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Magdeburger Wirtschaftswissenschaftler untersuchten Verhalten ost- und westdeutscher Studierender

26.02.1999 - (idw) Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Ergebnisse im international renommierten Wirtschaftsjournal veröffentlicht!

Wirtschaftswissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben in Experimenten, die bereits 1996 an ost- und westdeutschen Universitäten durchgeführt wurden, erhebliche Verhaltensunterschiede zwischen westdeutschen und ostdeutschen Versuchspersonen festgestellt. Die Ergebnisse sind nun in der letzten Ausgabe des renommierten Journal of Public Economics* veröffentlicht worden.

Bei ökonomischen Experimenten wird grundsätzlich um reales Geld gespielt, d.h. die Versuchspersonen treffen unter kontrollierten Bedingungen Entscheidungen, die für sie direkte monetäre Konsequenzen haben. Professor Joachim Weimann und Dr. Axel Ockenfels von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Magdeburger Universität benutzten zwei verschiedene experimentelle Anordnungen mit insgesamt 280 Versuchsteilnehmern. Bei der ersten galt es, ein sogenanntes Kooperationsproblem zu lösen. Jeder Versuchsteilnehmer mußte entscheiden, ob er seine eigene Auszahlung auf Kosten der Gruppe maximieren will oder ob er dazu beiträgt, daß die Auszahlung an die Gruppe möglichst groß wird. Bei der zweiten Anordnung - dem Solidaritätsspiel - konnte jeder von drei Gruppenmitgliedern einen Geldbetrag gewinnen. Zuvor mußten sie angeben, wieviel sie in dem Fall, daß sie gewinnen, an diejenigen Gruppenmitglieder abgeben wollten, die den Geldbetrag nicht gewonnen haben. Alle Versuche wurden anonym durchgeführt, d.h. die Teilnehmer wußten nicht, mit wem sie eine Gruppe bildeten.

Die Ergebnisse waren überraschend. Es zeigte sich nämlich, daß die ostdeutschen Versuchspersonen deutlich weniger bereit waren, auf den eigenen Vorteil zugunsten der Gruppe zu verzichten oder als Gewinner im Solidaritätsspiel an potentielle Verlierer etwas abzugeben. Dieses Ergebnis ist deshalb überraschend, weil man eigentlich erwartet wurde, daß sich die in einem sozialistischen System aufgewachsenen Versuchspersonen kooperativer und solidarischer verhalten als ihre westdeutschen Kollegen. Allerdings weisen die Magdeburger Wissenschaftler ausdrücklich darauf hin, daß bei der Interpretation dieser Resultate Vorsicht geboten ist. So konnten sie beispielsweise feststellen, daß im Osten wie im Westen das Verhalten der Versuchspersonen den Erwartungen entsprach, die diese über das Verhalten der jeweiligen anderen Teilnehmer hatten. Das bedeutet, daß es offenbar zur Entwicklung unterschiedlicher Fairnessnormen gekommen ist, an denen gemessen sich beide Gruppen fair verhalten haben. Warum diese Normen unterschiedlich ausfielen, darüber kann man bisher nur spekulieren.

Kürzlich in Magdeburg durchgeführte Experimente lassen im übrigen keinen Unterschied zu Resultaten an anderen Orten mehr erkennen, so daß die Vermutung naheliegt, daß es sich bei der Beobachtung (Untersuchungen aus dem Jahre 1996) um ein mittlerweile überwundenes Nach-Wende Phänomen gehandelt hat.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Joachim Weimann, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Universitätsplatz 2, 39016 Magdeburg, Tel.: 0391-67-18547, Fax: 0391-67-12971, Email: Joachim.Weimann@ww.uni-magdeburg.de
Dr. Axel Ockenfels, gleiche Anschrift, Tel.: 0391-67-12197

*Axel Ockenfels, Joachim Weimann: Types and Patterns: An Experimental East-West Comparison of Cooperation and Solidarity, Journal of Public Economics, 71, (1999), 275-287.
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