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Bereitschaftspraxis Münchener Ärzte im TU-Klinikum rechts der Isar

08.03.1999 - (idw) Technische Universität München

Seit 1. Oktober 1998 betreiben niedergelassene Allgemeinärzte im Klinikum rechts der Isar der TU München die "Bereitschaftspraxis Münchener Ärzte". Die Praxis ist montags, dienstags und donnerstags von 19 bis 23 Uhr, mittwochs und freitags bereits ab 14 Uhr, am Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 23 Uhr geöffnet. Die in einer GmbH zusammengeschlossenen niedergelassenen Ärzte übernehmen von der chirurgischen Poliklinik Patienten mit geringfügigen Verletzungen oder Beschwerden und von der medizinischen Notaufnahme des Klinikums Patienten, die dort ohne Überweisungsschein vorsprechen. In den ersten drei Monaten haben 2446 Patienten die Leistungen der Bereitschaftspraxis in Anspruch genommen.

Im TU-Klinikum rechts der Isar hatten der Ärztliche Direktor Univ. Prof. Dr. Jörg R. Siewert und der Verwaltungsdirektor Claus Thaller die Weichen für die Einrichtung "Bereitschaftspraxis Münchener Ärzte" gestellt. Niedergelassene Ärzte behandeln Patienten mit allgemeinärztlichen Beschwerden in (vorerst mietfrei) zur Verfügung gestellten Räumen inmitten des TU-Klinikums rechts der Isar. Bei den Ärzten der Bereitschaftspraxis handelt es sich um erfahrene und qualifizierte Hausärzte, die sich in einer GmbH zusammengschlossen haben. Die Ausstattung der Räumlichkeiten haben sie selbst finanziert.

Die Direktion des TU-Klinikums rechts der Isar verfolgt mit der bislang einmaligen Einrichtung zwei Ziele. Einmal sollen Hausärzten diejenigen Patienten wieder zurückgeführt werden, die nach der Natur ihrer Beschwerden von diesen selbst versorgt werden können. Insbesondere an Wochenenden und in den frühen Nachtstunden, wenn Arztpraxen üblicherweise geschlossen sind, suchen Patienten nämlich regelmäßig die Ambulanzen des TU-Klinikums rechts der Isar auf. Das hier vorgehaltene hochqualifizierte Personal und die hochtechnisierten Einrichtungen sind aber erfahrungsgemäß für einen großen Teil dieses Patientenkreises zur adäquaten Behandlung gar nicht erforderlich. Zum zweiten ist es der Versuch, auf diese Weise das beträchtliche Defizit im Bereich der universitären Notfallversorgung zu minimieren. Mit Schuld an dem Defizit sind die Krankenkassen, von denen diese Leistungen nicht kostendeckend erstattet werden. Von dem seit Oktober 1998 praktizierten Modell verspricht sich das TU-Klinikum hier eine gewisse Entlastung.

Die Vorteile des "Münchener Modells" liegen auf der Hand: Den niedergelassenen Ärzten der "Bereitschaftspraxis Münchner Ärzte" stehen alle Einrichtungen des Klinikums rechts der Isar abrufbereit zur Verfügung, einschließlich der Möglichkeit zur stationären Aufnahme. Alle technischen Voraussetzugen für Untersuchungen wie EKG, Sonographie und Doppler-Sonographie sind gegeben; ein spezielller Raum ist für die "Kleine Chirurgie" ausgestattet. Hingegen werden Röntgen- und Laboruntersuchungen sowie Großgeräteleistungen (wie z.B. CT) vom Klinikum durchgeführt. In Deutschland ist dieses Modell bisher ohne Vorbild.

Die ersten Erfahrungen nach dreimonatigem Betrieb sind durchaus positiv zu bewerten: Das Patientenaufkommen hat sich in den beiden Ambulanzen halbiert. Um eine deutliche Kostensenkung zu erreichen, muß dieses Projekt weiter ausgebaut werden.

Die anfangs befürchteten Berührungsängste zwischen den Klinikärzten und den niedergelassenen Kollegen sind völlig ausgeblieben. Von Anfang an hat sich eine sehr kollegiale Zusammenarbeit entwickelt. Um den hohen Qualitätsanforderungen des Klinikums gerecht zu werden, haben die Bereitschaftsärzte ein gut organisiertes Qualitätsmanagement aufgebaut. Der Ärztekreis soll als zertifizierter Qualitätszirkel anerkannt werden. Entsprechend dem Grundsatz der Bereitschaftspraxis "ambulant vor stationär" konnten 90 Prozent der Patienten direkt von den Hausärzten versorgt werden, lediglich bei zwei Prozent war eine stationäre Einweisung erforderlich. Die restlichen acht Prozent wurden an Spezialeinrichtungen des Klinikums verwiesen. Bei den Patienten hat das neue Angebot großen Anklang gefunden. Sehr positiv bewerteten sie die kürzeren Wartezeiten und das patientenorientierte Gespräch.

Neben der Patientenversorgung wird die allgemeinärztliche Bereitschaftspraxis seit dem Wintersemester 1998/99 auch in die Ausbildung von Medizinstudenten mit einbezogen. Durch (vorerst freiwillige) Hospitationen eröffnet sich Studenten eine ganz neue Möglichkeit, Patienten, die normalerweise in einer niedergelassenen Praxis vorsprechen und damit die spezifische Tätigkeit eines Allgemeinarztes kennenzulernen. Als besonderer Vorteil erweist sich hierbei die ideale Relation: ein Arzt - ein Patient - ein Student. Im abgelaufenen Wintersemester 1998/99 haben 85 Prozent der Studierenden von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Für eine zuverlässige wirtschaftliche Bewertung des Modells ist der Auswertungszeitraum von drei Monaten zu kurz. Es ist zwar festzustellen, daß sich der Rückgang der Sachleistungen infolge der Übernahme von Patienten durch die Bereitschaftspraxis positiv auswirkt. Angesichts der Tatsache, daß im Bereich der Ambulanzen jährlich Verluste in zweistelliger Millionenhöhe entstehen, ist es aus der Sicht der Klinikumsdirektion unabdingbar, das Modell fortzuentwickeln, z.B. durch eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxis und der Eingliederung weiterer Fachrichtungen. Nur durch die Einsparung von Personalkosten - die Mitarbeiter des Klinikums werden sowohl in der stationären Versorgung als auch im Lehr- und Forschungsbetrieb dringend benötigt - läßt sich eine größere Wirtschaftlichkeit der Polikliniken erzielen. Dazu bedarf es struktureller Veränderungen, um den vom Gesetzgeber definierten Zielvorstellungen einer engeren Verzahnung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung Rechnung zu tragen.

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