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Germanische Römer, römische Germanen

24.03.1999 - (idw) Universität zu Köln

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Gewandspangen geben Auskunft über Einzelheiten des Lebens im römischen Köln

Wie groß zu einem bestimmten Zeitpunkt der Einfluß der germanischen Kultur auf die Römer in Köln war oder wo genau sich das früheste Legionslager in der Gegend des späteren Köln befand - zur Beantwortung dieser und anderer Fragen können die gut 1.200 Gewandspangen beitragen, die im Römisch-Germanischen Museum in Köln aufbewahrt werden. Diese sogenannten "Fibeln", die sowohl Römer als auch Germanen wie Sicherheitsnadeln zum Zusammenhalten unvernähter Kleidungsstücke benutzten, werden derzeit von einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Professor Dr. Thomas Fischer und Ingo Martell am Archäologischen Institut der Universität zu Köln untersucht. Es wird ein Katalog über die gesamte Sammlung erstellt. Dieses Projekt wird von der Fritz Thyssen Stiftung sowie durch das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Der Katalog wird eine wichtige Ergänzung zu den im In- und Ausland bereits vorliegenden Katalogen der dortigen Fundstücke sein.

Unter den ältesten Fibeln befinden sich die typischen Mantelspangen der römischen Soldaten, die in Massen hergestellt und im ganzen römischen Reich von Soldaten getragen und verloren wurden. Sie stammen noch aus der Zeit, bevor im Jahre 50 n.Chr. die Stadt Köln gegründet wurde. Durch ihren Fundort könnten sie Aufschluß über die genaue Lage des ersten Legionslagers im Raum Köln geben.
Außerdem finden sich vom Zeitpunkt der frühesten Besiedlung an viele reichverzierte Fibeln, die zur damaligen Frauentracht gehören. Die Frauen der Provinzen trugen im allgemeinen mehrere Fibeln an ihrer Kleidung, Männer dagegen nur eine einzige zum Zusammenhalt des Mantels. In Rom selbst wurden bereits seit der republikanischen Zeit kaum mehr Fibeln getragen. Die Kleidung war hier in der Regel gänzlich vernäht und bedurfte keiner Gewandspangen. Die Bewohner der römischen Provinzen bewahrten aber über einen langen Zeitraum ihre traditionelle eisenzeitliche Tracht samt den dazugehörigen Gewandspangen. Im Zusammenwirken von einheimischen Trachttraditionen und provinzialrömischer Handwerkskunst entfaltete sich in den ersten zwei Jahrhunderten der Romanisierung sogar eine besonders vielfältige Fibelmode. In dieser spiegeln sich die verschiedenen kulturellen Wurzeln der Provinzbewohner. So sind die Fibeln Zeugnisse eines kulturellen Selbstverständnisses der Provinzbewohner, in dem vorrömisch-einheimische Traditionen bewußt bewahrt wurden. Andererseits werden auch Vorgänge der Romanisierung, also der Angleichung der einheimischen Bevölkerung an das römische Vorbild, faßbar.

Im Laufe des ersten Jahrhunderts setzt sich auch die mediterrane Mode durch. Statt zum Zusammenhalten von Gewändern, werden die Fibeln jetzt immer mehr nur als Schmuckstücke getragen. Ihre Verzierung wird prächtiger und aufwendiger. Besonders beliebt sind z.B. plastische und figürliche Darstellungen. Einen großen Aufschwung in quantitativer und qualitativer Hinsicht erfahren diese Zierfibeln gegen Ende des ersten Jahrhunderts, als die Mehrzahl der echten Trachtfibeln schon nicht mehr getragen wurde. Aufwendige Verzierungstechniken werden nun erstmalig an Gewandspangen angewendet. An einer ganzen Reihe von Kölner Originalen sind Reste einer veredelnden Verzinnung sowie Einlagen aus Knochen oder aus farbig kontrastierenden Metallen erhalten, die den Ziercharakter der goldfarben glänzenden Bronzefibeln noch verstärken. Besonders gerne wurden runde Broschen mit mehrfarbigen Glas- oder Emaileinlagen und feiner Ritzverzierung getragen.

Im ausgehenden zweiten und frühen dritten Jahrhundert ändert sich das Bild erneut. Es scheint, daß jetzt fast nur noch Soldaten und ihre Familien Fibeln getragen haben. Die Zahl der zuvor so beliebten Zierfibeln in Fundstellen mit zivilem Umfeld nimmt nämlich stark ab, und die Formenvielfalt verringert sich spürbar. Mit dem fortgeschrittenen Romanisierungsgrad der Provinzbevölkerung wurde also die unvernähte und mit Fibeln geschmückte Kleidung spätestens in dieser Zeit gänzlich unmodern. In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts dann wird die Mantelfibel der römischen Soldaten wieder auf einen reichsweit einheitlichen Typ reduziert. Dieser wird durch Formen ergänzt, die alle aus dem germanischen Kulturkreis stammen und von dem hohen Anteil an Germanen im spätantiken römischen Heer zeugen.

Die Bedeutung Kölns auch in der Endphase des römischen Reichs wird ebenfalls durch Fibeln bezeugt. Aus der wieder vereinheitlichten Form der Soldatenfibeln entwickeln sich im Laufe des nächsten Jahrhunderts nämlich Prunkformen, die als Rangabzeichen und Statussymbole von Soldaten oder kaiserlichen Beamten getragen werden.

erantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. D. Altjohann unter der Telefonnummer 0221/470-2986 und der Fax-Nummer 0221/470-5099 zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.htm).
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