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Darmstadt Dribbling Dackels sind Deutsche Meister!

18.04.2002 - (idw) Technische Universität Darmstadt

Das Team der TU Darmstadt hat am 12.4.2002 in Paderborn die German Open im Roboterfußball (RoboCup) in der Liga der vierbeinigen Roboter mit einem 1 : 0 gegen das Team der Humboldt-Universität, Berlin, gewonnen.

Darmstadt Dribbling Dackels sind Deutscher Meister!
Fußballspielende Roboter des TUD-Teams mit neuer Lauftechnik erfolgreich
Die Darmstadt Dribbling Dackels haben die German Open im Roboterfußball (RoboCup) in der Liga der vierbeinigen Roboter gewonnen. Sie besiegten im Endspiel am 14. April 2002 in Paderborn das Team der Berliner Humboldt-Universität mit 1:0. Die Darmstädter Roboter werden am Fachbereich Informatik (Prof. von Stryk) programmiert. Im Spiel um den dritten Platz gewann das französische Team Les 3 Mousquetaires (Paris) mit 2:1 gegen die Bremen Byters.
Noch in der letzten Woche vor dem Turnier hatte sich das Darmstädter Team wenig Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden gemacht, da die Software-Entwicklungen weder komplett noch ausreichend getestet waren. Zudem waren dieses Jahr erstmals Spielfeld (auf 4,20 mal 2,70 Meter) und Mannschaften (auf vier Spieler) vergrößert worden. Mit den Teams aus Berlin, Bremen und Dortmund, mit denen das TUD-Team bei der WM die "Nationalmannschaft" bildet, war aufgrund der Erfahrungen der WM 2001 eine komplett neue, modulare und effektivere Architektur aufgebaut worden. Obwohl kaum Zeit zum Testen blieb und nicht ein einziges Probespiel stattfinden konnte, enthielten diese Entwicklungen ein großes Potential.
Natürlich ist das Darmstadt-Team mit dem Abschneiden bei den German Open (http://www.robocup-german-open.de) mehr als zufrieden. Zwar ging das Vorrundenspiel gegen Berlin knapp durch ein Eigentor mit 0:1 verloren, doch gegen die Ruhrpott Hellhounds (Dortmund) erkämpfte es ein 1:0 und gegen die Bremen Byters und Les 3 Mousquetaires (Paris) jeweils ein Unentschieden mit 0:0 und 1:1. Damit hatten die Dribbling Dackels nach der Vorrunde die beste Tordifferenz bei Gleichstand nach Punkten mit Bremen und Paris und konnten als Zweitplatzierter ihren Weg ins Finale machen.
Vor allem die neue, tiefe und schnelle Laufbewegung verhalf dem Team zum guten Abschneiden in den Vorrundenspielen. Vorteilhaft bei Zweikämpfen ist der niedrige Körperschwerpunkt. Weitere Pluspunkte sind die bessere Ballführung und die Möglichkeit, die zur Lokalisierung wichtigen Landmarken gleichzeitig mit dem Ball im Blickfeld zu halten, wenn der Roboter diesen ins Tor dribbelt. Problematisch bleibt jedoch das hohe Risiko, dass die Roboter sich mit den ausgestreckten Unterschenkeln der Vorderbeine mit anderen Robotern im Zweikampf verhaken und dadurch an der Fortbewegung behindert werden.
In langen Nächten wurde in Paderborn von allen Teams intensiv an vielen Teilen der Software weitergearbeitet, um noch manche, möglicherweise spielentscheidende Detailverbesserung zu erzielen. So implementierte das Darmstadt-Team in der Nacht vor dem Endspiel noch eine neue, verbesserte Schussbewegung, nachdem in der Vorrunde der Ball nur gedribbelt und kaum geschossen worden war. Unter dem starken Druck der Darmstädter Stürmer fiel in der ersten Halbzeit dann auch das erste Tor: Aus einem Zweikampf vor dem gegnerischen Strafraum wurde der Ball bis auf die Linie des Berliner Tors gespielt. Einer unserer Stürmer konnte sich freimachen und nachsetzen. Doch bevor dieser den Ball erreicht hatte, hatte der Berliner Torwart die Übersicht verloren und den Ball selbst mit einem Hinterbein über die Torlinie zum sehr bejubelten 1:0 geschoben! Solche Eigentore sind in der Vierbeiner-Liga häufig durch die Programmierung der Torhüter bedingt, die meistens rückwärts in ihr Tor zurücklaufen, um weiterhin das Spielgeschehen im Blick haben zu können. Deshalb kann der Roboter nicht hinter sich blicken.
Allgemein stellt die Verhaltenssteuerung der Roboter eine große Herausforderung dar. Für den naiven menschlichen Betrachter ist es leicht, sich neben das Feld zu stellen und anhand konkreter Spielsituationen das Verhalten der Roboter zu kritisieren ("Schieß doch endlich!"). Dass diese ihre Entscheidungen aber autonom auf Basis fehleranfälliger und eingeschränkter Sensordaten fällen müssen, vergisst man dabei leicht. Es ist sehr schwer, einen Programmcode zu schreiben, der in jeder Situation einer derart dynamischen Umgebung zu einer vernünftigen Entscheidung führt.
Doch die Neuentwicklungen der letzten acht Monate sind vielversprechend. Um auch gegen die internationale Weltspitze bei den nächsten Weltmeisterschaften vom 17. bis 23. Juni in Fukuoka, Japan, (http://www.robocup2002.org) bestehen zu können, bleibt in den nächsten Wochen noch viel zu tun. So müssen z. B. die Möglichkeiten der Kommunikation der Roboter via Funknetz erforscht werden, die in Fukuoka erstmals zur Verfügung stehen werden. Das Ziel für die WM ist es, mit dem German Team unter die letzten 4 von 20 teilnehmenden internationalen Mannschaften zu gelangen.
Weitere Informationen unter http://robocup.informatik.tu-darmstadt.de. Prof. Dr. Oskar von Stryk, Fachbereich Informatik, Tel. 06151/16 2513, E-mail: stryk@informatik.tu-darmstadt.de
Darmstadt, 18.4.2002, Ronnie Brunn
Das Foto der siegreichen Mannschaft finden Sie unter http://www.tu-darmstadt.de/aktuell/bilder/dackels-klein.jpg
Bildlegende:
Siegreich in Paderborn: Das TUD-Team, das mit den Darmstadt Dribbling Dackels (vorn) die Deutsche Meisterschaft im Roboterfußball (RoboCup) in der Liga der vierbeinigen Roboter gewonnen hat mit dem Pokal (von links): Martin Kallnik, Nicolai Kuntze, Ronnie Brunn, Max Risler, Michael Kunz, Sebastian Petters.

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