Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSonntag, 20. April 2014 

Saubere Energie für sauberes Wasser

23.02.1999 - (idw) Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Solarforschung für südliche Regionen
Saubere Energie für sauberes Wasser

In einem Pilotprojekt installiert das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zusammen mit Partnern aus Argentinien, Mexiko und Marokko Anlagen zur Aufbereitung von Trinkwasser. Neu ist neben der Technik auch der sozio-technische Ansatz: Die Dorfbewohner sind von Anfang dabei. Sie beteiligen sich finanziell und ideell, lernen, beteiligen sich an Entscheidungen, bauen mit auf und betreuen nach der Installation ihre Anlage selbst.

Weltweit haben 1,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Wasser ist meist vorhanden. Was fehlt, ist neben der Technik auch die Energie, es aufzubereiten, denn die wenigsten Dörfer sind elektrifiziert. Was liegt da näher, als mit dezentralen Photovoltaik-Anlagen Strom zu erzeugen und damit das Wasser zu entkeimen? Bisher stand dem der enorme Energieverbrauch der Wasseraufbereitung entgegen. Die Fraunhofer-Forscher konnten ihn jetzt drastisch reduzieren - im günstigsten Fall auf ein Hundertstel! So desinfiziert im argentinischen Balde de Sur de Chucuma jetzt eine UV-Anlage das Trinkwasser der Schule, gespeist von einem 50 Watt Solarmodul.

Die beste Technik nützt jedoch nichts, wenn sie nicht zum Menschen paßt, der mit ihr umgeht. Was am Ende ganz einfach aussieht, ist Ergebnis eines umfassenden Prozesses: "Oft wissen die Menschen gar nicht, daß verschmutztes Wasser sie krank macht. Bevor wir an die technische Seite gehen, treiben wir zunächst Aufklärungsarbeit, um Akzeptanz zu erreichen. Erst dann planen wir mit den Betroffenen die Anlagen," beschreibt Orlando Parodi den sozio-technischen Ansatz des Fraunhofer ISE.

Durch diese partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Dorfbevölkerung erfahren die Wissenschaftler die nötigen Details aus erster Hand. Jede Situation braucht eine angepaßte Lösung. Für die Desinfizierung stehen drei Varianten zur Verfügung: Chlorung, anodische Oxidation und UV-Bestrahlung. Die Fraunhofer-Forscher wählten in aufwendigen Vergleichstests Anlagen aus und optimierten sie, so daß sie unter den erschwerten Einsatzbedingungen in ländlichen Gebieten zuverlässig zwischen 1 und 100 m³ Wasser pro Tag aufbereiten. Die Energie liefern Solarzellen: Ein 50 Wp Modul ermöglicht 1 bis 5 m³ desinfiziertes Trinkwasser pro Tag.

Flankierende Maßnahmen reduzieren einerseits die Gefahr einer Wiederverkeimung und bringen andererseits den Bewohnern unmittelbar erfahrbare Vorteile. So erhöht ein Wasserspeicher die Versorgungssicherheit, ein Wasseranschluß zu Hause den Komfort - oder überschüssiger Strom aus der Photovoltaik-Anlage versorgt ein Gemeindezentrum.

Die sozialwissenschaftliche Begleitung gewährleistet, daß die Dorfbevölkerung die Technik akzeptiert und sie funktionstüchtig hält. "Die Menschen können sich mit der Anlage identifizieren, weil sie durch Versammlungen und Abstimmungen in das Projekt mit einbezogen werden" resümiert Orlando Parodi vom Fraunhofer ISE. Das von der EU geförderte Projekt läuft noch ein Jahr. Wenn die Anlagen in den Pilotdörfern Erfolg haben, entwickeln Fraunhofer ISE und Firmen die Technologie weiter. Gesundheitsbehörden in Lateinamerika zeigen großes Interesse.

Informationsmaterial:

Presse und Public Relations, Fraunhofer ISE
Tel. +49 (0) 7 61/45 88-1 50, Fax +49 (0) 7 61/45 88-3 42
e-mail: info@ise.fhg.de

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Projekt: Dipl.-Ing. Orlando Parodi, Fraunhofer ISE
Tel. +49 (0) 7 61/45 88-2 81, Fax +49 (0) 7 61/45 88-2 17
e-mail: orlando.parodi@ise.fhg.de

Pressearbeit:
Dr. Klaus Heidler, Solar Consulting
Tel. +49 (0) 7 61/70 72 53-0, Fax +49 (0) 7 61/70 72 53-1
e-mail: info@solar-consulting.de
uniprotokolle > Nachrichten > Saubere Energie für sauberes Wasser

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/47575/">Saubere Energie für sauberes Wasser </a>