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Universitätspräsident Theodor Berchem lieferte Jahresbericht

02.03.1999 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

"Die Armen würden nur noch ärmer und gar keiner reich. Es darf nicht verkannt werden, dass eine leistungs- und belastungsbezogene Mittelverteilung erst dann stattfinden kann, wenn die Grundversorgung der einzelnen Lehrstühle bzw. Institute gesichert ist. Dazu zählt insbesondere die Literaturversorgung, die ohne eine Basis-Ausstattung nicht gewährleistet ist". Dies sagte Universitätspräsident Prof. Dr. Theodor Berchem in einem Pressegespräch zum Jahresbericht der Universität.

Der Präsident legte in der vergangenen Woche - zum 22. Male - den im Bayerischen Hochschulgesetz geforderten Jahresbericht vor, erstmals - entsprechend den Bestimmungen des neuen Hochschulgesetztes - nicht mehr vor der Versammlung, sondern vor dem Senat der Universität. Der Bericht umfasst den Zeitraum vom 1. Oktober 1997 bis zum 30. September 1998.

Prof. Berchem ging weiter auf die vom neuen Gesetz geforderte "leistungs- und belastungsbezogene Mittelverteilung" ein und betonte, dass die Grundversorgung gerade der geisteswissenschaftlichen Fächer im Vergleich zu den Naturwissenschaften sowieso nur minimalen Anforderungen genüge. Wenn in einem Fach aber nur eine Minimalversorgung gegeben ist, sehe er wenig Raum, eine durchgreifende leistungs- und belastungsbezogene Mittelverteilung überhaupt vornehmen zu können.

Das neue Gesetz sieht auch die Einführung eines Hochschulrates vor. Unbeschadet seiner grundsätzlichen Vorbehalte habe er mit Datum vom 12. Januar 1999 Staatsminister Zehetmair einen vom Präsidium einstimmig verabschiedeten Vorschlag unterbreitet. Mit Datum vom 8. Februar 1999 habe sich der Minister diesen Vorschlag zu eigen gemacht und folgende Persönlichkeiten zu Hochschulräten der Alma Julia bestellt:

Dr. h.c. Michael Klett, der der Universität seit mehr als 15 Jahren eng verbunden ist, habe durch intensive Zusammenarbeit dauerndes Interesse an ihren Belangen gezeigt. Zehn Wissenschaftssymposien, die er aktiv mitgestaltet und überdies noch finanziert hat, bezeugten dies nachdrücklich. Klett sei ein Mann der Wirtschaft, der einem weltweit operierenden Unternehmen vorsteht. Er habe bewiesen, dass es ihm um die Sache und nicht um einen zusätzlichen Posten geht, "was im übrigen für unseren gesamten Hochschulrat gilt. Dieses Kriterium war uns bei der Findung sehr wichtig", sagte der Präsident.

Dr. Dieter Salch sei national und international als Unternehmer im Steuerwesen tätig, Geschäftsführer einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in Würzburg und gleichzeitig in mehreren Aufsichtsräten, Beiräten und Verwaltungsräten von Wirtschaftsunternehmen tätig. Auch er begleite seit vielen Jahren die Universität ideell und materiell mit größtem Wohlwollen.

Mit Dr. Kurt Reumann habe man einen Medienexperten ersten Ranges gewinnen können. Reumann sei seit Jahrzehnten einer der führenden Hochschulspezialisten im Bereich der Presse. Er ist seit 1970 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zuständig für allgemeine Bildungspolitik, Hochschulen und Wahlanalysen. Er habe mehrere Rufe auf C 4-Professuren, beispielsweise an die FU Berlin oder die Universität Mainz, abgelehnt.

Prof. Dr. Reimar Lüst sei einer der angesehensten Astrophysiker. Er ist seit 1989 Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Im Laufe seiner wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Laufbahn habe Lüst eine Reihe von Positionen im nationalen und internationalen Wissenschaftsbereich innegehabt. Er war unter anderem Wissenschaftlicher Direktor der European Space Research Organisation und deren Vizepräsident, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft und Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Prof. Dr. Karl-Heinz Pollok, Slavist, ist langjähriger bayerischer Hochschulpräsident gewesen, viele Jahre auch als Vertreter und Sprecher der bayerischen Hochschulen im nationalen und internationalen Rahmen und "weiß bestens darüber Bescheid, wie eine Universität in ihrem Binnenleben ausschaut". Er war u. a. Rektor in Regensburg sowie mehrere Jahre Vorsitzender der Bayerischen Rektorenkonferenz und der Bayerischen Hochschulplanungskommission beim Wissenschaftsministerium.

In seinen weiteren Ausführungen ging der Präsident auf die Studierendenzahlen ein. Seit 1993 seien diese bundesweit etwa um drei Prozent, in den alten Ländern um etwas über 8,4 Prozent zurückgegangen. Die Entwicklung der Studierendenzahlen in Bayern sei an den Universitäten unterschiedlich. Während - vorliegenden Zahlen nach - die Universität München seit dem Wintersemester 93/94 bis zum laufenden Wintersemester nur etwa 2.600 Studierende oder rund 2,5 Prozent verloren habe, reiche die Spanne bis zu einem Verlust von fast einem Viertel der Studenten in Erlangen, wo die Zahl seit dem WS 93/94 von 27.435 auf 21.072 in diesem Semester gefallen sei. Prozentual hohe Verluste an Studierenden hätten in diesem Zeitraum auch die Universitäten Augsburg (16 Prozent), Bayreuth (14 Prozent), die TU München (16 Prozent) und die Universität Passau (15 Prozent) hinnehmen müssen, während die Rückgänge in Würzburg (9 Prozent), Bamberg (8 Prozent) und Regensburg (6 Prozent) deutlich geringer ausgefallen seien.

Für die Universität Würzburg sei die Entwicklung der Zahlen im Hinblick auf Studienanfänger von großer Bedeutung. Während an den bayerischen Universitäten die Zahl der Studienanfänger seit 1996 - wenn auch langsam - wieder ansteige, gehe in Würzburg die Zahl der Anfänger kontinuierlich zurück, seit dem Wintersemester 1993/94 um 16 Prozent auf 1.938 in diesem Wintersemester. Nur Erlangen habe in Bayern einen größeren Rückgang zu verzeichnen, der auch jetzt noch anhalte, nämlich um rund 19 Prozent auf 2.503 Studienanfänger.

Alle anderen Universitäten in Bayern - mit Ausnahme von Augsburg und München - verzeichneten in den vergangenen Jahren niedrigere Studienanfängerzahlen, hätten sich aber inzwischen stabilisieren beziehungsweise einen Aufschwung nehmen können. Allen voran die TU München, die seit dem Wintersemester 1993/94 und einem zwischenzeitlichen Abschwung nun auf 16 Prozent mehr Studienanfänger (WS 98/99 deren 3.216) blicken kann. Stabilisiert haben sich auch Regensburg und Bamberg, während Bayreuth und Passau sich zumindest leicht im Aufschwung befänden.

Präsident Prof. Berchem warnte davor, in diesem Zusammenhang, voreilige Schlüsse zu ziehen, wenngleich er auch keine Erklärung für diese Entwicklungen habe. Angesichts insgesamt steigender Erstsemesterzahlen an den bayerischen Universitäten müsse man sich "in Würzburg aber sehr ernsthaft die Frage stellen, woran es liegen könnte, dass sich Erstsemester unsere Universität offensichtlich weniger für ihren Studienbeginn aussuchen als andere Universitäten. Da zudem die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester auch deutlich rückläufig ist, müssen wir die Gründe für eine offensichtlich abnehmende Attraktivität unserer Universität in diesen Bereichen erforschen. Würzburg könne im Verhältnis zu seiner Größe eine unverhältnismäßig gut entwickelte Forschung aufweisen, im Hinblick auf die Studienzeiten mit sehr guten Plätzen aufwarten, die "Wohnungssituation für Studierende ist ohne Zweifel so gut wie anderswo", erklärte Prof. Berchem, "und Würzburg ist eine der schönsten Universitätsstädte in Deutschland". Die Frage, warum trotzdem immer weniger Erstsemester nach Würzburg kommen, sei für die Universität, "sollte der Trend anhalten, von existentieller Bedeutung."

Für das Sommersemester wird die Zahl der eingeschriebenen Studierenden in Würzburg, unabhängig vom normalen Rückgang vom Winter- zum Sommersemester, ein Minus von rund 1.800 erfahren. Die Gründe dafür liegen in den Studiengebühren, die laut Gesetz ab Sommersemester 99 für ein Zweitstudium erhoben werden müssen und in der Vorgabe für Promotionsstudenten, nach drei Jahren ihre Promotion abzuschließen.

Rund 1.600 Zweitstudierenden wurde schriftlich mitgeteilt, dass sie künftig Studiengebühren bezahlen müssen. Ihnen wurde eine Frist eingeräumt, einen Antrag auf Befreiung zu stellen und die Rückmeldefrist verlängert. 440 Studierende hätten inzwischen Antrag auf Freistellung von den Studiengebühren aus wichtigen beruflichen Gründen gestellt. Knapp 250 Anträge seien noch offen und die Studentenabteilung prüfe jetzt in jedem Einzelfall gemäß den Kriterien, die inzwischen vom Ministerium vorgegeben worden sind. Übrig bleibe, dass gut tausend Studierende, die an der Universität für ein zweites Studium eingeschrieben waren, dies nach Einführung der Gebühren offensichtlich in Würzburg nicht fortsetzen wollen.

Die Zahlen bei den Promotionsstudenten liegen etwas niedriger. Von dem neuen Sachverhalt aufgrund des Hochschulgesetzes wurden 1.300 schriftlich informiert. Etwa 500 mit sieben und mehr Promotionssemestern hätten sich inzwischen unter Vorlage entsprechender Bescheinigungen ihrer Doktorväter zurückgemeldet. Die restlichen 800 Promotionsstudenten würden sich nicht mehr einschreiben, was aber nicht automatisch heißen müsse, dass sie nicht weiterpromovieren.

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