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Vor 100 Jahren startete die erste deutsche Turfanexpedition

01.08.2002 - (idw) Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Eine internationale wissenschaftliche Tagung in Berlin und eine Ausstellung im Museum für Indische Kunst erinnern an die legendären Expeditionen nach Zentralasien und präsentieren aktuelle Forschungsergebnisse
Tagung: 9. bis 13.9.2002
Ausstellung: 10.9.2002 bis 5.1.2003

Im Winter 1902 startete die erste von insgesamt vier wissenschaftlichen Forschungsexpeditionen des damaligen Museums für Völkerkunde in die Oase von Turfan und andere Regionen des Tarimbeckens (heute VR China, Autonome Uigurische Provinz Xinjiang). Neben vor Ort durchgeführten und sorgsam protokollierten Untersuchungen brachten die von A. Grünwedel und A. v. Le Coq von 1902 bis 1914 geleiteten Expeditionen Tausende von Kunstobjekten und Zehntausende von Textfragmenten nach Berlin.

Eine internationale wissenschaftliche Tagung 'Turfan Revisited - The First Century of Research into the Arts and Cultures of the Silk Road' vom 9. bis 13. September 2002 in Berlin, veranstaltet vom Akademienvorhaben Turfanforschung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Museum für Indische Kunst - Staatliche Museen zu Berlin und der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz erinnert an dieses herausragende Ereignis und stellt neue Ergebnisse der Turfanforschung aus unterschiedlichen orientalistischen Fachgebieten vor.
Prof. Dr. Volker Gerhardt, Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eröffnet die Tagung am 9. September 2002 um 9 Uhr im Museum für Indische Kunst, Lansstr. 8 (Großer Vortragssaal), zu der mehr als 120 namhafte Fachexperten aller Kontinente erwartet werden. Eingeladen zur Eröffnung der Tagung sowie zur sie begleitenden Ausstellung sind auch die Botschafter jener Staaten, die sich heute entlang der alten Seidenstraßen erstrecken bzw. in denen sich Zentren der Turfanforschung befinden.

Die Ausstellung "100 Jahre Turfanexpeditionen - Kunst und Kulturen der Seidenstraße - eine Dokumentation" im Museum für Indische Kunst (10. September 2002 bis 5. Januar 2003) informiert über die Geschichte der vier preußischen Turfanexpeditionen und widmet sich einer Reihe philologischer und kunsthistorischer Schwerpunkte. So werden die Verbreitung des 'Goldglanzsutra', eines wichtigen Textes des Mahâyâna-Buddhismus, dokumentiert und Materialien gezeigt, die von Wörterbucharbeit und Glossierung in den alten Schreibstuben Zeugnis ablegen. Daneben werden Originale gezeigt, so u.a. ein oktagonaler buddhistischer Tempel, deren Fundsituation entweder an Hand von in situ-Fotos oder in alten Fundlisten belegt ist. Die Ausstellung wird von Prof. Dr. Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin ebenfalls am 9. September 2002 um 19 Uhr in der Sonderausstellungshalle des Museums, Takustr. 40 (Büroeingang) eröffnet.

Die Erforschung der durch die Turfanexpeditionen nach Deutschland gelangten Kunstobjekte und Textfragmente begann mit dem Eintreffen der Funde. Erste Ergebnisse wurden bereits 1904 in den Abhandlungen der Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin vorgestellt. Die sensationellen Entdeckungen, von neuen Schriften und Sprachen bis zu herausragenden Kunstwerken, wurden Ausgangspunkte neuer orientalistischer Philologien und ermöglichten neue Erkenntnisse über die Wander- und Austauschwege von Kunststilen, Weltreligionen und Erzählstoffen von West nach Ost und von Ost nach West über die vorwiegend kommerziell genutzten Handelsstraßen in dem Jahrtausend von ca. 400 bis 1400. Sie begeisterten nicht nur Kunstbeflissene und Liebhaber, sondern beflügelten auch Orientalisten, Historiker, Religions- und Kunstwissenschaftler. Durch sie wurden die alten Kulturen Zentralasiens entlang den Seidenstraßen Aufgabe und Ziel intensiver internationaler Forschung. Die Kunstobjekte, wie Wandmalereien, Skulpturen oder Papier- und Textilmalereien sind heute im Museum für Indische Kunst der Öffentlichkeit zugänglich.

Einem Beschluss des Preußischen Unterrichtsministeriums von 1912 folgend wurde die Mehrzahl der während der Turfanexpeditionen geborgenen Textfragmente der Berliner Akademie zur Bearbeitung übergeben. Seither ist sie Eigentümerin dieser Turfan-Sammlung. In Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften trägt die Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin die Verantwortung für deren Bewahrung, Verwaltung und Betreuung.
Vor diesem historischen Hintergrund liegt es auf der Hand, daß die drei heute für die Bewahrung und Erschließung dieses bedeutenden kulturellen Welterbes zuständigen Institutionen den einhundertsten Jahrestag der Turfanexpeditionen gemeinsam begehen, ihre Aktivitäten bündeln und der Fachwelt wie der Öffentlichkeit im internationalen Rahmen präsentieren.

Die Tagung selbst wird die Forschungsgeschichte reflektieren und zugleich ein Spiegelbild des bis heute erreichten Forschungsstandes sein. Es sind Beiträge über neue Grabungen und Entdeckungen angekündigt. Kunstwissenschaftler werden über neue Ansichten zur Stilgeschichte oder die Verknüpfungen zwischen den alten Kunstzentren Zentralasiens berichten. Die Arbeit an der Edition und Katalogisierung der Texte wird Gegenstand der orientalistischen Einzeldisziplinen (Indologie, Iranistik, Turkologie, Tocharologie, Sinologie etc.) sein. Neue Wege der Konservierung und digitalen Text- und Bildverarbeitung werden diskutiert. Zu erwarten sind wichtige Impulse auf diesen weitverzweigten Gebieten sowie eine Ausweitung der internationalen Kooperation.
Die Beiträge werden in einem Tagungsband publiziert werden.


Veranstaltungsorte und -zeiten:

Die Tagung 'Turfan Revisited - The First Century of Research into the Arts and Cultures of the Silk Road' findet vom 9. - 13. September 2002 an folgenden Orten statt:

Montag, 9. September 2002 und Dienstag, 10. September 2002, 9 bis 18 Uhr: Museum für Indische Kunst, Großer Vortragssaal, Lansstraße 8 (Haupteingang)

Mittwoch, 11. September 2002, 9 bis 12 Uhr; Donnerstag, 12. September 2002 und Freitag, 13. September 2002, 9 bis 18 Uhr: Museum für Indische Kunst, Sektion I: Großer Vortragssaal, Lansstraße 8 (Haupteingang); Sektion II: Kleiner Vortragssaal, Takustr. 40 (Büroeingang).

Mittwoch, 11. September 2002, 14.30 bis 18 Uhr: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Leibniz-Saal, Eingang: Markgrafenstraße 38 (Am Gendarmenmarkt), Berlin-Mitte.


Die Ausstellung '100 Jahre Turfanexpeditionen - Kunst und Kulturen der Seidenstraße - eine Dokumentation' im Museum für Indische Kunst ist vom 10. September 2002 bis 5. Januar 2003 von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet.


Ausführliches Tagungsprogramm unter: www.bbaw.de/veran.html

Informationen:
- Akademienvorhaben Turfanforschung, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jägerstr. 22/23, D-10117 Berlin, Tel.: +49-30-20370 472, FAX: -467, email: zieme@bbaw.de
- Museum für Indische Kunst, Takustr. 40, D-14195 Berlin (Dahlem), Tel.: +49-30-8301 362, FAX: -502, email: mik@smb.spk-berlin.de
- Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Orientabteilung, Potsdamer Straße 33, D-10185 Berlin, Tel.: +49-30-266 2415, FAX: +49-30-264 5955, email: h-o.feistel@sbb.spk-berlin.de
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