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HRK-Präsident zieht Jahresbilanz: Höhe der staatl. Investitionen in "Privatuniversitäten" bedenklich

24.02.1999 - (idw) Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Dr. Klaus Landfried, hat im Rahmen seines Jahresberichts vor dem 187. HRK-Plenums am 22./23. Februar in Bonn betont, dass die Wissenschaft in Deutschland es trotz aller Anstrengungen bislang zu wenig verstanden habe, ihre Leistungen für die Sicherung der Zukunft des Landes der allgemeinen Öffentlichkeit klar zu machen. Die Hochschulen hätten hier eine Bringschuld gegenüber Öffentlichkeit und Politik. In diesem Zusammenhang begrüßte er die Initiative des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft "Public Understanding of Science", aus der in diesem Jahr ein Aktionsprogramm hervorgehen soll.

Besorgt zeigte sich Landfried über die umfangreiche finanzielle Förderung einiger neugegründeter sogenannter "Privatuniversitäten" durch einige Bundesländer, begleitet von Mittelkürzung und Personalabbau an staatlichen Hochschulen, die 98 Prozent aller Studierenden in Deutschland ausbilden. Private Einrichtungen würden von den staatlichen Hochschulen durchaus als belebende Elemente der Hochschullandschaft mit Möglichkeiten zur Erprobung innovativer Organisationsmodelle begrüßt.

"Die äußerst geringen Studierendenzahlen werfen aber die Frage nach der Verhältnismäßigkeit von Aufwand und Ertrag auf, wenn Landesregierungen enorme Summen in diese Hochschulen investieren, gleichzeitig aber ihren staatlichen Einrichtungen Personal und Mittel entziehen. Wie kann man eine Hochschulpolitik nachvollziehen, wenn Länder, die ein Verbot von Studiengebühren im Hochschulrahmengesetz fordern, gleichzeitig von den geplanten Studierendenzahlen her kleine "private" Hochschulen mit Investitionsmitteln für den Aufbau einer mittelgroßen Universität unterstützen und ihnen jährliche Studiengebühren von bis zu 20.000 DM erlauben, die sie ihren eigenen Landeskindern sogar voll zu erstatten versprechen? Auch für den laufenden Betrieb sind Subventionen aus Steuermitteln nicht auszuschließen.

Derartige Subventionen sind jedoch nur dann zu rechtfertigen, wenn entweder die private Einrichtung besondere Angebote macht, die staatlich getragene Hochschulen nicht machen und insoweit einen öffentlichen Nutzen erbringen, oder wenn die Ausbildung an der privaten Einrichtung pro Absolvent kostengünstiger ist als an der staatlichen. In keinem der mir bekannten Projekte ist dies jedoch der Fall. Diese Entwicklung kann in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Hochschulen führen, die jegliche Rücksicht auf Leistungsfähigkeit der Einrichtungen und finanzielle Leistungsmöglichkeiten der Studierenden und ihrer Eltern vermissen lassen wird", erklärte der HRK-Präsident. Auch deshalb sei es eine vordringliche Aufgabe des Jahres 1999, eine grundlegende Neuordnung der individuellen Studienförderung (BAföG) zu erreichen.


Den Jahresbericht finden Sie ab 25. 2. im Internet.
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