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Pflanzenwissenschaftler blasen zum "Lauschangriff"

04.03.1999 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der Einsatz neuer Methoden und einer neuen Generation von hochauflösenden Meßverstärkern erlaubt den "Lauschangriff" auf einzelne Zellen innerhalb des Bioreaktors Pflanze: Die Vorträge von Doktoranden innerhalb des "Rhein-Main-Botaniker Kolloquiums" am 5. März 1999 werden nicht von der Botanisiertrommel geprägt, vielmehr umspannt deren Pflanzenforschung ein weites Spektrum von aktuellen Teildisziplinen, die von der Ökologie bis hin zur Biophysik reichen.

Zu der Tagung im Biozentrum der Universität Würzburg, die nahezu alle Facetten dieses Faches wiederspiegelt, haben sich rund 150 Doktoranden der beteiligten Botanischen Institute der Universitäten Darmstadt (TH), Frankfurt, Gießen, Heidelberg, Karlsruhe (TH), Mainz, Marburg und Würzburg angesagt. Die Tagung wird von Prof. Dr. Rainer Hedrich geleitet.

Derzeit wird weltweit versucht nicht nur das gesamte menschliche Genom aufzuklären, sondern auch das von Pflanzen. Der Bauplan ihres Lebens wird mit den Techniken der Molekularbiologie und mit Hilfe der Hochleistungscomputer der Bioinformatik entschlüsselt um Grundlagen für Wachstum und Ertrag aufzuklären. Es ist zu erwarten, daß sich die "grüne" Biotechnologie ähnlich rasant entwickelt wie derzeit die Computerbranche.

Mikroskopisch kleine elektrische Ströme geben Auskunft darüber, wie Pflanzen Reize wahrnehmen, verarbeiten und sich an die ständig ändernden Umweltbedingungen anpassen. Mit neuentwickelten Mikroskopen können einzelne Atome dargestellt und sortiert werden. Eine neue Welt biologischer Moleküle wird sichtbar. Umrisse von Molekülen können abgetastet und deren Änderungen in Echt-Zeit verfolgt werden. Hierdurch können zukünftig die Grundlagen lebenswichtiger Prozesse und Ursachen vieler Pflanzenkrankheiten aufgeklärt werden.

Ähnlich rasch schreitet der Kenntnisstand in der Ökologie voran. Die Ökologie als Wissenschaft vom Haushalt der Natur ist eine biologische Disziplin. Die Analyse der Artenzusammensetzung arktischer, gemäßigter und tropischer Ökosysteme und ihrer Reaktion auf globale Veränderungen liefert wichtige Grundlagen für politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse.

Neben der Physiologie fußen auch Ökologie und Artenschutz auf den Erkenntnissen der klassischen und zunehmend der molekularen Genetik. Die Evolutionsbiologie kann Vorhersagen machen über den Erfolg geplanter Züchtungen von widerstandsfähigen, neuen Arten. Dieses Ziel wird beispielsweise durch Genverpflanzung oder Rückkreuzung mit "alten" Verwandten erreicht. Wie bei der Gentherapie, die zur Behandlung von tödlichen Erbkrankheiten erwogen wird, muß im Zeitalter der "Gentomate" die Freisetzung von genetisch veränderten Pflanzen von allen Seiten betrachtet und abgewogen werden. Hierzu benötigen Pflanzenwissenschaftler neben einer kritischen Einstellung fundierte Kenntnisse der physikalisch-chemischen Grundlagen des Faches.
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