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Impfung gegen Krebs bald Wirklichkeit?

19.03.1999 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Molekular- und gentherapeutische Methoden sollen klinische Diagnostik und Krebstherapie verbessern

Der Dickdarmkrebs (kolorektales Karzinom) stellt in Europa und den USA die zweithäufigste Tumorerkrankung dar. Sie führt bei rund der Hälfte der Erkrankten zum Tode. Statistisch gesehen kommen in unserer Region auf eine Million Menschen 700 Neuerkrankungen pro Jahr. Zwar konnten in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte in der Diagnose und Behandlung erzielt werden, doch noch immer sind zahlreiche Fragen zum Entstehen bestimmter genetischer Defekte und zur Bedeutung einzelner Umweltfaktoren ungeklärt.

An der Bonner Universität wurde vor rund zwei Jahren ein fakultätsinterner Verbund gegründet, der sich schwerpunktmäßig damit befaßt, wie der erbliche und der nicht erbliche Dickdarmkrebs entstehen, wie dies Wissen zur Diagnostik genutzt werden kann und wie molekular- und gentherapeutisch eine Behandlung entwickelt werden kann. Der Verbund kann nun erste vielversprechende Ergebnisse vorweisen. Innerhalb der medizinischen Fakultät sind die Humangenetik, die Innere Medizin, die Pathologie, die Chirurgie und die Klinische Pharmakologie an dem Verbund "Kolorektalkarzinom" beteiligt.

Man weiß, daß viele Krebsarten erblich bedingt sind, also durch einen Schaden an einem oder mehreren Genen hervorgerufen werden. Hinzu kommt noch die wesentlich größere Gruppe der Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine solche spontane Genschädigung erfahren. Meist sind sogenannte Reparaturgene betroffen, also solche, die normalerweise Schäden in relevanten Genen erkennen und reparieren. Kann eine solche spontane Veränderung nicht mehr behoben werden, pflanzt sie sich bei jeder weiteren Zellteilung fort und in einem Mehrschrittverfahren entsteht ein Tumor. Das Aufspüren der für eine Krebserkrankung relevanten Gene ist eine langwierige, schwierige Aufgabe, die weltweit betrieben wird und noch immer nicht abgeschlossen ist. Zu einer der führenden Gruppen zählen die Bonner Humangenetiker. Neben den genetischen Faktoren beeinflussen Umweltfaktoren, aber auch bestimmte Enzymaktivitäten das Entstehen von Krebs. Insbesondere der Dickdarmkrebs gehört zu diesen multifaktoriellen Erkrankungen.

Eine in Bonn verfolgte, mögliche Behandlungsmethode besteht in einer Tumorimpfung. Normalerweise werden Karzinomzellen vom Abwehrsystem des Körpers schlecht erkannt und deshalb nicht bekämpft. Einer der Gründe für diese Eigenschaft liegt darin, daß die körpereigenen Abwehrzellen, die Lymphozyten, zwei Signale benötigen, um einen "Feind" zu identifizieren. Dieser muß ein Antigen und einen Co-Stimulator, ein bestimmtes Molekül, aufweisen. Bei Tumorzellen kommt ein solcher Co-Stimulator jedoch nicht oder nur in sehr geringem Umfang vor. In Bonn werden nun Tumorzellen von Patienten, denen ein Dickdarmkarzinom operativ entfernt wurde, in Kultur gezüchtet und dort wird mittels gentherapeutischer Methode der fehlende Costimulator in die Krebszelle eingebracht. Die so behandelten Krebszellen werden dadurch für das Abwehrsystem des Körpers erkennbar. Bisher wird diese Technik nur im Labor eingesetzt. In absehbarer Zukunft ist geplant, diese Zellen dem Patienten als Impfung unter die Haut zu spritzen. So kann der Körper eine passende Immunantwort entwickeln. Sind beispielsweise trotz größter Sorgfalt bei der Operation einzelne Krebszellen durch die Blutbahn abgeschwemmt worden oder entwickelt der Patient erneut Krebs, so besitzt er dank der Impfung bereits körpereigene Abwehrzellen, die die Tumorzellen vernichten. Die Methode könnte sich damit zur Therapie und zur Prophylaxe eignen.

Auch im Diagnosebereich, dem dritten Schwerpunkt des Verbundes, konnten Neuerungen erarbeitet werden. Zwar benötigt man auch heute noch Proben des erkrankten Gewebes, um ein Karzinom sicher zu diagnostizieren, doch können mittlerweile abgelöste Einzelzellen z.B. im Blut-, Knochenmark oder Stuhl nachgewiesen werden. Von Tumorzellen weiß man, daß ihr genetischer Code, ihre DNA sich von der gesunder Zellen unterscheidet. Kann nun im Blut eines Patienten Tumor-DNA nachgewiesen werden, so ist dies ein Hinweis auf zirkulierende Karzinomzellen im Körper. Diese Technik zum Nachweis von Tumor-DNA ist im Bonner Verbund optimiert worden. Erst das frühzeitige Erkennen

ermöglicht eine schonende und effektive Behandlung.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Wolfgang Caselmann, Sprecher des Verbunds,
Tel.: 0228-287- 5511
e-mail: caselmann@uni-bonn.de
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