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Nach der Delle: Fortsetzung des Aufschwungs

26.02.1999 - (idw) Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Essen, den 25. Februar 1999
Freigegeben für die Ausgabe vom 1. März 1999
Nach der Delle: Fortsetzung des Aufschwungs
Auftragseingänge und andere Indikatoren signalisierten in den vergangenen Monaten eine kon-junkturelle Abschwächung. Auch wir sehen aufgrund der Asienkrise eine Nachfragedelle; sie dürfte aber eher moderat ausfallen und bereits im Frühjahr dieses Jahres überwunden sein. We-sentlich sind die 1999/2000 anhaltend vorteilhaften fundamentalen Rahmenbedingungen: Die Zinsen sind auf einem historischen Tief, die Inflation scheint eingedämmt, der moderate Kurs der Lohnpolitik dürfte anhalten, und die Konsolidierung der Staatsfinanzen kommt weiter gut voran. Zudem stellt sich das weltwirtschaftliche Umfeld - wie in unserem Bericht zur internationalen Konjunktur ausgeführt - günstiger dar, als noch zur Jahreswende allgemein befürchtet. Damit werden die deutschen Exporte zunehmend wieder stärker, im Jahresverlauf immerhin um mehr als 5 vH.
Entsprechend schätzen wir die deutsche Konjunktur nach wie vor als robust ein. Zwar wird die Expansion 1999 wegen der Dämpfung von Export- und Investitionsnachfrage zunächst verhalten ausfallen. Im weiteren Jahresverlauf überwiegen wegen der günstigen Rahmenbedingungen (s.o.) aber wieder die relativ starken Auftriebskräfte. Insgesamt wächst das BIP 1999 um 2,8 vH -
0,5 vH-Punkte schwächer als im vergangenen Jahr erwartet. 2000 wird sich der Aufschwung fe-stigen. Zum einen expandiert die Ausfuhr mit der Erholung der Weltkonjunktur rascher. Zum anderen profitiert die Binnennachfrage weiter von dem günstigen monetären und wirtschaftspoli-tischen Umfeld. Insgesamt erwarten wir eine Steigerung des BIP um 3,2 vH. Das Wachstum ist damit so stark, daß die Zahl der Beschäftigten ausgeweitet wird, die der Arbeitslosen sich 1999 auf 4 Mill. (Quote: 10,5 vH) und 2000 auf 3,6 Mill. (9,6 vH) verringert. Der Preisanstieg bleibt moderat.
Das Risiko einer Abschwächung der Weltkonjunktur über das erwartete Ausmaß hinaus ist nicht gering, auch könnten erneut Finanzmarktturbulenzen - mit der Folge weiterer Wachstumseinbu-ßen - ausbrechen. Eine Verdeutlichung der im Grunde günstigen Rahmenbedingungen würde der Labilität der Konjunkturerwartungen entgegenwirken. Zudem hätten sowohl Geld- als auch Fi-nanzpolitik - international koordiniert - hinreichend Spielraum, gegenzuwirken, sollten neue Kri-sen auftreten.

Ungeachtet solcher Risikoüberlegungen sollte sich die Wirtschaftspolitik in Deutschland nicht an der kurzfristigen Nachfragedelle, sondern vielmehr an der konjunkturellen Grundtendenz und den nach wie vor bescheidenen Mittelfristperspektiven orientieren. Vor dem Hintergrund der noch hohen Arbeitslosigkeit ist die Lohnpolitik weiterhin am Beschäftigungsziel auszurichten, zumal die Entlastung des Arbeitsmarkts auch auf arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zurückzuführen ist. Sollen die Lohnabschlüsse in der hier angenommenen Größenordnung bleiben (2 ½ vH für 1999), müssen die künftigen niedriger ausfallen als die im Metallbereich. Die Geldpolitik dürfte sich nach der Leitzinssenkung von Anfang Dezember abwartend verhalten (s.o.). Von der Finanzpoli-tik gehen unter Berücksichtigung der angekündigten Reformen zur Unternehmensbesteuerung und zum Familienleistungsausgleich leichte Impulse auf Wachstum und Beschäftigung aus; für das kommende Jahr zeichnet sich eine Defizitquote von lediglich 1 ¼ vH ab. Angesichts dessen sollte nicht aus dem Auge verloren werden, daß eine Politik, die weiterhin vorrangig auf die De-fizitrückführung ausgerichtet ist, auf Spielräume für eine Steigerung der (Infrastruktur-) Investi-tionen und eine Senkung der Abgaben verzichtet.

(aus: RWI-Konjunkturberichte)

Ihre Ansprechpartner zu dieser Veröffentlichung: Dr. Elke Schäfer-Jäckel, Tel.: -296
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: -292
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