstens für neun Jahre finanziert. Das genannte Kolleg ist das einzige sozialwissenschaftliche Graduiertenkolleg der Universität Dortmund und das einzige in der Bundesrepublik, das sich ausschließlich der Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses widmet. Es konnte in den sechs Jahren seines Bestehens 19 junge Wissenschaftlerinnen promovieren, wovon fünf bereits eine Professur erhalten haben.

Nähere Information:

Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel / Prof. Dr. Ursula Müller
Ruf 0231-755-.5530, Fax 0231-755-5543
E-Mail s.metz-goeckel@hdz.uni-dortmund.de
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