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Gesundheit kontrovers: Kostenersparnis durch mehr Gesundheitsleistungen?

23.02.1999 - (idw) Universität Augsburg

Unter dem Titel "Kostenersparnis durch mehr Gesundheitsleistungen? Das Undenkbare denken" startet GESUNDHEIT KONTROVERS, eine gemeinsame Einrichtung von Stadt und Universität Augsburg, an der Mediziner, Zahnmediziner, Psychologen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler beteiligt sind, eine neue Reihe mit sechs Vorträgen. Dazu konnten wieder sehr renommierte Referenten gewonnen werden, so etwa der "Rebell" unter den Ärztefunktionären, Dr. Ellis Huber, oder der Leiter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Winfried Schorre.

Hintergrund der Reihe ist eine Dissonanz, die zu wenig Beachtung findet: Auf der einen Seite eine bedrohlich hohe Arbeitslosigkeit, die fraglos nur durch Ausweitung des Dienstleistungssektors gemindert werden kann; auf der anderen Seite eine immer stärkere Beschneidung eines der größten und ausbaufähigsten Dienstleistungsgewerbe, der Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit. Und das, obwohl hier eine überaus starke Nachfrage besteht, während man sich anderweitig darum sorgt und horrende Beträge dafür ausgibt, die Nachfrage erst anzukurbeln. Wo bleibt da die Rationalität?

PROGRAMM

* Donnerstag, 4. März 1999
Gesundheit: Kostenfaktor oder Wachstumsbranche?
Referent: Prof. Dr. Eberhard Wille
(Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft, Universität Mannheim)

* Mittwoch, 10. März 1999
Gesundheitssysteme im europäischen Vergleich
Referent: Prof. Dr. Heyo Eckel (Präsident der Ärztekammer Niedersachen)

* Donnerstag, 18. März 1999
Das Gesundheitssystem neu denken - Wie die aktuelle Krise überwunden werden kann
Referent: Dr. Ellis Huber (Präsident der Ärztekammer Berlin)

* Donnerstag, 25. März 1999
Gesundheitsversorgung: Notwendig, zweckmäßig, ausreichend
Referent: Dr. Winfried Schorre (Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung)

* Donnerstag, 8. April 1999
Paradigmenwechsel in der zahnärztlichen Versorgung?
Referent: Günther Reiter (Referent für Zahnärzte der AOK Bayern)

* Donnerstag, 22. April 1999
Psychotherapie - Sparen durch Mehraufwendung?
Referent: Prof. Dr. Wolfgang Fiegenbaum
(Vorsitzender der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie)

Alle Vorträge beginnen um 20.00 Uhr im Hörsaal IV der Neuen Universität (Universitätsstraße 10). Die Kapazität des Hörsaals ist auf 200 Personen begrenzt, eine Platzreservierung ist nur in Ausnahmen möglich.

KEINEN NOTWENDIGEN WIDERSPRUCH...

... zwischen gesamtwirtschaftlichen Zielaspekten und überproportional ansteigenden Gesundheitsausgaben sieht Prof. Dr. Eberhard Wille, der mit einem Vortrag unter dem Titel "Gesundheit: Kostenfaktor oder Wachstumsbranche?" am 4. März die Reihe eröffnet:

Unbeschadet ihrer Existenzberechtigung, so argumentiert Wille, läßt die Ausgaben- bzw. Kostenbetrachtung der Gesundheitsversorgung noch keine Schlüsse über die Outputs bzw. Outcomes der betreffenden Aufwendungen und damit auch keine Aussagen über die Effizienz und die Effektivität von Gesundheitsleistungen zu. Unter Zielaspekten vermag die Gesundheitsversorgung grundsätzlich Wirkungen auf die Wohlfahrt der Patienten, das Wachstum des realen Sozialproduktes, die Produktivität und Kapazität einer Volkswirtschaft sowie die Beschäftigung zu entfalten.

So trug eine verbesserte Gesundheitsversorgung sicherlich dazu bei, die Lebenserwartung und -qualität in den letzten 30 Jahren spürbar zu erhöhen. Darüber hinaus stellt ein expandierender Gesundheitssektor einen Wirtschafts- und Wachstumsbereich dar, der angesichts seiner überdurchschnittlichen Dienstleistungs- und Arbeitsintensität erhebliche Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt erzeugt. Das Gesundheitswesen gehört zu den Wirtschaftsbereichen, die seit 1970 ein deutlich überdurchschnittliches Beschäftigungswachstum verzeichnen. Schon heute bewirken die Gesundheitsausgaben unmittelbar und mittelbar ein Beschäftigungsvolumen von über 4 Millionen, d. h. jeder neunte Erwerbstätige in Deutschland verdankt der Gesundheitsversorgung seinen Arbeitsplatz.

Das Bemühen um stabile Beitragssätze bzw. Ausgabenbegrenzung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung bildet insofern immer eine Gratwanderung zwischen den Entzugseffekten, die steigende Beitragssätze vornehmlich außerhalb des Gesundheitssektors verursachen, und den positiven Effekten der Gesundheitsversorgung. Unter der Voraussetzung einer effizienten und effektiven Gesundheitsversorgung stehen gesamtwirtschaftliche Zielaspekte auch einem überproportionalen Anstieg der Gesundheitsausgaben nicht entgegen. Die Gretchenfrage nach der adäquaten Finanzierung einer solchen Entwicklung bleibt damit allerdings weiterhin unbeantwortet.

Auskünfte:

Prof. Dr. Wolfgang Michaelis,
Universität Augsburg, 86135 Augsburg,
Telefon 0821/598-5595, Telefax 0821/598-5504,
e-mail: wolfgang.michaelis@phil.uni-augsburg.de
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